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Die Uran-Anreicherung - Hauptstreitpunkt bei Iran-Verhandlungen

Wien/Teheran (APA) - Hauptstreitpunkt bei den Atomgesprächen der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran ist die Frage der Anreicherung vo...

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Wien/Teheran (APA) - Hauptstreitpunkt bei den Atomgesprächen der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran ist die Frage der Anreicherung von spaltbarem Uran-235. Sie bildet die Voraussetzung für den Betrieb eines Kernkraftwerks, aber auch für die Herstellung von Atombomben.

Im Westen und in Israel wird befürchtet, dass das Regime in Teheran, das auch ein ehrgeiziges Rüstungsprogramm betreibt, entgegen seinen Beteuerungen mit der Urananreicherung nicht nur zivile Ziele verfolgt.

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Beim Bau der ersten Atombombe während des Zweiten Weltkriegs in den USA, dem „Manhattan-Projekt“, war der weitaus größte Teil der Finanzmittel und Anstrengungen auf die Urananreicherung verwendet worden. Weil man nur kleine Mengen pro Arbeitsgang umsetzen konnte, benötigte man Tausende Zentrifugen, die parallel arbeiteten. Die Herstellung der Bombe selbst war vergleichsweise einfach, lediglich die Präzisionszünder erforderten einen gewissen Aufwand.

Bekannte Anlagen zur Urananreicherung befinden sich heute im Iran in Natanz und bei der heiligen Stadt Qom in Fordo. Für den Betrieb eines Rektors muss Uran-235 auf etwa drei bis fünf, für eine Kernwaffe aber auf rund 80 bis 90 Prozent angereichert werden.

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Der Iran hat bis jetzt nach eigenen Angaben Uran-235 auf bis zu 20 Prozent angereichert - für medizinische Zwecke und für die Forschung, wie Teheran versichert. Aufgrund eines im November geschlossenen Interimsabkommens stoppte Teheran inzwischen die 20-Prozent-Anreicherung und begrenzte auf fünf Prozent.

Die Gewinnung des für die Kernspaltung benötigten Uran-235 ist deshalb so aufwendig, weil es sich dabei um eine äußerst seltene Spielart (Isotop) des radioaktiven Elements Uran handelt. Es kommt in Natururan (Uran-238) nur zu 0,7 Prozent vor (neben dem nur in Spuren vorhandenen Uran-234). Da sich Uran-235 nicht chemisch vom häufigen Uran-238 trennen lässt, braucht man komplizierte mechanische Methoden, um es in konzentrierter Form zu gewinnen. Dabei nutzt man das unterschiedliche Gewicht der Atome der beiden Uran-Isotope aus.

Die häufigste Anreicherungsmethode ist das Gaszentrifugenverfahren. Dabei wird das aus Natururan in Form von „yellow cake“ gewonnene Uranerz (U3O6) zuerst durch chemische Umwandlungsprozesse gereinigt und anschließend in die gasförmige Verbindung Uranhexafluorid (UF6) überführt (Konversion). Im Iran befinden sich die dafür nötigen Anlagen in Isfahan.

Zur Uran-235-Anreicherung wird Uranhexafluorid in einer fast reibungsfrei gelagerten Zentrifuge mit sehr hoher Umdrehungszahl geschleudert. Die Zentrifugalkräfte sorgen dafür, dass sich das schwerere Uran-238-Hexafluorid an der Außenwand anreichert und die Konzentration des leichteren Uran-235-Hexafluorid in der Mitte ansteigt.

Neben der Anreicherung mittels Zentrifugen gibt es noch andere Methoden, etwa mittels Gasdiffusion durch eine poröse Membran. Außerdem kann man die Isotopentrennung durch elektromagnetische Verfahren oder mittels Laser durchführen.

Der Umfang der Kapazitäten eines Landes zur Urananreicherung wird in SWUs (Separative Work Units) gemessen. Dabei handelt es sich um technische Einheiten, die sich auf die sogenannte Urantrennarbeit (UTA) beziehen. Diese beschreibt den bei der Urananreicherung erforderlichen Aufwand. Verfügt ein Land über eine sehr hohe Zahl von SWUs ist die theoretische Möglichkeit gegeben, Uran-235 bis zur Waffenfähigkeit anzureichern.

Ein weiterer Weg, eine Atombombe herzustellen, führt über die Produktion von Plutonium. Dieses in der Natur nur in Spuren vorkommende giftige Schwermetall fällt beim Betrieb eines Schwerwasserreaktors an, wie der Iran ihn in Arak baut. In solchen Reaktoren kann Natururan direkt in Brennelementen verwendet werden, ohne erst in komplizierten Verfahren das spaltbare Isotop Uran-235 anreichern zu müssen. Als „Abfallprodukt“ fällt Plutonium in größeren Mengen an. Bei entsprechender Aufbereitung kann es zur Waffenproduktion verwendet werden.

Die Bombe, die im August 1945 über Nagasaki zur Explosion gebracht wurde, bestand aus Plutonium. Hiroshima war zuvor durch eine Uran-Bombe zerstört worden.


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