„wellenklaenge“: Festivalauftakt begeisterte mit Schubert und Rap

Lunz am See (APA) - „Bei mediterranem Flair und gewohnt milden Temperaturen“, wie Bürgermeister Martin Ploderer augenzwinkernd in seiner Red...

Lunz am See (APA) - „Bei mediterranem Flair und gewohnt milden Temperaturen“, wie Bürgermeister Martin Ploderer augenzwinkernd in seiner Rede anmerkte, wurden gestern, Freitag, Abend die „wellenklaenge“ im niederösterreichischen Lunz am See eröffnet. Ein vielfältiges Programm zwischen Seiltanz und Cellomusik, Schubert und Rap war ein gelungener Auftakt des bis 26. Juli dauernden diesjährigen Festivals.

Seit zehn Jahren verfügt das 1996 von Suzie Heger als „Lunzer Sommerspiele“ gegründete Festival mit der Seebühne des aus Lunz stammenden Künstlers Hans Kupelwieser auch über eine multifunktionale architektonische Attraktion. Tagsüber als Schwimminsel und Sprungsteg im Einsatz, dient sie abends als überdachte Zuschauertribüne, von der ein herrlicher Blick auf die schwimmende Bühne geboten wird.

Wenn im Hintergrund Enten und Schwäne vorbeischwimmen, ein Ruderboot in aller Ruhe vorüber gleitet und Vogelgezwitscher die Musikdarbietungen begleitet, während die Berge allmählich in der Dunkelheit verschwinden, weiß man, dass der Zauber der Verbindung von Kunstanspruch und Naturkulisse, Gastfreundschaft und Weltoffenheit auch im 18. Festivaljahr ungebrochen ist. 2013 kamen rund 3.500 Besucher. Heuer könnten das ruhig noch ein paar mehr werden. Denn das spartenübergreifende Programm, das sich heuer mit dem Thema Reisen befasst, bietet rund 20 Veranstaltungen und liest sich vielversprechend.

Als Artist in Residence beschäftigt sich der italienische Dirigent und Pianist Marino Formenti mit Schubert. Die großen Komponisten seien nicht wie die goldglänzende Johann-Strauß-Statue im Wiener Stadtpark zu verehren, sondern stets auf ihre heutige Bedeutung für die Gesellschaft zu untersuchen, sagte Formenti in einer kleinen Vorrede und spielte eine reine Klavier-Version des Schubert-Lieds „Du bist die Ruh‘“, die nahtlos in einen Rap von Esra und Enes Özmen überging.

Die Mitwirkung der beiden Wiener Geschwister, die als EsRap zu zweit auftreten und als Teil der Formation Fight Rap Camp den Protestsongcontest 2014 gewannen, bot eine Kostprobe dessen, was Formenti in seinem Projekt „borderbreak II, Schubert und ich“ in einer Woche gemeinsamen Lebens und Arbeitens mit Freunden in einem extra gemieteten Haus in Lunz zeigen will: Schuberts Brüder und Schwestern im Geiste haben heute dieselben Probleme, nur andere Wege, sie auszudrücken. Am Ende der „wellenklaenge“ wird zu einem „Schubertgartenfest“ geladen, gemeinsam gefeiert und musiziert und bei einem Abschlusskonzert gezeigt, was bei der Klausur herausgekommen ist.

Formenti war jedoch nur einer der Protagonisten des stimmigen Eröffnungsabends: Die Nouveau Cirque-Truppe „Le Boustrophedon“ (Lucie Boulay und Daniel Masson) aus Toulouse bot mit ihrem musikalisch-artistischen Programm „La vieille et son pianiste“ wunderbar poetische Miniaturen des Seil- und Spitzentanzes einer eigenwilligen alten Dame, halb Mensch und halb Marionette, die vier Damen des Quartetts „Extracello“ (Edda Breit, Melissa Coleman, Margarethe Deppe und Gudula Urban) boten Kostproben ihres weiten Repertoires zwischen Bach, Bob Dylan und Eigenkompositionen und lieferten mit Sambaklängen das Alternativprogramm zum gleichzeitig laufenden WM-Spiel, bei dem sich die Selecao den Einzug ins Halbfinale sicherte.

Das Finale auf der Seebühne bestritten Formenti, Extracello und EsRap gemeinsam: Eine außergewöhnliche Version von Schuberts „Leiermann“ entließ die Besucher in die Nacht. Mit Ernst Kreneks „Jonny spielt auf“ mit dem Ensemble Federspiel (11. Juli), dem Bühnenweihespiel „Hans im Glück“ von Kurt Schwertsik und Karl Ferdinand Kratzl (12. Juli) oder einem Abend mit der Regisseurin Jacqueline Kornmüller zum Thema „Reisen und Flucht“ (19. Juli) gibt es mehr als einen Grund zum Wiederkommen.

(S E R V I C E - „wellenklaenge“ in Lunz am See, bis 26.7., Karten bei Ö-Ticket: Tel. 01 / 96 0 96, www.wellenklaenge.at)

(B I L D A V I S O - Bild-Download im Pressebereich von www.wellenklaenge.at)