Ein Grenzgänger bittet zum Tanz

Der Tiroler Philipp Quehenberger legt nach langjähriger Pause ein neues Album vor. Mit seiner ersten Vinylplatte liefert er Tanzmusik für Freaks.

Von Silvana Resch

Innsbruck –„Ich wollte schon immer ein Tanzalbum machen. Aber meistens tanzen die Leute nicht“, sagt Philipp Quehenberger über seinen neuen Anlauf namens „Content“. Ein schlichter Albumtitel, der in diesem Fall einfach „zufrieden“ bedeutet. Dass es der Tiroler mit dem „Tanzalbum für Freaks“ (FM4) durchaus ernst meint, lässt sich auch daran ablesen, dass „Content“ als Vinylplatte erschienen ist. Schließlich – so der Wunsch des Musikers – soll das Album in Clubs aufgelegt werden. „Ich mag Vinyl, weil es Musik auch physisch greifbar macht.“

Quehenberger, der als einer der versiertesten und interessantesten Musiker des Landes gilt, wird als Elektronik-Act verbucht, laut Eigendefinition kommt er „irgendwo aus der Grauzone zwischen Hardcore, Techno und Free Jazz“.

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängeralben „Hazard“ (2009) und „Phantoms in Paradise“ (2007) verzichtete der studierte Jazzpianist diesmal ganz auf Unterstützung und produzierte selbst. „Es hat länger gedauert als erwartet“, sagt der 37-Jährige wenig überraschend. Soll ihn sein ehemaliger Produzent Patrick Pulsinger doch regelrecht ins Studio getreten haben, um die Deadline halten zu können. Es ist kein Geheimnis, dass Quehenberger lieber live spielt und Themen variiert, als sich auf eine endgültige Form einzulassen. So gibt es auf „Content“ gar eine bedrohlich dröhnende Nummer, die wohl etwas selbstironisch mit „Deadline“ betitelt ist. Der Keyboarder sieht das Ganze aber mittlerweile pragmatisch: „Man muss sich den Leuten mit einer Platte wieder ins Gedächtnis rufen.“

Er habe sich diesmal jedenfalls die Zeit gelassen, die es brauchte. Von rund 100 Songs sind schließlich „die besten Ideen“ übrig geblieben. Die Arbeit am Album war auch nicht frei von Unterbrechungen. So lieferte Quehenberger etwa gemeinsam mit Didi Kern die musikalischen Beiträge zum Auftakt der Franz-West-Retrospektive vergangenes Jahr im Mumok. Den 2012 verstorbenen Künstler hatte Quehenberger zehn Jahre lang musikalisch begleitet, die beiden verband eine enge Freundschaft. Für Franz West gab der Tiroler gemeinsam mit Didi Kern auch ein kleines Konzert in der Klinik. „Wir haben versucht, etwas zu spielen, das möglichst positive Schwingungen verbreitet.“

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Vor zwei Jahren erfolgte der Maxi-Release „Uff Uff“. Stampfende Beats arbeiten sich durch einen Soundteppich voll Distorsionen. „Aus dieser Nummer habe ich die ganze Platte entwickelt. Ich wollte einen Sound, der zur Atmosphäre dieser Nummer passt.“ Zuvor bedurfte es allerdings einer weiteren Deadline. „Ein Freund hat sie mir gesetzt. Für meine Verhältnisse ist das Album jedenfalls recht einheitlich geworden.“ Der brachiale Sound von „Content“ durchdringt den Hörer, laut FM4 „neue kosmische Musik, schwarzer Industrial“. Auf „Content“ dominieren schwere Beats, es dröhnt, knarzt und wummert. Die Tanzbarkeit des Albums wurde jedenfalls einem Test unterzogen. Regelmäßig tritt Quehenberger im Club Celeste in Wien auf. „Die Nummern, die am Dancefloor funktionierten, sind auf dem Album.“

Elektrifizierend sind auch die Live-Auftritte des Tirolers – ob solo oder in den verschiedensten Formationen. Aber auch als Hotelpianist hat sich der gebürtige Innsbrucker zuletzt verdingt. Allerdings nicht in einer herkömmlichen Herberge, sondern im „Hotel Konkurrenz“, einem Kunstprojekt, das vorübergehend im Haus St. Oswald in Bad Kleinkirchheim seinen Betrieb aufnahm. In Innsbruck wird der Musiker beim Zehn-Jahres-Fest der p.m.k am 19. Juli mit der Band Die Mäuse auftreten. Ganz stilgerecht mit einem Bachmannpreisträger. Mäuse-Frontmann ist schließlich der diesjährige Preisträger Tex Rubinowitz.


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