Gesellschaft

Dem Tod ins Gesicht sehen

Mit dem Tabuthema Sterben befasst sich die Hospizgruppe Kitzbühel. Zwölf Ehrenamtliche bieten Begleitung für schwerkranke Menschen und deren Angehörige an. Ein Ausbildungskurs startet im April.

Von Verena Hofer

Kitzbühel, St. Johann –Zeit schenken fürs Zuhören, zum Vorlesen, aber auch um Wünsche von Sterbenden zu erfüllen. Im Bezirk gibt es zwölf ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen, die ihre Zeit den sterbenden Menschen und ihren Angehörigen zur Verfügung stellen. Brigitte Staffner ist seit Mai die Regionalbeauftragte der Tiroler Hospizgemeinschaft im Bezirk Kitzbühel und hat ihr Büro im Krankenhaus St. Johann. Seit 25 Jahren arbeitet sie als diplomierte Krankenschwester, seit sechs Jahren in der Hauskrankenpflege – dort erlebte Staffner oft die Hilflosigkeit und Ängste, wenn ein Familienmitglied dem Tod nahe ist.

Dieser schwierigen Situation widmet sich Staffner nun ganz in ihrem Berufsleben. 30 Stunden pro Woche ist sie als Regionalbeauftragte aktiv. „Viele scheuen sich, Hilfe anzunehmen, und kommen dadurch sehr oft an ihre Grenzen der Belastbarkeit“, weiß die St. Johannerin. Eine bestimmte Situation prägt ihren Berufsalltag: „Ein Angehöriger liegt im Bett zum Sterben und die wichtigsten Bezugspersonen stehen am Bettende, sind hilflos und haben Angst.“ Dabei brauchen Sterbende vor allem eins: die Nähe von Bezugspersonen, die sie berühren und ihnen Sicherheit geben. „Viele Leute werden bei der Berührung ruhiger“, erklärt die Krankenschwester und vergleicht die Situation mit einem Baby. „Unsere Urinstinkte sagen uns, was es braucht. Niemand würde es alleine lassen.“

Der Tod ist für Staffner eine natürliche Sache und kein Tabuthema. Darüber reden liegt ihr am Herzen. Die Hospizbegleitung definiert die Regionalleiterin nicht als „Sterbebegleiter, sondern Lebensbegleiter“. Wünsche für die letzten Stunden gibt es immer wieder, wobei viele die gleichen sind. „Ein Großteil will daheim sterben, für manche ist aber auch ein neutraler Ort besser. Der Wunsch soll den Menschen gewährt werden“, weiß Staffner. Die Hospizbetreuung ist in Krankenhäusern, Pflegeheimen und daheim aktiv. Klar sind jedoch die Grenzen der Hilfe definiert: „Wir sind kein billiger Pflegedienst oder Ersatz für den Sozialsprengel.“

Angehörige können mit einem Anruf Hilfe anfordern. Anschließend folgt ein Erstgespräch vor Ort, dann wird eine geeignete ehrenamtliche Mitarbeiterin für die Familie ausgewählt. „Die Chemie muss passen“, sagt Staffner. Die Angehörigen können die Zeit, während die Begleiterin vor Ort ist, nutzen, um Kraft zu tanken – einen Spaziergang zu machen, Einkäufe erledigen. Die Initiative muss jedoch immer von den Menschen ausgehen. „Man kann niemandem etwas aufdrängen“, weiß Staffner aus Erfahrung.

Alle Hospizbegleiter im Bezirk sind Frauen, gebraucht würden aber auch Männer. Bemerkbar ist vor allem ein Stadt-Land-Gefälle. In Innsbruck sind mehr Männer als auf dem Land tätig, im Bezirk Kitzbühel gibt es noch keinen Mann. Auffallend ist auch, dass es nur eine Begleiterin im Brixental gibt. Voraussetzung für die Aufgabe ist eine gefestigte Persönlichkeit, die einfühlsam, offen und flexibel ist (siehe Kasten). Bei den Aufnahmegesprächen in Schwaz hatten sich 60 Interessierte beworben, aufgenommen konnten nur 16 Personen werden, damit die Qualität gewährleistet wird.