Kärntner Wirtschaftskammer klagt über Pflicht zur Barrierefreiheit

Klagenfurt (APA) - Die Kärntner Wirtschaftskammer (WK) ist mit der im Behindertengleichstellungsgesetz geforderten Pflicht zu barrierefreien...

Klagenfurt (APA) - Die Kärntner Wirtschaftskammer (WK) ist mit der im Behindertengleichstellungsgesetz geforderten Pflicht zu barrierefreien Geschäftslokalen überhaupt nicht einverstanden. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag beklagten Funktionäre aus dem Handel und aus dem Tourismus, dass es Unternehmer angesichts der vielen Normen von Barrierefreiheit bis zu Denkmalschutz gar nicht richtig machen könnten.

Beispielhaft wurde der Fall eines Klagenfurter Innenstadtjuweliers genannt. Am Eingang seines Geschäfts befindet sich eine 11,5 Zentimeter hohe Stufe. Diese hatte einen sehbeeinträchtigten Mann dabei behindert, in das Geschäft zu gelangen. Er leitete ein Schlichtungsverfahren im Sozialministerium ein.

Juwelier Max Habenicht bekam eine Frist bis Ende Oktober gesetzt, um seinen Laden barrierefrei zu machen. Er sagt, eine Rampe im Geschäft sei unmöglich. Eine gleichstellungsgesetz-konforme Rampe vor dem Haus mit denkmalgeschützter Fassade wäre ein massives Hindernis am Gehsteig. Den Vorschlag, eine Klingel an der Tür anzubringen, damit ein Mitarbeiter dem beeinträchtigten Kunden zu Hilfe kommt, lehnte der Sehbehinderte ab. Wenn die Schlichtung scheitert, geht der Fall vor Gericht. Der Schadenersatz ist mit mindestens 1.000 Euro angesetzt.

Aus Sicht der Wirtschaftskammer wäre es die beste Lösung, wenn die Gehsteige umgebaut werden, um einen barrierefreien Zugang zu den Geschäften zu ermöglichen. Beispielhaft wurden zwei Straßen in Klagenfurt genannt - die 10.-Oktober-Straße und die Burggasse. Dort wurde im Zuge einer Neugestaltung der Gehsteig angehoben, laut Wirtschaftskammer unter finanzieller Beteiligung der Geschäftsleute. Kritik übten die WK-Funktionäre an den unterschiedlichen Fristen für die Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes. Handel und Gewerbe müsse bis Ende 2015 barrierefrei sein, in öffentlichen Gebäuden habe man Zeit bis Ende 2019.

Die Kärntner Behindertenanwältin Isabella Scheiflinger war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

~ WEB http://wko.at ~ APA206 2014-08-12/12:18


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