Amüsanter Lichtblick: „Unverhofft“ bei den Festspielen Reichenau

Reichenau (APA) - Als vierte Produktion des diesjährigen Festspielsommers ist am Samstagabend in Reichenau Johann Nestroys Posse „Unverhofft...

Reichenau (APA) - Als vierte Produktion des diesjährigen Festspielsommers ist am Samstagabend in Reichenau Johann Nestroys Posse „Unverhofft“ in der Inszenierung von Helmut Wiesner zur Premiere gelangt: ein amüsanter Lichtblick inmitten allseits grassierender inhaltlicher Düsternis.

Es dauert ein wenig, bis die Sache in die Gänge kommt. Miguel Herz-Kestranek - als Herr von Ledig (nomen est omen) mit unverhofftem Nachwuchs - und Brigitte Swoboda (erstmals in Reichenau dabei) als Haushälterin Schnipps kommen ab dem zweiten Akt so richtig in Schwung, wenn der hinreißende Toni Slama als Fabrikant Walzl, Therese Affolter als gar nicht so engelhafte Gemahlin Gabriele und nicht zuletzt Nicolaus Hagg als von Ungewissheiten geplagter Modewarenhändler Falk in Aktion und von einem Fettnapf in den nächsten treten. Allein die Körpersprache ist reiner Genuss: Wie Slama Kopf und Hals vorstreckt und dabei mimische Contenance einzuhalten versucht, wie Hagg neurotische Zwangsbewegungen vollführt und zugleich mit der Logorrhö kämpft, steht in bester österreichischer Kabarett-Tradition von Farkas bis Schenk. Gut besetzt sind auch die übrigen Rollen: der Maler Arnold (Christoph Zadra), der Handlungsreisende Berg (David Oberkogler), Falks Cousine (Magdalena Kronschläger), Kinderfrau Nanni (Tanina Beess), Diener Anton (Michael Pöllmann).

Peter Loidolts Bühnenbild ist diesmal spartanisch ausgefallen, was aber nicht weiter stört. Kostüme und Optik insgesamt bleiben ganz im konventionellen Bereich. Die Bühnenmusik von Helmut T. Stippich bezieht Klezmeranklänge ins Altwienerische ein, das ergibt eine reizvolle Mischung. Die Couplettexte (von Herz-Kestranek und Hagg) enthalten zum Teil Allerweltspolemiken gegen Politik, Facebook, böse Banker und böses deutsches Regietheater, aber auch praktikable Erkenntnisse: Was man nicht selbst in die Hand nimmt, wird sich nicht ändern.

In Reichenau wird Nestroy fürwahr nicht neu erfunden - wenn geeignete Theaterleute am Werk sind, ist das auch gar nicht notwendig. Was hier aufs Vergnüglichste der Fall ist.

(S E R V I C E - Festspiele Reichenau: Johann Nestroy, „Unverhofft“. Regie: Helmut Wiesner, Bühne: Peter Loidolt, Kostüme: Erika Navas; Mit Miguel Herz-Kestranek, Brigitte Swoboda, Toni Slama, Therese Affolter, Nicolaus Hagg, Christoph Zadra, David Oberkogler, Magdalena Kronschläger, Tanina Beess, Michael Pöllmann. Vorstellungen bis 4. August. Restkarten und Information: Tel. 02666/52528, www.festspiele-reichenau.com)

(Der vorliegende Bericht bezieht sich auf die Hauptprobe vom Freitag.)