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Syrien-Flüchtlinge ein Viertel der Bevölkerung des Libanon

„In Österreich hieße das zwei Millionen Flüchtlinge“, erklärt Caritas-Präsident Michael Landau. Er kritisiert die „Abschottungspolitik“ Europas.

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Syrische Flüchtlingskinder werden versorgt. In den Flüchtlingslagern der syrischen Nachbarländer mangelt es immer öfter am Nötigsten.
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Beirut/Damaskus - Die syrische Flüchtlingskrise stellt den benachbarten Libanon vor große Herausforderungen. Das Land mit vier Millionen Einwohnern beherbergt 1,12 Millionen Syrer, berichtet der Präsident der Caritas Österreich, Michael Landau. „Würden wir das in Österreich zu bewältigen haben, hieße das zwei Millionen Flüchtlinge“, erklärte er im libanesischen Ort Zahleh.

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2,9 Millionen flüchten ins Ausland

Seit Anfang Juli sind bereits über 9,4 Millionen Menschen auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Dabei handelt es sich um 6,5 Millionen Binnenflüchtlinge. Über 2,9 Millionen Syrer suchten im Ausland Zuflucht.

Für die syrischen Flüchtlinge ist die Lage laut Landau im Zedernstaat bereits „sehr extrem“, erklärte Landau während eines Libanon-Besuchs. Wichtig sei es, die Menschen hinter den Zahlen zu begreifen. „Den Vater, der besorgt ist, wie er über den Winter kommen soll. Der besorgt ist, wenn er seine Kinder nicht in die Schule schicken kann und ein Bub der medizinische Versorgung braucht, sie nicht erhält.“

Fünf Millionen Kinder betroffen

Landau verwies vor allem auf die fünf Millionen Kinder, die vom Syrien-Konflikt betroffen seien. „Sie sind zum Teil verletzt, sie sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.“ Es fehle den Menschen an allem, die Essensknappheit sei überall zu spüren. Jeder könne seinen Beitrag leisten, damit die Menschen Zukunftsperspektiven und Lebenschancen erhielten, appellierte der katholische Geistliche.

Der Caritas-Präsident sprach dem Libanon „großen Respekt“ dafür aus, dass er seine Grenzen zu Syrien trotz der Belastung offen halte. Dies zeuge von „großer regionaler Solidarität“.

„Europa kann und muss mehr tun“

Dagegen kritisierte Landau Österreich und die europäischen Staaten für ihre Abschottungspolitik. Man solle sich am Libanon ein Beispiel nehmen: „Es ist nicht prioritär in Zäune und Mauern zu investieren, sondern in Brücken und Lebenschancen.“ Bisher hätten erst etwas mehr als 120.000 Syrer Zuflucht in Europa gefunden. „Europa kann und muss mehr tun“, betonte Landau.

Mit sieben Euro könne etwa ein Flüchtlingskind ein Monat lang unterstützt werden. Keinen Beitrag zu leisten oder Gelder zu kürzen, bedeute in Landaus Augen eine „Mitschuld“ am Hunger von Kindern, sagte Landau in Anspielung auf die geplanten Budgetkürzungen bei den Geldern für die österreichische Entwicklungszusammenarbeit (EZA). „Jede Kürzung in diesem Bereich geht zulasten von notleidenden Menschen.“

Seit 2011 über 4,9 Mio. Euro Flüchtlingsnothilfe

Die Caritas Österreich hat laut Landau seit den Anfängen des Bürgerkriegs im Jahr 2011 insgesamt über 4,9 Millionen Euro für die Flüchtlingsnothilfe zur Verfügung gestellt. 70.000 Menschen seien damit erreicht worden, die Hälfte davon Kinder. Hilfsgüter wie Decken, Matratzen, Hygieneartikel und medizinische Hilfe wurden verteilt. Nach wie vor sei die Syrien-Krise die „größte humanitäre Katastrophe weltweit“.

Die große Mehrheit der ins Ausland geflüchteten Syrer befindet sich im Libanon, knapp 800.000 flüchteten in die Türkei und über 600.000 Syrer leben derzeit in Jordanien. Laut den Vereinten Nationen kamen bereits 170.000 Menschen im syrischen Bürgerkrieg ums Leben, jede Minute verliere eine Familie ihr Haus und jeden Tag müssten 7000 Menschen flüchten. (APA)

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