Auf den Mount Everest des Zillertals

Einheimische sowie Gäste pilgern regelrecht auf die Ahornspitze in Mayrhofen. Platz am Gipfel bleibt daher kaum. Doch der Ausblick entschädigt.

© Hotter

Von Miriam Hotter

Mayrhofen –Ein Mann mit schwerem Rucksack und Fernrohr um den Hals keucht, hält an und sammelt seine letzten Kräfte. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und geht weiter. Er will ihn unbedingt erreichen – den Gipfel der 2973 Meter hohen Ahornspitze, die stolz über Mayrhofen thront.

So wie dem deutschen Gast geht es vielen. Die Ahornspitze ist einer der beliebtesten Berge des Zillertals und jeder will ihn besteigen. Koste es, was es wolle. Hüttenwirt Sigi Schneeberger beobachtet das Treiben seit 16 Jahren. So lange verköstigt er Gäste auf der Edelhütte unterhalb der Ahornspitze. „Der Berg ist zwar anspruchsvoll, aber mit rund 1000 Höhenmetern von der Bergstation aus machbar. Und er macht schon was her, so wie er da steht. Da will man einfach rauf“, sagt er.

Bergsteigerlegende Peter Habeler gehe einmal im Monat auf die Ahornspitze. „Er bezeichnet sie als den Mount Everest des Zillertals, weil die Ahornspitze dem höchsten Berg der Welt von der Form her ähneln soll“, erzählt Schneeberger. Die Ähnlichkeit können Wanderer im letzten Abschnitt der Bergtour erkennen, wenn es steil bergauf zum Gipfelkreuz geht. An diesem Tag tummeln sich dort so viele Bergsteiger, dass manche von ihnen kurz davor wieder umdrehen. Denn Platz würden sie sowieso keinen finden.

So kommt man hin: Mit der Ahornbahn fährt man bis zur Bergstation auf 1966 Meter. Von dort aus geht es links über das Skigelände bis zum kleinen eingezäunten Ahornsee. Von dort zweigt der Weg links unter einem Holzbogen ab. Dann geht man einige Höhenmeter bergab und quert den Hang des Filzenkogels. Sobald der Pfad einen Rechtsbogen vollzieht, wandert man beinahe eben dahin in einen Kessel hinein, der rechts von der Filzenschneid begrenzt wird.

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Links erkennt man bereits die am Fuße der Ahornspitze liegende Karl-von-Edel-Hütte oder kurz Edelhütte (2238 m), wie sie von den meisten genannt wird. Langsam nimmt auch die Steigung des Weges zu. In einem großen Linksbogen überquert man einen Bachlauf und erreicht dann eine Stunde nach Aufbruch an der Bergstation die Edelhütte. Die Hütte lassen wir zunächst links liegen und wandern geradeaus weiter dem Wegweiser Richtung Ahornspitze folgend.

Der Weg schlängelt sich nun über Almwiesen dem Gipfel entgegen. Zurückblickend entdecken wir auch erstmals den Tuxer Hauptkamm mit dem Olperer (3476 m) und Hohen Riffler (3168 m).

Nach einer Stunde treffen wir auf eine Abzweigung und zugleich auf eine Wegsperrung. „Der alte Aufstieg über den Nordwestgrat wurde wegen Steinschlaggefahr gesperrt“, erzählt Schneeberger. Der Weg führt nun den Gipfelaufbau querend über Blöcke und Schotter zum Südwestrücken hinauf. Am Rücken angelangt wenden wir uns nach links und steigen in Serpentinen über Schutt die steile Flanke empor. Hin und wieder müssen dabei die Hände benutzt werden. Der Blick wendet sich nun nach rechts, wo wir die Zillertaler Riesen um den Großen Löffler (3379 m), Großen Möseler (3480 m) und Hochfeiler (3510 m) bewundern. Nach 30 Minuten erreichen wir den Gipfel der Ahornspitze. Der keuchende Mann hat es inzwischen auch geschafft. Nicht ohne Stolz schießt er ein Beweisfoto. Nach einer Rast geht es auf demselben Weg zurück zur Bergstation.

Zahlen und Fakten zur Wanderung auf die Ahornspitze

Ausgangspunkt: Bergstation Ahornbahn (1966 m.) Letzte Talfahrt: 17 Uhr. Preis für Berg- und Talfahrt: 16,50 Euro.

Höhenmeter: 1007 Hm. Gehzeit: ca. 3 Stunden von der Bergstation bis zum 2973 Meter hohen Gipfel.

Anreise mit dem Auto: ins Zillertal, dort auf der B 169 bis nach Mayrhofen. Bei der Ortseinfahrt Mitte abfahren, nach ca. 300 Metern rechts abbiegen und die Hauptstraße hinauf. Bei der Brücke links abbiegen. Nach ca. 100 Metern auf der rechten Seite zur Talstation der Ahornbahn.

Einkehrmöglichkeiten: Die Edelhütte (2238 m) bietet Übernachtungsmöglichkeiten für 80 Personen und ist bis Mitte Oktober geöffnet. Außerdem gibt es noch Hütten und Restaurants in der Nähe der Ahornbahn.

Variante: Für ausdauernde Bergsteiger gibt es noch eine andere Aufstiegsmöglichkeit: Von der Talstation Ahornbahn über die Alpenrose zum Gipfel. Gehzeit: ca. 6 Stunden.


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