Israel/Palästina

Weiter Krawalle in Ostjerusalem, Angriffe auf Gazastreifen

Die Gewalt in Nahost eskaliert weiter. Angeblich soll eine Waffenruhe vermittelt werden. Doch dafür fehlt eine offizielle Bestätigung. Es stellt sich die Frage, wer jetzt Ruhe und Frieden will und wer nicht.

Tel Aviv/Gaza - Nach der Beerdigung eines mutmaßlich einem Rachemord zum Opfer gefallenen jungen Arabers sind die Unruhen in Ostjerusalem in der Nacht auf Freitag weitergegangen. Laut israelischen Medienberichten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der Polizei. Maskierte Palästinenser warfen Steine und Molotowcocktails. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Die Krawalle griffen in der Nacht auch auf andere Orte über. Es habe Festnahmen und Leichtverletzte gegeben, berichtete die Zeitung „Haaretz“ online am Samstagmorgen. Der junge Araber war nach Ermordung von drei jugendlichen Israelis tot aufgefunden worden.

Kampfflugzeuge griffen Einrichtungen der Hamas an

Israel griff nach dem Beschuss mit palästinensischen Raketen erneut Ziele im Gazastreifen an. Ein Kampfflugzeug habe drei Einrichtungen der Hamas attackiert, teilte eine Sprecherin der israelischen Armee mit. Militante Palästinenser feuerten nach Militärangaben am Freitag 14 Raketen auf den Süden Israels ab. Die israelische Armee hatte am Morgen mit Artilleriebeschuss reagiert.

Am frühen Samstagmorgen wurde erneut eine Rakete auf Israel abgefeuert. Sie habe keinen Schaden angerichtete, berichtete „Haaretz“. Die Luftwaffe habe einen Angriff auf Khan Yunis im Gazastreifen geflogen.

Der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gebe Ägypten zusätzlich 24 Stunden Zeit, um eine Waffenruhe auszuhandeln, berichtete der israelische Fernsehsender Channel 10 am Freitag, wie die Zeitung „Jerusalem Post“ schrieb. Israel hofft, dass sich mit einer Feuerpause die Lage an der Grenze zum Gazastreifen wieder beruhigen werde.

Im arabischen Osten Jerusalems wurde im Beisein Tausender Trauergäste der junge Araber beigesetzt, der mutmaßlich einem Rachemord zum Opfer gefallen war. Hunderte wütende Palästinenser lieferten sich dazu Straßenschlachten mit der Polizei. Dabei wurden nach Medienberichten mehrere Dutzend Menschen verletzt.

Tausende Polizisten in erhöhter Alarmbereitschaft

Auslöser der jüngsten Eskalation war die Entführung und Tötung dreier israelischer Jugendlicher und der mutmaßliche Racheakt an dem palästinensischen Teenager. Die Familie des 16-Jährigen aus Ostjerusalem beschuldigt israelische Siedler, den Jugendlichen ermordet zu haben. Der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld betonte jedoch, ein krimineller Hintergrund sei weiterhin nicht auszuschließen.

In Jerusalem waren angesichts befürchteter Ausschreitungen tausende Polizisten in erhöhter Alarmbereitschaft. Zu den Gebeten auf dem Tempelberg am ersten Freitag des muslimischen Fastenmonats Ramadan wurden nur Männer über 50 und Frauen zugelassen.

Neben den Unruhen in Ostjerusalem und im Westjordanland gab es die Sorge vor einer neuen israelischen Militäroffensive im Gazastreifen. In den Medien kursierten zugleich Berichte über eine bevorstehende Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Dafür gab es aber keine Bestätigung von offizieller israelischer Seite.

Die palästinensische Zeitung „Al-Quds“ berichtete, Hamas und Israel hätten sich unter ägyptischer Vermittlung auf einen Stopp der gegenseitigen Angriffe geeinigt. Hamas habe darauf bestanden, dass beide Seiten die Attacken gleichzeitig einstellen, schrieb die Zeitung. Das Ziel sei eine Waffenruhe binnen 72 Stunden.

Bodentruppen an den Rand des Gazastreifens verlegt

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman warnte jedoch bei einem Besuch in der Grenzstadt Sderot, eine Waffenruhe wäre „ein schwerer Fehler“. Lieberman sagte: „Wir müssen diejenigen fassen, die den Terror unterstützen, einschließlich (der Hamas-Führer) Khaled Mashaal und (Ismail) Haniyeh, die damit zu tun haben, und sie müssen wissen, dass sie legitime Zielscheiben sind.“

Die israelische Armee hatte am Donnerstag Bodentruppen an den Rand des Gazastreifens verlegt. Israel betont aber, es sei nicht an einer weiteren Eskalation interessiert. In der Nacht auf Freitag kam es zum ersten Mal seit Tagen nicht zu israelischen Luftangriffen in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer.

Seit Ende November 2012 gilt eine stets brüchige und von beiden Seiten immer wieder missachtete Waffenruhe. Sie beendete einen achttägigen blutigen Schlagabtausch zwischen Israel und der Hamas.

Die Hamas spricht Israel zwar das Existenzrecht ab und ist gegen die Friedensverhandlungen, hat aber lange versucht, kleinere militante Gruppen von Angriffen gegen Israel abzuhalten, um nicht selbst Ziel von Gegenangriffen zu werden. Israel wirft der radikalislamischen Organisation jedoch vor, an den jüngsten Raketenangriffen selbst beteiligt gewesen zu sein. (APA/dpa)