Mehr als 1000 Ebola-Tote in Westafrika, Serum für Liberia

Auch die Weltgesundheitsorganisation befürwortet den Einsatz des experimentellen Wirkstoffs. Liberia erhält nun die Arznei ZMapp aus den USA. Der Einsatz solcher Medikamente wird unter Medizin-Ethikern heiß diskutiert.

Die Opferzahl steigt.
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Freetown/Conakry/Lagos – Die Zahl der gemeldeten Todesfälle der Ebola-Epidemie in Westafrika ist auf mehr als 1.000 gestiegen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf ihrer Internetseite am Montag mitteilte, starben bisher 1013 Menschen. Insgesamt gebe es 1848 Ebola-Fälle. Liberia erhält indes das experimentelle Ebola-Serum ZMapp. In Genf berieten Medizin-Ethiker über einen möglichen Einsatz einer solcher Arznei.

Das Weiße Haus und die US-Arzneimittelbehörde FDA hätten einer Bereitstellung des Serums zur Behandlung infizierter Mediziner in Liberia zugestimmt, erklärte das Präsidialamt in Monrovia in der Nacht zum Dienstag. Die Entscheidung sei nach einem entsprechenden Gesuch der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf an US-Präsident Barack Obama gefallen. Ein US-Regierungsvertreter werde die Lieferung im Laufe der Woche überbringen. Bisher gibt es weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel gegen Ebola.

Auch WHO für Einsatz von experimentellen Therapien

Auch ein Experten-Komitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält den Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika für vertretbar. „Angesichts der besonderen Umstände dieses Ausbruchs, und vorausgesetzt, dass bestimmte Bedingungen erfüllt werden“, seien derartige Behandlungen ethisch vertretbar, hieß es am Dienstag in Genf.

Dies sei auch der Fall, wenn ihre Wirksamkeit noch nicht bewiesen und mögliche Nebenwirkungen noch nicht bekannt seien. In Genf hatte zuvor ein international besetztes Ethikkomitee zu der Frage getagt. Einer Anwendung solcher Mittel müsse aber vom jeweiligen Patienten erlaubt werden. Die Empfehlung der WHO bedeutet noch nicht, dass Regierungen, in deren Zuständigkeitsbereich die Genehmigung der Verwendung oder die Arzneimittelzulassung fällt, dies auch gestatten müssen.

Hersteller schickt Mittel nach Westafrika

Zuvor hatte bereits der Hersteller des experimentellen Serums erklärt, sämtliche Vorräte an dem Mittel würden nach Westafrika geschickt. In Folge der Anfrage „eines westafrikanischen Staates“ seien die Vorräte an ZMapp erschöpft, hieß es am Montag (Ortszeit) auf der Website des Unternehmens Mapp Bio. Jegliche Entscheidung zur Anwendung des noch nicht zugelassenen Serums müsse vom ärztlichen Fachpersonal getroffen werden. Das Medikament werde kostenlos zur Verfügung gestellt.

ZMapp wurde bisher nur an Tieren getestet. Mangels Medikamenten gegen Ebola wurde es dennoch bei einem Arzt und einer Krankenschwester aus den USA angewendet, sie sich beim Umgang mit Ebola-Kranken in Liberia infiziert hatten. Auch ein in Liberia mit dem Ebola-Virus infizierter spanischer Missionar wird mit dem Medikament behandelt.

In Genf berieten am Montag Medizin-Ethiker mit Experten der WHO über einen möglichen Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Epidemie-Gebiet. Erste Ergebnisse sollten am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Möglich wäre nach Einschätzung von Experten, dass die WHO wegen der kaum einzudämmenden Epidemie den Einsatz solcher Mittel gutheißt, die noch in der Entwicklungsphase sind. „Wir haben hier eine Krankheit mit hoher Sterberate, ohne dass es eine bewährte Behandlung oder Impfung gibt“, hatte die Stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny vor einigen Tagen erklärt. Die Ethiker müssten einschätzen, was für Ärzte in dieser Situation verantwortbar sei.

Guineas Präsident fordert Impfstoff

Der Präsident von Guinea, Alpha Conde, rief unterdessen zu einer raschen Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Ebola-Virus auf. Ebola müsse zu einem „internationalen Anliegen“ gemacht werden, bis ein Impfstoff bereit stehe, sage Conde am Montag in Conakry. Gleichzeitig seien zusätzliche Investitionen in das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser der betroffenen Länder notwendig.

Die WHO hatte die Ebola-Epidemie am Freitag als Internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Damit kann die Organisation nun zu außerordentlichen Maßnahmen greifen, um die Epidemie einzudämmen.

Deutscher Student nicht mit Ebola infiziert

Ein in Ruanda unter Ebola-Verdacht unter Quarantäne gestellter deutscher Patient ist nicht mit dem Virus infiziert. „Der Test des Ebola-Verdachtsfalles ist negativ. Es gibt kein Ebola in Ruanda“, teilte das Gesundheitsministerium des ostafrikanischen Landes am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Es handelte sich offenbar um Malaria.

Der Medizinstudent aus Deutschland war vor kurzem aus Liberia zurückgekehrt und zeigte Symptome, die auch bei Ebola auftreten. Deshalb war er in einer Klinik der Hauptstadt Kigali isoliert worden.

Sowohl bei Malaria als auch bei Ebola können Fieber und Durchfall auftreten. Viele der in den vergangenen Tagen weltweit registrierten Ebola-Verdachtsfälle gingen letztlich auf Malaria zurück. (APA/dpa)


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