Menasse-Plädoyer für „Europa der Regionen“: „Fürchtet euch nicht“
Völs (APA) - Der Schriftsteller Robert Menasse hat am Samstag bei der vom Land Südtirol organisierte Tagung in Völs am Schlern, passend zum ...
Völs (APA) - Der Schriftsteller Robert Menasse hat am Samstag bei der vom Land Südtirol organisierte Tagung in Völs am Schlern, passend zum Thema „Regionen in Europa“, einen Abgesang auf die Nationalstaaten gehalten und gleichzeitig ein Loblied auf das „Europa der Regionen“ als Zukunftsmodell gesungen. „Die Nationalstaaten werden sterben“, prophezeite Menasse in seinem Referat.
Für die Regierungschefs Europas, darunter den der Rede Menasses zuhörenden Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), hatte der Schriftsteller im Falle eines solchen Szenarios Trost sowie eine neue Job-Aussicht in einem „Europa der Regionen“ parat: „Wer es geschafft hat, in einem Nationalstaat Bundeskanzler zu werden, kann auch Landeshauptmann werden“. Im Jahr 2014 sei es höchste Zeit, dass „wir das 20. Jahrhundert begraben“, meinte Menasse. In diesem „Jahrhundert der Nationalstaaten“ seien die größten Menschheitsverbrechen aufgrund nationaler Interessen passiert, so der Autor.
Ein „Europa ohne Nationen“ sei keine Utopie, sondern ein „realer Prozess“, der auf dem Kontinent stattfinde und der von Anfang an geplant gewesen sei. Auch die „Auseinandersetzung der Dialektik zwischen den Regionen und den Nationen“ habe es vom Beginn Europas an gegeben, argumentierte Menasse.
Der erste Vorsitzende der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Deutsche Walter Hallstein, habe seinerzeit davon gesprochen, dass es um eine „Überwindung des Nationalstaates“ gehe. „Einer der Gründe der Krise ist, dass sich eine Angela Merkel das gar nicht zu sagen traut. Sie kann es nicht einmal denken“, kritisierte der Schriftsteller.
Mit einer Überwindung der Nationalstaaten und einem „Europa der Regionen“ würde sich Europa „zum ersten Mal selbst europäisieren und nicht die Welt“. Man werde den „ersten nachnationalen Kontinent bilden“, sagte der Wiener und fügte hinzu: „Fürchtet euch nicht. Freut euch“.
Menasse war in den vergangenen Jahren als vehementer Verfechter eines nachnationalen Europas aufgetreten. Sein Essay „Der Europäische Landbote“ wurde von der Friedrich Ebert Stiftung Berlin als „Das Politische Buch 2013“ ausgezeichnet.
Kommentare