„Poolbar-Festival“ in Feldkirch eröffnet elegisch und exaltiert

Feldkirch (APA) - Das ehemalige Hallenbad in Feldkirch hat sich über die Jahre zum beliebten sommerlichen Festivalfixpunkt gemausert: Am Fre...

Feldkirch (APA) - Das ehemalige Hallenbad in Feldkirch hat sich über die Jahre zum beliebten sommerlichen Festivalfixpunkt gemausert: Am Freitagabend wurde die 21. Ausgabe der charmant-popkulturellen Eventreihe in der „Poolbar“ eröffnet - mit improvisiertem Touch, da die Aufbauarbeiten noch im Gange waren, den Wiener Alternativradio-Helden Bilderbuch als begeisterndem Headliner und König Fußball im leeren Becken.

Die Festivalarchitektur vor dem grauen Betonbau, der am Rande der Altstadt mitten in der Wiese ohnehin einen wunderbar deplatzierten Eindruck macht, wird jährlich per Ausschreibung neu gestaltet. Entsprechend kann man sich nie so sicher sein, was einen rund um das alte Hallenbad denn so erwartet - und ob die Pläne bis zum Auftakt auch wirklich bereits realisiert sind. Dieses Work-in-Progress-Gefühl lässt stets eine fast mediterrane Entspanntheit entstehen, die entscheidend zum Flair der Poolbar beiträgt.

Während einem also am frühen Abend beim Getränkekauf noch die Teleskopstange der Malerrolle über die Schulter schaut, gibt Emily Dressel gepflegten Songwriter-Pop auf der Holzterrasse zum Besten, der von den ersten Ankömmlingen neugierig bis interessiert wahrgenommen wird. Parallel füllen sich die Stufen und Bänke im wasserfreien Becken rascher als gedacht, wird hier auf der großen Leinwand doch das französische Fußballteam von einigen erfreuten Deutschland-Fans in die Sommerpause verabschiedet.

War im Hintergrund der ersten Viertelfinal-Partie noch der Soundcheck zu vernehmen, geht es dann nach Spielende mit der Grazer Indie-Rockband Farewell Dear Ghost zum ersten Konzert des Abends - eingängig, emotional, teils elegisch und ein wunderbar vielversprechender erster Act für einen langen Festivalsommer. Später, das Gelände ist mittlerweile gut gefüllt und die Stimmung ausgelassen, ist das junge Publikum hin- und hergerissen: doch für Bilderbuch ist nicht einmal Brasilien gegen Kolumbien eine ernsthafte Konkurrenz.

Während das Stadion beim zweiten Viertelfinalspiel ganz in Gelb getaucht ist, fällt den meisten parallel bei Bilderbuch gleich deren Hit „Maschin“ und das dazugehörige Musikvideo mit dem gelben Lamborghini ein. Die „Maschin“ kommt dann auch gleich zwei Mal beim Konzert, ohne auch nur annähernd an Power zu verlieren. Dazu ein intensives und exaltiertes Set, das augenzwinkernd und mit Falco-Anleihen u.a. das „Joghurt auf der Bluse“ zur Katastrophe stilisiert und die „feinste Seide“ beschwört. Der Hype ist völlig legitim.

So mischen sich im Anschluss also glückliche Bilderbuchbejubler und trauernde Kolumbiensympathisanten, denen der WM-Gastgeber kurzfristig das Herz gebrochen hat, in der lauen Sommernacht vor der Bierzapfstation oder im Pool neben der Bar, wo nach dem Spiel ein DJ das Tanzen bis tief in die Nacht hinein ermöglicht. In den kommenden sieben Wochen lockt die Poolbar u.a. mit HIM, Anna Calvi, The Dandy Warhols oder Maximo Park sowie Filmvorführungen, Lesungen und Workshops. Der Sommer kann kommen.

(S E R V I C E - www.poolbar.at)