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Helios-Kauf durch Ring International macht viel Lärm in Slowenien

Ljubljana/Wien (APA) - Im slowenischen Farben- und Lackhersteller Helios läuft es nach der Übernahme durch die österreichische Ring Internat...

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Ljubljana/Wien (APA) - Im slowenischen Farben- und Lackhersteller Helios läuft es nach der Übernahme durch die österreichische Ring International Holding AG (RIH) alles andere als rund. Nach Vorwürfen wegen angeblicher Intransparenz bei der Übernahme, die vom neuen Eigentümer als unbegründet zurückgewiesen werden, drohen angespannte Verhältnisse in der Firma indes in einen Streik zu eskalieren.

Ring hat nach der Übernahme von Helios, die Ende Mai vollzogen wurde, mehrere Fronten offen. Einerseits entwickelt sich das erste erfolgreich abgeschlossene Privatisierungsprojekt der scheidenden Mitte-Links-Regierung in Slowenien nach Medienberichten über angebliche Unregelmäßigkeiten zu einer immer stärker umstrittenen Übernahmegeschichte. Anderseits scheint es der neue Eigentümer nicht zu schaffen, das Misstrauen der Helios-Belegschaft abzubauen, was Berichten zufolge zu Spannungen in dem Unternehmen führt.

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„Es gibt keine Zweifel über die Transparenz des Geschäfts“, hieß es aus Helios auf APA-Anfrage. Der Vorstand und Aufsichtsrat bemühen sich, Medienberichte über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Übernahme zu dementieren. Trotzdem bleibt in der slowenischen Öffentlichkeit das Bild einer dubiosen Übernahme haften. In der jüngsten Wahlkampagne wurde der Fall von Helios auch von Politikern als Beispiel einer misslungenen Privatisierung aufgegriffen. Die Wiener beklagen, Helios sei für „Manipulationen für politische und andere Interessen“ anfällig.

Der schwerste Vorwurf lautet, Helios habe seine eigene Übernahme selbst finanziert. Das ist nach slowenischen Gesetzen nicht erlaubt. Nach schlechten Erfahrungen mit heimischen Übernahmen in den vergangenen Jahren wurde nämlich die Praxis von „Leveraged Buyouts“ untersagt, bei denen der fremdfinanzierte Kauf eines Unternehmens mit seinen eigenen Aktiva besichert wird.

Medienberichten zufolge soll bei der Übernahme von Helios aber genau dieses Verbot umgangen worden sein. Die Tageszeitung „Dnevnik“, der interne Dokumente aus Helios vorliegen, behauptet, Helios habe sein Vermögen mit einer Hypothek belastet, um damit für Rings Kredite zu haften, mit denen die Wiener die 145 Mio. Euro schwere Übernahme von Helios bezahlten.

Helios‘ neuer Eigentümer bestreitet die Vorwürfe vehement. „Das Vermögen von Helios ist niemals für den Ankauf von Helios-Aktien verpfändet worden“, hieß es zur APA. Ring versicherte, es sei alles im Einklang mit den slowenischen Gesetzen abgelaufen - sowohl während des Übernahmeverfahrens als auch nach der Übernahme. Das alles rechtmäßig verlief, ließen sich die Wiener auch durch ein Revisionshaus und drei angesehene slowenische Anwaltskanzleien bestätigen.

Auch die Vorwürfe, Helios finanziell auszunehmen, weist Ring als unbegründet zurück. Die Finanzlage von Helios habe sich nach der Übernahme verbessert, argumentiert die neue Unternehmensführung. So sei die Nettoverschuldung innerhalb eines Jahres um 24 Prozent zurückgegangen - von 111 Mio. Euro (Ende Mai 2013) auf 84 Mio. Euro (Ende Mai 2014).

Die andere Front für den neuen Helios-Eigentümer verläuft in dem Unternehmen selbst. Der Vorstand und die Arbeitnehmervertreter liegen laut Medienberichten seit einiger Zeit im Clinch miteinander. Eine im Rahmen der Umstrukturierung vorgeschlagene Lohnkürzung um 3,25 Prozent lehnen die Mitarbeiter ab, schon zuvor sorgte Stellenabbau für Unzufriedenheit. Obwohl 150 Stellen noch vor dem Eintreffen des neuen Eigentümers abgebaut wurden, wird im Hintergrund eine Vereinbarung mit Ring vermutet. Die Österreicher haben bei der späteren Übernahme eine Jobgarantie abgegeben.

Das Fass zum Überlaufen brachte zuletzt die Kündigung der Betriebsratsvorsitzenden. Ihr legt der Vorstand u.a. zur Last, den Ruf des Unternehmens geschädigt zu haben. Die Gewerkschaft, die das als Angriff auf die kritische Betriebsrätin interpretiert, weil sie öffentlich vor Lohnkürzungen und weiterem Stellenabbau warnte, droht mit einem Streik.


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