Hängebrücken, Gedichte und Klostergärten beim TT-Café in Reutte
Massenansturm und jede Menge Spaß prägten das TT-Café in Reutte.
Von Helmut Mittermayr
Reutte – 900 Tassen Kaffee, 1000 Stück Frühstücksgebäck und Brezen, dazu Hunderte Mineralwasser und Fruchtsäfte. Die Ausgabezahlen beim TT-Café am Isserplatz in Reutte sprechen eine deutliche Sprache. Unzählige Fans und Leser der Tiroler Tageszeitung ließen sich am Samstagvormittag von ihrer Tageszeitung verwöhnen. Die Besucher hatten es sich beim Gratis-Frühstück mit Kaffee von Wedl
Testa Rossa, Montes-Mineralwasser und Gebäck vom Bäcker Ruetz gemütlich gemacht. Der Isserplatz hatte sich in eine einzige große Frühstückszone mit buntem Rahmenprogramm verwandelt.
Für mehr als reine Unterhaltung sorgten dann auch die prominenten Gäste am Podium, mit denen TT-Chefredakteur Alois Vahrner über Leben, Karriere, Beruf und Berufung plauderte. Fürchtet euch nicht – hätte das Motto von Roland Astl lauten können. Seit April als Landeskoordinator für die Integration Behinderter im Regelschulwesen tätig, versuchte er, Sorgen über ein zu rasantes Tempo zu zerstreuen. In kleinen Schritten werde die Integrationszahl angehoben. 2500 Kinder in Tirol haben laut Astl besonderen Unterstützungsbedarf.
Raiba-Reutte-Vorstandsvorsitzender Hannes Gomig schilderte die geänderten Marktbedingungen, die den Banken prinzipiell und der Raiba Reutte speziell zusetzen. Von der Entwicklung in Osteuropa bis hin zu Tiefstzinssätzen, von gesunkenen Nettozinserträgen in Millionenhöhe und Überschüssen, die nur schwer anzulegen seien. Die Raiba selbst hat Kunden aufmerksam gemacht, dass sie durch die Aufhebung des Bankgeheimnisses reagieren müssten.
BM Alois Oberer hatte eine Neuigkeit für die Frühstücker am Isserplatz mitgebracht. Der Provinzial der Franziskaner, die das Kloster Reutte im September verlassen, war am Donnerstag offiziell auf ihn zugekommen und hat die Marktgemeinde Reutte um Hilfe gebeten. Die Gemeinde soll Vorschläge unterbreiten, wie das riesige Anwesen künftig genutzt werden kann. Auch einem Architektenwettbewerb würde von den Franziskanern zugestimmt. Einzig ein Verkauf wird ausgeschlossen.
Rudi Schedler aus Hägerau schilderte dann eindrucksvoll, wie in seiner Lechtaler Ideenschmiede Hits geboren werden. „Its all about the song“ ist eines seiner Mottos. Im Musikverlag werden Texte für erfolgreiche Schlagerstars wie Helene Fischer kreiert. Sprudeln dann auch die Einnahmen durch einen Hit, ist der Verlag mit einem Drittel beteiligt. Zwei Drittel gehören dem Urheber. Im obersten Lechtal gebe es wenig Ablenkung. „Genau das Richtige für einen 14-Stunden-Arbeitstag“, lacht Schedler. Die Problematik des illegalen Verwendens von Musiktiteln betrifft auch seine Firma.
Der neue Vorstandsvorsitzende der Reuttener E-Werke, Klaus Schmitzer, ist Herr über 450 Mitarbeiter im Außerfern und im Allgäu. Expansionsgelüste im Bezirk Reutte – wie noch vor 20 Jahren am Streimbach – sind eingestellt. Denn die Achse Lech sei längt Tabu. Aber Interventionen beim Land hätten geholfen, dass die EWR nun auch bei Projekten in „Innertirol“ miteinsteigen können. Die EWR halten 34 Prozent am Kraftwerk Stanzertal, das im Oktober erstmals die Turbinen anwerfen wird.
Eine Höhepunkt des morgendlichen Zusammenseins war dann Mundartdichterin Mizzi Tuschl. Die Reuttenerin sah in ihren Reimen nichts Besonderes. Andere könnten singen, sie dichte halt manchmal ein paar Zeilen. Understatement pur, wie sich schnell zeigen sollte. Tuschl gab mit spitzer Zunge ein paar Verse zum Besten und die Zuhörer bogen sich vor lachen. Mit großem Applaus wurden Zugaben eingeklatscht.
Neo-Regisseur Bernhard Wolf, sein Stück feierte Samstagabend auf der Geierwally-Bühne in Elbigenalp die Premiere, gab an, gerade nicht extrem nervös zu sein. Er könne nun wie ein Fußballtrainer, ein paar Stunden vorher, eh nichts mehr ändern. Offen ließ er aber, ob er die Premiere überhaupt mitverfolgen werde oder doch lieber spazieren gehe. Zur Frage nach dem Auskommen eines Schauspielers wusste er, dass viele davon nicht leben können.
Mr. Ehrenberg, Armin Walch, „hängte“ dann schon einmal die längste Fußgängerbrücke der Welt für das Publikum bildlich ein. Spektakulär sei bald das Überspannen der 32 Tonnen schweren Seile über die B 179. Walch rechnet mit mindestens 50.000 Betretern der Brücke, würden doch schon jetzt jedes Jahr 140.000 Ehrenberg besuchen. Der Eintritt für Erwachsene wird acht Euro betragen, für Kinder sechs.
Zum TT-Café gehörten nicht nur Frühstück, Interviewgäste und Musik von Prime Time, sondern auch ein Gewinnspiel. Unter allen Besuchern, die ein ausgefülltes Kärtchen eingeworfen hatten, wurden zwei Gewinner gezogen. Fortuna bescherte Andreas Arzl aus Weißenbach einen Gutschein für eine Übernachtung in einem Kaltschmid-Hotel in Seefeld sowie Marlene Broll aus Lechaschau eine Wedl-Espressomaschine.
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