Tex Rubinowitz - Ein Multitalent gewinnt den Bachmann-Preis

Klagenfurt/Wien (APA) - Humor ist normalerweise ein Ausschließungsgrund dafür, bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt e...

Klagenfurt/Wien (APA) - Humor ist normalerweise ein Ausschließungsgrund dafür, bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt erfolgreich zu sein. Der am 5. Dezember 1961 in Hannover geborene Tex Rubinowitz hat diese ungeschriebene Regel durchbrochen und sich mit einem Text voll Pointen zum 38. Bachmann-Preisträger gemacht.

Eigentlich heißt er ja Dirk Wesenberg. Er verbrachte seine Jugend in Lüneburg, brach 1978 die Schule ab und arbeitete anschließend in verschiedenen Berufen, jobbte in einer Molkerei, absolvierte seien Militärdienst und übersiedelte 1984 nach Wien. Sein Kunststudium bei Oswald Oberhuber dauerte seinen Angaben zufolge genau eine Woche. Dann begann er, für den „Falter“ zu zeichnen. Als Cartoonist ist er bis heute tätig, seine schriftstellerischen Ambitionen sind indes weniger bekannt. Zuletzt trat er mit seinem Reisebuch „Rumgurken“ und seinen Listen „Die sieben Plurale von Rhabarber“ in Erscheinung. „Es ist wunderbar, dass ich dort sein kann“, meinte er über den Bachmann-Wettbewerb im APA-Gespräch vor dem Wettbewerb. Am Tag vor der Preisverleihung stapelte er noch tief und meinte, Humor werde üblicherweise in Klagenfurt nicht belohnt, es sei ihm auch nicht wichtig, ob er einen Preis bekomme.

Das Wettlesen in Klagenfurt hat er seit Jahren begleitet, gemeinsam mit seinen Kollegen vom Kollektiv „Höfliche Paparazzi“. Dass er zum Wettlesen nach Klagenfurt gekommen ist, war ein wenig Zufall, so stellt er es jedenfalls dar. Sein Text über eine erste Liebe zu einem Mädchen aus Litauen, das Probleme mit Sex hat und an Batterien lutscht, könnte, so kündigte er an, Teil eines Romans werden. Träume habe er längst aufgegeben, daher habe er auch keinen langfristigen Plan für eine Karriere als Schriftsteller.

Der Bachmann-Preis ist für Rubinowitz jedenfalls etwas ganz Besonderes, seine Analyse fiel schon im Vorfeld wie immer ironisch-humorig aus: „Klagenfurt ist in dieser Zeit in einem komischen Literaturausnahmezustand, der von den Klagenfurtern selbst gar nicht mitbekommen wird. Die interessieren sich halt für den ‚Iron Man‘ oder das GTI-Treffen“, schmunzelte der Autor. „Und dann landen dort diese Stubenhocker, die blassen Typen, die wie ferngesteuert durch Klagenfurt wandeln und - wenn sie aus Norddeutschland kommen - vielleicht nicht mal die Sprache verstehen und dann ganz verblüfft sind, wie hübsch dieser Ort ist.“ Zudem bekomme man bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur „hoch konzentrierte Literatur“ serviert. „Das ist richtige Arbeit. Die Juroren sind danach immer ganz erschöpft.“

Erschöpft darf auch der Preisträger nach der Jury-Entscheidung sein, denn diese fiel nicht nur überraschend, sondern auch erst in der vierten Runde in einer Stichwahl gegen den Schweizer Michael Fehr, der schließlich den Kelag-Preis nach Hause tragen durfte.