Kunterbunt verblasen: „Käthchen von Heilbronn“ in Perchtoldsdorf
Perchtoldsdorf (APA) - Ziemlich zerzaust und verblasen ist am Freitagabend die Premiere des Kleist‘schen Lustspiels „Das Käthchen von Heilbr...
Perchtoldsdorf (APA) - Ziemlich zerzaust und verblasen ist am Freitagabend die Premiere des Kleist‘schen Lustspiels „Das Käthchen von Heilbronn“ bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf geraten, und dies nicht nur wegen des starken Windes. In Michael Sturmingers erster Saison als Intendant hat Maria Happel Regie geführt und aus dem historischen Ritterschauspiel eine kunterbunte Genremixtur gebraut.
„Wir haben keine Angst vor schwierigen Stücken“, hatte Sturminger bereits im Vorfeld erklärt, und einiger Mut gehört wohl auch dazu, ausgerechnet mit dem „Käthchen“ eine sommertheatertaugliche Produktion zu basteln. Happel hat die Herausforderung angenommen und in einer wilden Mischung aus Trash, Märchen, Abenteuerdrama und Schauerstück versucht, den Untiefen des Stücks beizukommen. Teilweise ist das gelungen, doch insgesamt bleibt doch Ratlosigkeit zurück, was das denn nun gewesen sein soll: die Geschichte eines Traums oder doch nur seine Verulkung?
Es beginnt mit einem Femegericht: Immerhin wird Graf vom Strahl (Nikolaus Barton ist ein sympathischer Held) beschuldigt, das minderjährige Käthchen (entwaffnend unschuldig: Anna Unterberger) verführt zu haben. Ein derartiger Verdacht wäre auch heute ein Skandalon sondergleichen. Doch die beiden sind einander bestimmt durch die Vorsehung, der Kaiser selbst (Wolfgang Hübsch) hält aus gutem Grund seine schützende Hand darüber.
Rundherum wird deklamiert, schwadroniert, gekämpft, intrigiert und reichlich geblödelt. Da reiten erwachsene Menschen durch die Gegend wie Vierjährige, wird zwischendurch getanzt und abgeshaket, gibt‘s ein pyrotechnisches Spektakel in und auf der Burg, Happel selbst trippelt mit auftoupierter Frisur im giftgrünen Kostüm wie ein Mutterdrachen umher, dennoch stellt sich kein stimmiges Gefühl ein. Der Beifall war dementsprechend freundlich, aber zurückhaltend.
(S E R V I C E - Sommerspiele Perchtoldsdorf: Heinrich von Kleist, „Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe“. Regie: Maria Happel, mit Wolfgang Hübsch, Anna Unterberger, Nikolaus Barton, Cornelia Köndgen, Dirk Nocker, Veronika Glatzner, Maria Happel u.a., Vorstellungen bis 2. August, Tickets und Information: Tel. 01/86683-400 oder 01/96096-111, www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at)
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