Zwischenbilanz

Sommer löst kalte Schauer aus

Viele Tiefs, kaum ein Hoch. Die Betreiber von Tirols Schutzhütten und Freibädern sprechen von einem der schwächsten Sommer seit langem. Freizeitangebote mit einem Dach über dem Kopf profitieren.

Von C. Mair und J. Beirer

Innsbruck –Hüttenwirte und Freibadbetreiber gehören zu jener Spezies Unternehmer, die mit den Launen des Wetters leben muss. Doch der laufende Sommer, sofern er diesen Namen überhaupt verdient, bringt selbst sie fast zur Verzweiflung: „Ich bin jetzt den 20. Sommer auf der Jamtalhütte, so massiv war der Einbruch noch nie“, schildert Gottlieb Lorenz, Hüttenpächter in der Silvretta, die Situation. Er spricht von Einbußen von 30 Prozent. Eine Folge davon: drei Mitarbeiter weniger. „Wir hatten noch kein stabiles Hoch“, sagt Lorenz. Doch das sei nötig, damit es aufwärtsgeht. Denn die Gäste würden immer kurzfristiger buchen und auch absagen. Auch auf der Arzler Alm, beliebtes Ausflugsziel oberhalb von Innsbruck, spürt Hannes Anzengruber das Wetter: „Wenn die Prognosen am Vortag von Regen sprechen, plant man etwas anderes.“

Auch in einem anderen Eck Tirols, auf der Karlsbader Hütte in den Lienzer Dolomiten, geht es sehr beschaulich zu. In der Vorwoche hätten sich maximal zehn Gäste die Hütte mit 100 Schlafplätzen geteilt, erzählt Wirt Rupert Tembler. „Aber wir hatten auch schon gute Wochen“, fügt er wie zur Ehrenrettung des Sommers an, den Bernhard Schlechter von der Höttinger Alm trotz der üblichen Wetterschwankungen nicht schlechtreden will: „Das war bis jetzt eine super Saison.“ Die Ausfälle vom Juli noch aufzuholen, stufen die Hüttenwirte als schwer bis unmöglich sein.

Höchstens Schadensbegrenzung sei hingegen für die Freibäder und Badeseen in Tirol drinnen, ist deren Obmann in der Wirtschaftskammer, Josef Fiegl, überzeugt. Die Freibäder würden heuer wegen des Wetters mit einem massiven Besucherrückgang kämpfen. Zahlen liegen noch nicht vor, doch die Vorjahresrekordsaison mit 40 Tagen über 30 Grad und 2,5 Mio. Badegästen sei außer Reichweite. Über Erfolg oder Misserfolg entscheide die Ferienzeit „Wenn wir dort 20 Badetage haben, dann sind wir schon gerettet“, sagt Fiegl. Heuer seien es bisher keine zehn gewesen. Profitiert hätten die kombinierten Bäder, die den Wasserspaß auch unter Dach anbieten.

Ein Dach war angesichts der bisherigen Witterung ein entscheidender Vorteil – egal in welcher Form. Im Silberbergwerk Schwaz freute man sich über einen Besucherzuwachs. „Bei Schönwetter haben wir ca. 300 Besucher, bei Regenwetter sind es bis zu 1900“, sagt Marketingleiter Manfred Putz. „Wenn es in der Früh schon regnet, dann erleben wir sehr starke Tage.“ Auch ins Museum zieht’s die Menschen bei Schlechtwetter eher. Die Tiroler Landesmuseen verzeichneten heuer im Juli eine Steigerung der Besucherzahlen um 20 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Beliebtestes Haus in diesem Zeitraum war die Hofkirche mit 31.673 Besuchern vor dem Tirol-­Panorama (21.861).

Übrigens: Aus Gastgärten und Terrassen lassen sich die Tiroler nicht so leicht vertreiben, berichtet Elisabeth Geisler vom Innsbrucker Restaurant Sitzwohl. Trotz verregneter Wochenenden sei die Freiluftsaison bisher gut gelaufen, der Umsatz sogar leicht gestiegen.