Abu Bakr al-Bagdadi schart im Irak die Jihadisten um sich
Bagdad (APA/AFP) - Er nennt sich „Kalif Ibrahim“. Abu Bakr al-Bagdadi, von den USA 2011 als „Terrorist“ eingestuft, hat - erstmals seit dem ...
Bagdad (APA/AFP) - Er nennt sich „Kalif Ibrahim“. Abu Bakr al-Bagdadi, von den USA 2011 als „Terrorist“ eingestuft, hat - erstmals seit dem Untergang des Osmanischen Reiches vor 90 Jahren - ein Kalifat ausgerufen. Das von Al-Bagdadi angeführte Heer von Gotteskriegern kontrolliert Teile des Iraks und Syriens. Über den „Kalifen“ war bisher recht wenig bekannt.
Am Samstag wurde ein Video ins Internet gestellt, auf dem der Mann in langer schwarzer Robe mit mächtigem Vollbart beim Gebet in der Al-Nur-Moschee in Mossul zu sehen ist. In der Gefolgschaft des Propheten Mohammed wird das Amt des Kalifen als eine Verbindung weltlicher und religiöser Macht angesehen. „Ich bin der Wali (Anführer), der Euch vorsteht“, redet der Kalif zu seinen Anhängern, nachdem er sich mit einer traditionellen Zahnbürste nach dem Beispiel des Propheten die Zähne geputzt hat. „Wenn Ihr seht, dass ich falsch liege, weist mich darauf hin und führt mich auf den rechten Weg“, fährt Al-Bagdadi fort. „Gehorcht mir, solange ich Gott gehorche.“
Al-Bagdadi wurde nach US-Informationen 1971 in Samarra nördlich von Bagdad geboren. Er schloss sich demnach kurz nach der US-geführten Invasion im Irak 2003 den Extremisten an. Im Herbst 2005 glaubte die US-Armee, Al-Bagdadi bei einem Angriff im irakisch-syrischen Grenzgebiet getötet zu haben - ein Irrtum, wie sich dann herausstellte. 2010 übernahm Al-Bagdadi die Führung der Gruppierung Islamischer Staat im Irak, einer Abspaltung des Terrornetzwerks Al-Kaida, nachdem seine beiden Vorgänger getötet worden waren.
Im Oktober 2011 stufte ihn die US-Regierung als „Terroristen“ ein. Auf seinen Kopf ist von Washington eine Prämie von zehn Millionen Dollar (rund 7,3 Millionen Euro) ausgesetzt. Das dürfte erklären, warum er lange Zeit abtauchte. Die irakische Regierung veröffentlichte Anfang des Jahres das erste offizielle Foto des Chefs der Gruppierung Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (ISIS), die sich seit der Ausrufung des Kalifats am 29. Juni als Islamischer Staat (IS) bezeichnet.
Wo sich der Dschihadisten-Führer versteckt hielt, war lange nicht bekannt. Die USA vermuteten ihn im vergangenen Jahr in Syrien. Im Mai erklärte ein irakischer General, Al-Bagdadi halte sich vermutlich im Irak auf. Unter seinen Gefolgsleuten hat sich Al-Bagdadi in den vergangenen Jahren als Kommandant und Taktiker ein großes Ansehen verschafft. Er warb zahlreiche ausländische Dschihadisten an; Schätzungen gehen von tausenden Kämpfern aus, auch Europäer schlossen sich den Islamisten an.
Inzwischen wird Al-Bagdadi als mächtiger eingeschätzt als Al-Kaida-Chef Ayman al-Zawahiri. Der Personenkult um den „Kalifen“ läuft nun auf Hochtouren. Im Internet kursieren mit religiöser Musik unterlegte Videos, die seine Verdienste preisen. „Einer der meistgesuchten Männer“ habe es fertiggebracht, in Mossul eine 30-Minuten-Ansprache in der bekanntesten Moschee der Stadt zu halten, bemerkt Charles Lister vom Brookings Doha Center. Das zeige das „zunehmende Selbstvertrauen“, mit dem Al-Bagdadi agiere.
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