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Ukraine-Krise - Erster Toter bei Beschuss russischen Territoriums

Donezk/Moskau/Kiew (APA/dpa/Reuters) - Die ukrainische Luftwaffe hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew erneut Separatistens...

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Donezk/Moskau/Kiew (APA/dpa/Reuters) - Die ukrainische Luftwaffe hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew erneut Separatistenstellungen im Osten das Landes angegriffen und dabei Dutzende Aufständische getötet. Zudem sei Technik der „Terroristen“ zerstört worden, teilte das Ministerium in Kiew mit. Allein bei zwei der insgesamt fünf gezielten Luftschläge seien bis zu 40 Separatisten getötet worden, hieß es.

Für die übrigen Angriffe nannte das Ministerium zunächst keine Opferzahlen. Die Kämpfe dauerten auch am Sonntag an.

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Dabei kam es nach Moskauer Behördenangaben erstmals auch zu einem tödlichen grenzüberschreitenden Zwischenfall auf russischer Seite. Ein 45 Jahre alter Mann sei bei einem Granateneinschlag in seinem Haus im Gebiet Rostow in der Ortschaft Donezk getötet worden, teilte der Sprecher der Nationalen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, mit. Zudem sei eine Frau in dem Haus durch die Druckwelle des Geschoßes verletzt worden. Die Agentur Itar-Tass berichtete von zwei verletzten Frauen.

Die Ukraine wies die Darstellung zurück. „Es gibt keinen Zweifel, ukrainische Streitkräfte schießen nicht in russisches Territorium. Wir haben nicht geschossen“, sagte ein Militärsprecher.

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Russland warnte die Ukraine nach dem tödlichen Zwischenfall vor „unwiderruflichen“ Konsequenzen. Bei dem Beschuss handle es sich um eine Aggression der Ukraine gegen russisches Hoheitsgebiet und die Bevölkerung der Russischen Föderation, teilte das Außenministerium in Moskau am Sonntag mit. Eine entsprechende Protestnote sei der Ukraine übergeben worden. Russland hatte schon nach vorherigen Grenzzwischenfällen damit gedroht, zum Schutz seiner Bürger notfalls auch sein Militär in der Ukraine einmarschieren zu lassen.

Auch der russische Vize-Außenminister Grigori Karassin (Karasin) kritisierte im Staatsfernsehen Rossija 24 die neuerliche Grenzverletzung und kündigte eine Antwort an. Die eskalierende Gewalt sei eine „Gefahr für unsere Bürger nun auch auf unserem Territorium. Es ist klar, dass das natürlich nicht ohne Reaktion bleiben wird“, sagte Karassin. Der Vorfall zeige, dass dringend eine neue Waffenruhe sowie die Rückkehr zum Verhandlungstisch nötig seien.

Zentrum des Blutvergießens in der Ostukraine war am Wochenende weiter die Stadt Donezk mit ihren Vororten. Die Stadtverwaltung von Donezk teilte mit, dass bei Gefechten am Samstag in zwei Stadtteilen zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt worden seien. Für den Ortsteil Marjinka wurde die Zahl mit sechs getöteten Zivilisten angegeben, nachdem Separatisten zuvor von 30 Toten gesprochen hatten. Auch in der Großstadt Luhansk (Lugansk) seien mindestens sechs Menschen getötet worden, berichteten Medien.

Der Sprecher der von Kiew geführten „Anti-Terror-Operation“, Wladislaw Selesnjow, hatte am Samstag mitgeteilt, bei den Luftschlägen in den Regionen Donezk und Luhansk seien rund 1.000 Separatisten getötet worden, davon allein 500 in Dserschinsk. Ein Separatistensprecher wies dies zurück: In Dserschinsk - nahe der Großstadt Donezk - gebe es keine solche Zahl an Kämpfern. Die prorussischen Kräfte meldeten ihrerseits den Abschuss eines ukrainischen Kampfbombers vom Typ Suchoi Su-25 in der Stadt Gorlowka.

Die Kämpfe in der Ostukraine dauern seit Mitte April an. Die ukrainische Führung will mit dem militärischen Vorgehen verhindern, dass sich die nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk komplett von der Ukraine abspalten. Die russisch geprägte Region Donbass erkennt die proeuropäische Führung in Kiew nicht an.

Russische Behörden berichteten von einer „humanitären Katastrophe“ auf ihrem Staatsterritorium. Rund 21.000 Flüchtlinge hielten sich demnach am Samstag in den insgesamt 321 eingerichteten Übergangslagern auf, wie das Zivilschutzministerium mitteilte. Insgesamt 30 Regionen würden inzwischen Ukrainer aufnehmen. Die aus dem Kriegsgebiet geflüchteten Menschen kommen bisher mehrheitlich bei ihren Verwandten, Bekannten und bei Freiwilligen unter. Die Gesamtzahl der aus der Ostukraine Übergesiedelten liegt nach Angaben der russischen Migrationsbehörde bei rund einer halben Million Menschen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Der selbst ernannte Regierungschef der von den Aufständischen als Volksrepublik Donezk bezeichneten Metropole, Alexander Borodaj, teilte mit, mehr als 70.000 der etwa 900.000 Einwohner von Donezk hätten bereits die Flucht ergriffen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kommt nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass entgegen anderen Berichten nicht zum WM-Finale nach Rio de Janeiro am Sonntag. Wie die Agentur unter Berufung auf eine Mitteilung des ukrainischen Präsidialamtes vom späten Samstagabend berichtete, sieht es Poroschenko angesichts der innenpolitischen Lage als unmöglich an, nach Brasilien zu fahren. Es war spekuliert worden, dass es in Rio zu einem Treffen Poroschenkos mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin hätte kommen können.


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