Zylinder gekappt, doch der Fahrspaß hat geklappt

Dem Trend, kleinere Motoren zu verbauen, folgt die BMW Group nahezu meisterlich im neuen Mini Cooper.

Länger als seine beiden Vorgänger ist der Mini Cooper, typische Designelemente hat er aber behalten.
© Höscheler

Von Markus Höscheler

Silbertal –Die Ingenieure der BMW Group sind beileibe nicht die ersten, die einen turbogeladenen Dreizylinder-Benzinmotor zur Marktreife brachten – aber was sie konstruierten, dürfte selbst die etablierten Hersteller kleinerer Aggregate in Erstaunen versetzen: Die 1,5 Liter Hubraum fassende Ottomaschine beherrscht erstens eine gepflegte Laufkultur; zweitens spricht sie recht zügig auf Gaspedalbefehle an und zieht kraftvoll durch; drittens hält sich der tatsächliche Spritkonsum einigermaßen nahe am Normverbrauch, auch wenn das angetriebene Fahrzeug forciert die Kilometer auf dem westösterreichischen Straßennetz abspult.

Das Leistungsangebot ist für einen Dreizylinder keine Selbstverständlichkeit: 136 Pferdestärken, dazu kommen 220 Newtonmeter maximales Drehmoment, das bereits ab 1250 Umdrehungen/Minute anliegt. Kurzzeitig beherrscht das Triebwerk sogar einen Overboost-Modus mit 230 Newtonmetern.

Verständlich sind daher die erzielten Beschleunigungs- und Höchsttempo-Werte: Von null auf 100 km/h sprintet der Mini Cooper in 7,9 Sekunden, erst bei 210 km/h wird dem Kleinwagen der Luftwiderstand zu groß. Dass sich das Aggregat trotzdem nur 5,8 Liter Treibstoff je 100 Kilometer genehmigte, freute uns, die Zunft der Tankstellenbetreiber wohl weniger. Dabei könnte sich der Brite noch sparsamer verhalten, aber dann kämen die Mini-Fahrer nur eingeschränkt in den Genuss der direkten Lenk- und dynamischen Fahrwerksqualitäten der dreitürigen Limousine. Der Wagen wechselt so zielgerecht wie gewünscht die Richtung, dass der Fahrer manches Mal außer Acht lässt, dass der Mini Cooper ein Fronttriebler ist. Das knackige Sechsgang-Schaltgetriebe empfiehlt sich außerdem.

In Bewegung zeigt sich das Auto formstark, aber wie sieht es im Stillstand aus, wenn die Insassen die Muße haben, das Interieur genau zu betrachten? Fraglos setzt die dritte Mini-Generation unter BMW-Regie die verspielte Tradition mit Kippschaltern und zentralem Start-Knopf fort, verzichtet aber auf Übertreibungen. So finden sich die Fensteröffner an den Innenseiten der Türen, außerdem gibt es keinen unnötigen Riesentacho, bekannt von anderen Mini-Baureihen. Die Multimedia-Bedienung über ein BMW-iDrive-ähnliches System strahlt Wertigkeit aus und ist zudem recht praktisch in der Handhabung. Auch die Auflösung des Displays ist stimmig, ebenso diejenige des Bordcomputers.

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Die Vielzahl der Bedientasten auf dem Lenkrad mag den ein oder anderen Fahrer überfordern. Nicht allzu viel Informationen sollte sich der Lenker erwarten, wenn er nach hinten schaut – die Sicht ist ziemlich eingeschränkt, teilweise geschuldet den dicken C-Säulen. Auch nach vorn begrenzen die steile Windschutzscheibe und das vorgezogene Dach die Perspektive, aber für das wesentliche Geschehen auf der Straße reichen die Glasflächen. Für den außergewöhnlichen Fahrspaß verlangen Mini-Händler 27.072 Euro – bei etwas geringerer Ausstattung sind es noch 20.140 Euro.

Die Technik

Motor: Dreizylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1499 ccm

Drehmoment: 220 Nm bei 1250 U/min

Leistung: 100 kW/136 PS

L/B/H: 3821/1727/1414 mm

Gewicht: 1160/1565 kg

Kofferraumvolumen: 211 l

Tankinhalt: 40 l

Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

0 – 100 km/h: 7,9 Sekunden

Verbrauch: 5,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis: 27.072 Euro

CO2-Emission: 105 g/km


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