Merkel richtet Augenmerk auf Probleme von Wanderarbeitern in China

Chengdu (APA/dpa) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt Bemühungen chinesischer Behörden um eine bessere Integration von ...

Chengdu (APA/dpa) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt Bemühungen chinesischer Behörden um eine bessere Integration von Wanderarbeitern in Städten - vor allem deren Kinder leiden unter Ausgrenzung und Entwurzelung. Merkel besuchte am Morgen ein Entwicklungszentrum für Sozialarbeit in Chengdu, der Hauptstadt der westchinesischen Provinz Sichuan. Das Sozialprojekt gilt als einzigartig in China.

Die Einrichtung wurde von der Professorin Zhang Wei entwickelt, die in Deutschland studiert und gearbeitet hat. Der Integrationsprozess der Wanderarbeiter gilt als schwierig, da die alteingesessene Stadtbevölkerung sie abschottet. Zhang initiierte Ehe-, Familien- und psychosoziale Beratung für Lehrer, Eltern und Großeltern. Derzeit werden 100 Familien ständig und 400 Kinder gelegentlich betreut. Unter den 1,4 Milliarden Chinesen leben 270 Millionen Wanderarbeiter.

Zuvor hatte Merkel an einer Tagung des deutsch-chinesischen Dialogforums teilgenommen. Das 2005 gegründete 30-köpfige zivilgesellschaftliche Gremium berät beide Regierungen. Ihm gehören Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer und Gewerkschafter an, darunter auf deutscher Seite der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer, der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Ulrich Klose und der Chef der IG Bergbau, Chemie und Energie, Michael Vassiliadis.

Ferner besuchte Merkel eine Veranstaltung zum Ausbau der Städte. Sie nannte die Urbanisierung mit der Integration von Wanderarbeitern und der gleichzeitigen Harmonisierung der Lebensverhältnisse auf dem Land eine Riesenherausforderung. Chengdu sei eine rasant wachsende Metropole, fast schon mit einem Ausmaß eines deutschen Bundeslandes. Chengdu hat 14 Millionen Einwohner. Jährlich siedeln in der insgesamt etwa 88 Millionen Einwohner zählenden Provinz Sichuan eine Million Menschen vom Land in die Städte.

Nach Angaben aus Regierungskreisen will Merkel bei ihren Gesprächen mit Ministerpräsident Li Keqiang am Abend und mit Staatspräsident Xi Jinping am Montag in Peking auch Menschenrechtsfragen ansprechen.

Als eher unwahrscheinlich galt aber, dass sie sich erfolgreich für den Wunsch des chinesischen Künstlers Ai Weiwei einsetzen kann, seine noch bis zum 13. Juli in Berlin geöffnete Ausstellung besuchen zu dürfen. Ai wird derzeit die Ausreise verweigert.

Am Mittag wollte Merkel das Joint Venture von Volkswagen und dem chinesischen Automobilhersteller FAW in Chengdu besichtigen. Das Gemeinschaftsunternehmen besteht seit 1991 mit Hauptsitz in Changchun, nordöstlich von Peking. Unter dem Projekt wird für VW und Audi produziert. 2013 erreichte die Produktion einen Marktanteil von elf Prozent in China. In Chengdu wird vor allem das sechste Modell des VW Jetta produziert.

China gehört zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Die Volksrepublik war 2013 mit einem Ausfuhrwert von 67 Milliarden Euro nach den USA der zweitwichtigste Absatzmarkt der deutschen Wirtschaft außerhalb Europas und der fünftwichtigste überhaupt. Für die deutschen Schlüsselindustrien wie Auto- und Maschinenbau ist der chinesische Markt von großer Bedeutung. In Chengdu sind rund 120 deutsche Unternehmen präsent.

Deutsche Firmen beklagen aber mangelnden Schutz des geistigen Eigentums in China, Raubkopien und den Zwang zu Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Firmen. Letzteres trifft vor allem die Automobilbranche. Neben einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation wird Merkel von Abgeordneten aller Bundestagsfraktionen begleitet.