Erstes Anbandeln mit der Arbeitswelt

Viele Schüler und Studenten müssen im Rahmen ihrer Ausbildung ein Pflichtpraktikum machen. Andere tun es freiwillig. Die Hoffnung auf einen Job danach endet für manche in einer Endlosschleife.

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Von Margit Bacher

Innsbruck –„Einige unserer Mitarbeiter sind ehemalige Praktikanten“, sagt Christian Huber, Geschäftsführer der Firma Vizrt. Der Softwarehersteller aus Vomp hat sich auf Computergraphik für Medien spezialisiert und ist mittlerweile Weltmarktführer im Bereich der Live-TV-Graphik. „Die Chance besteht definitiv, dass wir Schülern oder Studenten, die ein Praktikum bei uns machen, nach ihrer Ausbildung einen Job anbieten. Das ist doch für beide eine Win-win-Situation, denn niemand kauft gerne die Katze im Sack“, meint Huber.

Dieses gegenseitige Kennenlernen sieht auch Dietmar Kilian, Professor für Prozessmanagement und Netzwerke am Management Center Innsbruck (MCI), als Vorteil.Für die Unternehmen, weil sie die potenziellen Kandidaten während des Praktikums schon sehr gut kennen lernen können und spezifische Projekte von den Studierenden bearbeitet werden. Und für die Studierenden, weil sie in der Arbeitswelt Erfahrungen sammeln, die sich im weiteren Studium positiv auswirken. Zudem könnten sie erste Kontakte mit potenziellen Arbeitgebern knüpfen.

Und genau das macht gerade Werner Kapferer beim Vomper Softwarehersteller Vizrt. Der 22-Jährige wird für neun Wochen als Praktikant in der Entwicklungsabteilung im Bereich Web-Frontend-Entwicklung mitarbeiten. Kapferer studiert im siebten Semester Informatik an der Universität Innsbruck und macht dieses Praktikum freiwillig. „Damit ich einen Bezug zur Praxis bekomme und sehen kann, was es alles an Firmen gibt. Außerdem weiß ich jetzt, wie der Hase läuft“, sagt Kapferer. Außerdem verstehe er nun, das Gelernte von der Uni in der Praxis anzuwenden und einzuordnen.

Was Werner Kapferer bei Vizrt freiwillig macht, ist für die „Generation Praktikum“, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, ganz und gar nicht angenehm. „Diese jungen Menschen sind mit dem Problem konfrontiert, dass sie nach der schulischen Ausbildung oder dem Studium nicht in ein reguläres Dienstverhältnis einsteigen können, sondern erst noch jahrelang Praxis in so genannten Praktika sammeln müssen“, weiß Vera Lochmann von der Arbeiterkammer Tirol. Das bedeute meist wenig Geld und keine Versicherung. Die Gründe, warum sich so viele junge Menschen auf unsauber geregelte Arbeitsverhältnisse einlassen und sich nicht beschweren würden, sind für Lochmann leicht zu erklären: „Wenn ich hoffe, dass aus meinem unbezahlten Praktikum ein fixer Arbeitsplatz wird oder dass ich so in der Branche Fuß fassen kann, dann werde ich mich ruhig verhalten.“

Diesen Druck, sich schon nach einem Arbeitsplatz umsehen zu müssen, hatte Teresa Varges gar nicht, als sie im Vorjahr ihr zwölfwöchiges Pflichtpraktikum gemacht hat. Die HBLA-West-Schülerin hat es mit den Chefleuten Sabina und Wolfgang Ebner vom Hotel Rettenberg in Kolsass „supergut erwischt“, wie sie sagt.

„Ich bin richtig aufgeblüht und selbstbewusster geworden, einfach viel offener durch die Gespräche mit den Gästen. Die Arbeit im Service macht wirklich richtig Spaß, aber ich bin noch so jung und sehe meine berufliche Zukunft einfach woanders“, meint sie. Für Teresa ist eines klar: „Die Praktikumszeit vergesse ich bestimmt nie wieder.“ Ihre Chefleute wohl auch nicht, denn sie haben die Schülerin diesen Sommer wieder angefragt.

Praktikum und Pflichtpraktikum: Unterschiede und rechtliche Basis

Ein Praktikum, wie es üblicher­weise verstanden wird, gibt es genau genommen gar nicht. Arbeitsrechtlich gesehen gibt es ein „Pflichtpraktikum“ und ein „Volontariat“. So genannte Ferialjobs, Ferialpraktika oder auch freiwillige Praktika sind nichts anderes als befristete Dienstverhältnisse. Ein Pflichtpraktikum müssen sowohl Schüler eines bestimmten Schultyps als auch Studierende von Fachhochschulen absolvieren. Bei Schülern erfolgt es in einem bestimmten Zeitumfang und betrifft nur bestimmte Schultypen: die Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HBLA), die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) sowie die Höhere technische Lehranstalt (HTL). Das Pflichtpraktikum ist Teil der Schulausbildung und muss absolviert werden, um positiv abschließen zu können. Pflichtpraktika müssen auch Studierende von Fachhochschulen (FH) machen. Diese sind jedoch je nach FH unterschiedlich geregelt. Gesetzliche Regelungen: Am besten ist es, ein Pflichtpraktikum im Rahmen eines regulären Arbeitsverhältnisses durchzuführen, da es für Praktika keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen gibt. Ohne schriftliche Vereinbarungen bleiben Fragen, wie etwa bezüglich Entlohnung, Versicherung, Krankheit, Haftung, Kündigung, offen. Wird ein Pflichtpraktikum im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses absolviert, so besteht Entgeltpflicht nach den kollektivvertraglichen Regelungen, sonst nicht.

Sinn und Zweck von Praktika ist es, in einem arbeitsrechtlich geregelten Rahmen Erfahrungen zu sammeln. Betriebe wiederum können auf diesem Weg künftige Mitarbeiter kennen lernen. Das Ausbildungsverhältnis sollte klare, schriftliche Vereinbarungen für die Praktikumszeit haben.


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