1:0 gegen Belgien: Argentinien steht erstmals seit 1990 im Halbfinale
In einer schwachen Partie sorgte Gonzalo Higuain mit einem Treffer in der 8. Minute für die frühe Entscheidung.
Brasília – Dank Gonzalo Higuain hat Argentinien einen weiteren Schritt Richtung Traumfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft gemacht und mutlosen Belgiern den Weg unter die Top Vier verbaut. Durch ein glanzloses 1:0 (1:0) erreichten die Südamerikaner am Samstag in Brasília zum ersten Mal seit 1990 ein WM-Halbfinale und treffen dort am Mittwoch in São Paulo (22.00 Uhr MESZ) auf die Niederlande.
Higuain-Treffer spielt Argentinien in die Karten
Mit seinem ersten Turnier-Tor machte Higuain in der 8. Minute den dritten 1:0-Erfolg des zweifachen Weltmeisters perfekt, der vor 68.551 Zuschauern seinen Viertelfinal-Fluch besiegte, aber einmal mehr den Nachweis schuldig blieb, ein heißer Titelkandidat zu sein. Belgiens „Rote Teufel“ verpassten nach ihrer schwächsten Vorstellung in Brasilien den ersten Einzug in die WM-Vorschlussrunde seit 1986.
Die Argentinier überließen den Belgiern zunächst das Spiel, doch die „Roten Teufel“ konnten kein Kapital daraus schlagen. Gegen taktisch sehr disziplinierte Südamerikaner blieben sie wirkungslos - und Lionel Messi bekamen sie nur selten in den Griff. In der 8. Minute war der Star mit einem Zuspiel auf Angel di Maria Ausgangspunkt des Führungstores. Dessen von Jan Vertonghen abgefälschter Pass landete bei Higuain, der nicht lange fackelte und Torwart Thibaut Courtois mit seinem Direktschuss aus 16 Metern überwand.
Für den Stürmer war der erste WM-Treffer in Brasilien eine Erlösung. Higuain, der nicht topfit in die WM gestartet war und sich schon Kritik gefallen lassen musste, wurde im Spielverlauf immer stärker und machte auch den Ausfall von di Maria wett. Der Flügelflitzer musste nach 33 Minuten seinen Platz wegen einer Oberschenkelblessur für Enzo Perez räumen.
Frischer Wind durch Einwechslungen
Die Wechsel in Argentiniens Abwehr zahlten sich aus. Der Ex-Münchner Martin Demichelis, der nach zweieinhalb Jahren ohne Länderspiel von Trainer Alejandro Sabella überraschend für die WM berufen worden war, fügte sich in die zur Hälfte neu formierte Viererabwehrkette bestens ein. Lucas Biglia, der einige Jahre in der belgischen Liga spielte, meldete zumeist Wolfsburgs Kevin De Bruyne ab.
Die vor dem Spiel noch so selbstbewussten „Roten Teufel“ ließen ihren vollmundigen Worten keine Taten folgen und agierten die meiste Zeit ohne Biss und Kreativität. Erst in der 26. Minute hatte Argentiniens Keeper Sergio Romero beim Schuss von de Bruyne seine erste Prüfung zu bestehen. Der Schlussmann konnte den Ball nur nach vorne abklatschen, doch kein belgischer Angreifer hatte nachgesetzt. Die beste Gegelegenheit vor der Pause verpasste Kevin Mirallas, der von Coach Marc Wilmots den Vorzug vor Dries Mertens erhalten hatte. Sein Kopfball nach Vertonghen-Flanke flog knapp am Tor vorbei (42.).
Dank Higuain blieb die Albiceleste auch nach dem Seitenwechsel die dominierende Mannschaft. In der 55. Minute scheiterte der 26-Jährige nach tollem Solo, bei dem er sogar Belgiens Abwehrchef Vincent Kompany tunnelte, mit seinem Schuss an der Lattenoberkante. Erst die Einwechslungen von Mertens und Romelu Lukaku für Mirallas und den schwachen Divock Origi brachten nach gut einer Stunde frischen Wind in die belgische Offensive. Doch zwingende Torchancen vermochten sich die «Roten Teufel» nicht mehr zu erspielen, obwohl Abwehrspieler Daniel van Buyten in der Schlussphase mit in die Spitze ging.
STIMMEN ZUM SPIEL:
Alejandro Sabella (Argentinien-Teamchef): „Wir haben es alle geschafft, wir haben den Rubikon überschritten. Das ist eine große Freude für die Mannschaft, die Trainer, die Fans.“
Martin Demichelis (Argentinien-Verteidiger): „Nach 24 Jahren steht Argentinien endlich wieder im Halbfinale. Das ist ein ganz besonderer Moment für uns alle. Heute hat die gesamte Mannschaft ein unglaubliches Spiel gemacht. Wir haben gewonnen, weil wir es wollten.“
Gonzalo Higuain (Argentinien-Stürmer, 1 Tor): „Das ist bewegend. Heute feiern wir. Diese Mannschaft hat sich das verdient. Ich wusste, dass ich bei dieser WM treffe. Zum Glück ist es mir zu einem sehr wichtigen Zeitpunkt gelungen. Jetzt sind wir noch zwei Siege vom großen Traum entfernt.“
Lucas Biglia (Argentinien-Verteidiger): „Wir freuen uns darüber, die Mannschaft dahin gebracht zu haben, wo sie hingehört.“
Marc Wilmots (Belgien-Teamchef): „Wir mussten praktisch das gesamte Spiel einem Rückstand nachlaufen. Wir waren gezwungen, das Spiel zu machen. Wir hatten unsere drei, vier Chancen, aber das war kein großes Spiel. Am Ende haben die Argentinier verdient gewonnen. Klar sind wir enttäuscht, aber wir müssen das Positive aus diesem Turnier mitnehmen.“
Daniel van Buyten (Belgien-Verteidiger): „Uns hat die Erfahrung gefehlt, das ist in so einem großen Turnier eine entscheidende Komponente. Das Ausscheiden ist bitter, denn eigentlich war das heute das leichteste Match im gesamten Turnier. In der Pause waren alle Spieler noch richtig frisch. Ich hoffe, dass alle Spieler alles gegeben haben, sonst wäre es noch bitterer. Argentinien ist alles andere als unschlagbar. Wenn sie gegen eine Mannschaft wie Deutschland spielen, dann setze ich alles was ich habe auf Deutschland.“
Viertelfinale: Argentinien - Belgien 1:0 (1:0)
Brasilia, Nationalstadion, 69.000, SR Rizzoli (ITA)
Tor:
1:0 (8.) Higuain
Argentinien:
Romero - Zabaleta, Demichelis, Garay, Basanta - Lavezzi (71. Palacio), Biglia, Mascherano, Di Maria (33. Perez) - Messi, Higuain (81. Gago)
Belgien:
Courtois - Alderweireld, Van Buyten, Kompany, Vertonghen - Witsel, Fellaini - Mirallas (60. Mertens), De Bruyne, Hazard (75. Chadli) - Origi (59. Lukaku)
Gelbe Karten:
Biglia bzw. Hazard, Alderweireld
Kommentare