EU-Sanktionen kosten Russland 100 Milliarden: Mangott warnt vor Krieg
Neue Sanktionen der Stufe 2 gegen Russland wurden heute von der EU beschlossen, nun wird über Stufe 3 beraten: Wirtschaftssanktionen. Diese könnten Russland im kommenden Jahr fast fünf Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten. Wenn Russland „nichts mehr zu verlieren“ hat, droht Krieg, warnt der Innsbrucker Politologe Gerhard Mangott.
Brüssel, Moskau – Die EU hat ihre Sanktionsliste gegen Russland ausgeweitet. In EU-Kreisen in Brüssel hieß es am Dienstag, die Liste der Stufe 2 der Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise wurde um 14 Personen – Namen bisher unbekannt – und Entitäten verlängert. EU-Botschafter der 28 Staaten nahmen unterdessen Beratungen zum Übergang auf die Stufe 3 der Eskalationsskala auf – die Wirtschaftssanktionen.
Wirtschaftssanktionen würden Russland hart treffen
Diese würden die Russische Föderation heuer und kommendes Jahr fast 100 Milliarden Euro kosten, wie das Internetportal „EUObserver“ am Montagabend unter Berufungen auf EU-Kreise berichtete. Der Schaden für Russland werde heuer 1,5 Prozent und nächstes Jahr sogar 4,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes betragen oder 23 bzw. 75 Milliarden Euro in absoluten Zahlen. Die Maßnahmen sollen neben Finanzmarktbeschränkungen auch Handelsverbote für Waffen, Hochtechnologie und sogenannte „Dual-Use-Güter“, die sowohl militärisch als auch zivil genützt werden können, umfassen. Die EU will Russland mit den Sanktionen zwingen, die Unterstützung für die Aufständischen in der Ostukraine aufzugeben.
Vor den möglichen Folgen der Sanktionen warnt Russland-Experte Gerhard Mangott ausdrücklich: „Die Sanktionen werden Russlands Wirtschaft vehement schaden“, schreibt der Innsbrucker Politologe in einem Gastkommentar für die Wiener Zeitung (Dienstag). Ein Einlenken Moskaus im Ukraine-Konflikt sei aber „nicht sicher“. „Vielmehr ist das Risiko hoch, dass es seine Position verhärten könnte“, schreibt Mangott: „Die Kämpfe in der Ostukraine könnten zu einem direkten russisch-ukrainischen Krieg werden.“.
„Die Leidensfähigkeit der Russen ist bekannt“
Mittelfristig könnte die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage durch die Sanktionen zwar dazu führen, dass die Unzufriedenheit mit der Kreml-Führung zunehme, doch auch das „muss nicht so sein“. „Die Leidensfähigkeit der Russen angesichts des ausländischen Drucks ist bekannt.“ Auch sei derzeit die „Partei des Krieges“ in Russland deutlich stärker.
Wirtschaftliche Gegenmaßnahmen Russlands müsse die EU hingegen nicht fürchten. Moskau könne der EU nämlich nicht schaden, „ohne sich damit viel härter zu schaden“, schreibt Mangott weiter. „Russland könnte daher einen anderen Adressaten für Gegenmaßnahmen suchen: Die Ukraine.“ Moskau könnte nicht nur die schon eingeführten Handelsbeschränkungen „deutlich ausweiten“, sondern „als stärkstes Instrument“ auch mit der Ausweisung ukrainischer Gastarbeiter beginnen. Damit würde die wirtschaftliche Stabilisierung der Ukraine noch teurer als bisher geplant. „Das wäre ein sehr hoher Preis, den die EU zahlen müsste.“ (tt.com, APA)