Tirol

Nach Großbrand in St. Johann: „Katastrophe nur gemildert“

Der Brand ihres Hofes in St. Johann nahm einer Familie ihr Heim und ihre Tiere. Um ein Haar erfasste das Feuer auch die benachbarte Tankstelle.

Von Elke Ruß

St. Johann i. T. –Er habe schon viele Großbrände erlebt, sagt Feuerwehrkommandant Ernst Stöckl der TT, „aber noch nie, dass einer so schnell solche Dimensionen annimmt!“ Als am Freitag gegen 17 Uhr bei Spenglerarbeiten am Tennendach des Hofes am Ortsrand Feuer ausbricht, greift es fast explosionsartig auf den Wirtschafts- und Wohntrakt über. „Die Rauchsäule ist 100 Meter aufgestiegen“, berichtet Stöckl am Samstag.

Die massive Hitzeentwicklung lässt bei der dahinterliegenden Tankstelle die Anzeigentafel schmelzen. Diese Tankstelle vor der Explosion zu schützen – das ist dann auch die primäre Aufgabe der 120-köpfigen Löschmannschaft.

Auf die Frage, ob eine Katastrophe verhindert wurde, meint der Feuerwehrchef: „Verhindern konnten wir sie nicht, aber mildern. Das Ziel wäre gewesen, das Wohnhaus zu retten, aber das ist nicht gelungen.“ Trockenes Holz, ein heißer Tag, keine Feuermauer: All dies nennt Stöckl als Komponenten, warum sich der Brand rasend ausbreitete. Mit viel Glück blieben zwei Gasflaschen heil, die für das Flämmen auf dem Tennendach waren.

Der Spengler kann sich nur durch einen Sprung vom Dach retten, er wird mit einer Fußverletzung ins Spital gebracht. Die drei Bewohner des Hofes – eine Mutter und ihre Zwillinge im Hauptschulalter – sind beim Heuen, als der Brand ausbricht. Sie sind so geschockt, dass sie ebenfalls ins Krankenhaus müssen. Laut Stöckl bekommen sie auch psychologische Betreuung. Die Kinder haben zum Ferienbeginn nicht nur ihr Heim verloren: Fast alle ihrer geliebten Tiere – Ziegen, Hasen, Hühner, Vögel, Katzen – kommen um.

Das Feuer bzw. die Löschleitungen über die Bundesstraße legen den Verkehr für fünf Stunden lahm. Auch gestern rückte die Feuerwehr noch stündlich an, um aufflammende Glutnester zu bekämpfen. Die Familie findet vorerst bei Verwandten Aufnahme.