Neuerscheinungen: Schreibende Pianisten

Wien (APA) - Beethoven - das ist und war für Rudolf Buchbinder von klein auf der eherne Bezugspunkt. Rund 50 Zyklen mit den 32 Klaviersonant...

Wien (APA) - Beethoven - das ist und war für Rudolf Buchbinder von klein auf der eherne Bezugspunkt. Rund 50 Zyklen mit den 32 Klaviersonanten des Meisters hat der Pianist bereits aufgeführt - derzeit noch bis 20. August bei den Salzburger Festspielen. Doch nicht nur in der Stiftung Mozarteum bringt Buchbinder seinen Beethoven zum Klingen, sondern auch am Buchmarkt mit einem Prachtband.

So nimmt der 67-Jährige die Klavierwerke des Komponisten als Ausgangsbasis für eine Lebensschilderung, wobei Buchbinder stets von seinen Erfahrungen als Interpret ausgeht, um Beethovens Welt und Zeit zu erklären. Für den Musiker stellt die Recherche der persönlichen Notate und Berichte über einen Komponisten neben dem Notenstudium ein zentrales Element der Interpretationsarbeit dar.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu Beethoven fließen nun in das Werk ein, das weniger die schiere Biografie als die künstlerische Entwicklung des Komponisten in den Fokus rückt. Anhand der Sonaten als Lebensstationen Beethovens entwirft Buchbinder mit schnellem Strich ein vielfarbiges Porträt, das in punkto Zahlen und Daten keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, dafür mit teils unbekannteren Fotos gespickt ist.

Wie Rudolf Buchbinder zählt auch Alfred Brendel zu den großen Pianisten unserer Zeit. Zugleich bewegt sich der 83-jährige Österreicher stets mit Essays und Gedichten weit über das ihm scheinbar angestammte Feld hinaus. Unter dem lyrischen Titel „Wunderglaube und Mißtonleiter“ sind nun bei Hanser die neuesten Texte des Kulturmenschen erschienen, die sich nur zum kleineren Teil mit dem Klavier auseinandersetzen.

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Brendel vereint dabei Gedanken über Beethovens und Schuberts Streichquartette mit einer Würdigung von Jean Pauls Sprachkürze. So schätzt der Pianist am Autor nicht zuletzt dessen Witz, weshalb er Pauls „Gedanken“ als Aphorismen im Original den schmalen Band durchziehen lässt. Daneben blendet Brendel seine eigene Karriere jedoch nicht aus und erklärt, wie es zur überbordenden Anzahl seiner Plattenaufnahmen kam, die er nicht zuletzt als Selbstkontrolle begreift oder beleuchtet Dogmen, die sich in der Interpretation von Werken einschleichen.

Er sinniert, wie sich das Musikleben der vergangenen Jahrzehnte von der Wiederentdeckung der Moderne bis zur Aufwertung von Mahler und Bruckner gewandelt hat und stellt seine Einführungsrede zur von ihm kuratierten Filmreihe bei der Viennale 2011 neben Kurzporträts der beiden Kolleginnen Katja Andy und Joyce Hatto. Das verbindende Element bleibt dabei stets der klare Ausdruck, der Brendel nicht nur am Klavier, sondern auch am Papier kennzeichnet.

(S E R V I C E - Rudolf Buchbinder: „Mein Beethoven. Leben mit dem Meister“, Residenz Verlag, 224 Seiten, 24,90 Euro. Alfred Brendel: „Wunderglaube und Mißtonleiter“, Hanser Verlag, 130 Seiten, 16,40 Euro)


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