Fußball-WM: Gescheiterter Geheimfavorit Belgien nach WM-Out stolz
Brasilia (APA/dpa/Si/Reuters) - Für den Sprung ins WM-Halbfinale ist Belgiens „goldene Generation“ noch nicht reif genug gewesen. Beim 0:1 g...
Brasilia (APA/dpa/Si/Reuters) - Für den Sprung ins WM-Halbfinale ist Belgiens „goldene Generation“ noch nicht reif genug gewesen. Beim 0:1 gegen Argentinien am Samstag in Brasilia blieb die junge Mannschaft von Trainer Marc Wilmots hinter den Erwartungen und konnte Lionel Messi trotz vollmundiger Ankündigungen nicht stoppen. Immerhin dürfen sich die „Roten Teufel“ aber damit trösten, dass sie über beste Perspektiven verfügen.
Sie hatten zwar im Vorfeld verkündet, keine Angst zu haben vor diesem Gegner. Aber dann ließen sich die Belgier doch einschüchtern: von der Größe der Aufgabe, von dem Lärm der argentinischen Fans, von dem frühen Gegentor durch Gonzalo Higuain und der ständig lauernden Gefahr namens Messi.
Als sich Argentinien nach der Führung in der 8. Minute zurückzog, hatte die Mannschaft zwar mehr Spielanteile, blieb jedoch im Angriff ohne Durchschlagskraft. „Natürlich sind wir nach diesem Spiel traurig. Ich hatte das Gefühl, heute war mehr drin. Wir hätten sie schlagen können“, sagte Innenverteidiger Daniel van Buyten. Sein Trainer formulierte es deutlich schärfer: „Es ist ein gewöhnliches Team“, meinte Wilmots und legte nach. „Wenn ich so hätte spielen lassen, hätte mich die belgische Presse zerrissen. Wir hatten drei, vier Torchancen. Wie viele hatte Argentinien?“
Das eigene Team bekam von den Tiraden des ehemaligen Schalke-Profis aber nichts ab. „Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Es gibt nichts, was sie bedauern müssten. Wir haben viel gelernt heute. Es ist eine Mannschaft mit soviel Leidenschaft. Es gab viele, die geweint haben in der Kabine.“ Insgesamt sei das Abschneiden in Brasilien positiv zu bewerten.
„Belgien hat zwölf Jahre lang nicht an einer WM teilgenommen. Und jetzt haben wir hier das Viertelfinale erreicht und um den Einzug unter die besten Vier gespielt. Das ist außergewöhnlich“, sagte Van Buyten, dessen weitere Karriereplanung noch unklar ist. Ob sich der 36-Jährige nach seinem Abschied vom FC Bayern noch einmal einem anderen Club anschließt, will er in den nächsten Wochen „in aller Ruhe mit meiner Familie besprechen“. Seine Teamkarriere ist nach 85 Spielen jedenfalls zu Ende.
Zuletzt im Viertelfinale war Belgien 1986 gestanden, als am Ende der vierte Platz herausschaute. Daher äußerten sich auch die Medien in der Heimat mehr als zufrieden. „Was für eine Reise! Danke“, titelte die Zeitung „La Derniere Heure“ am Sonntag. „Die Roten Teufel haben den belgischen Fußball wiederbelebt und das ganze Land hinter sich vereint. Das hat dem Ausscheiden einen positiven Anstrich verliehen“, schrieb „Le Soir“. Die Mannschaft habe für „ein wunderbares Abenteuer“ gesorgt. „Die Roten Teufel können erhobenen Hauptes nach Belgien zurückfliegen“, stellte das Blatt „Het Laatste Nieuws“ fest.
Van Buyten sieht für die belgische Nationalmannschaft denn auch eine rosige Zukunft: „Wir haben jetzt eine Generation, die noch lange auf diesem Level weiterspielen kann. Die Qualität ist da, aber was dem Team noch fehlt, sind Spiele, Spiele, Spiele auf diesem allerhöchsten Niveau. Wenn diese Mannschaft mehr Erfahrungen sammelt und Fehler wie gegen Argentinien abstellt, dann ist sie irgendwann auch ein Kandidat für einen großen Titel.“ Mit einem Altersdurchschnitt von 26 Jahren stellte Belgien das viertjüngste Team bei der WM - nur Südkorea, Nigeria und Ghana hatten einen tieferen Wert.
Die nächste Chance für das hochgelobte Ensemble um Eden Hazard (23), Romelu Lukaku (21), Divock Origi (19) oder Kevin de Bruyne (23) kommt in zwei Jahren bei der EM im Nachbarland Frankreich. Der Weg dorthin ist nicht gerade steinig. Belgien war bei der Auslosung zwar nicht im Topf 1 gesetzt, doch die hartnäckigsten Widersacher in der Gruppe B der Qualifikation sind Bosnien-Herzegowina, Israel und Wales.
Am Montagnachmittag sollen die jungen „Teufel“ in Brüssel landen, spätestens für Dienstag oder Mittwoch ist dann irgendeine Form von Party gewaltigen Ausmaßes geplant. Im Raum stehen eine große Parade mitten durch Brüssel, ein Empfang auf dem Rathausbalkon oder ein riesiges Fanfest mit den Spielern mittendrin.
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