Swarovski: „Es geht um Missstände und die Zukunft des Vereins“

Gefährliche Trainingsbedingungen, gehemmte Entwicklungsmöglichkeit: Swarco-Raiders-Präsidentin Elisabeth Swarovski spricht Klartext.

Wie ist Ihr letzter Stand bezüglich des geplanten Football-Zentrums hinter dem Innsbrucker Tivoli?

Elisabeth Swarovski: Es gibt einen breiten Konsens über die Notwendigkeit und die Dringlichkeit dieses Projektes und es liegt ein fix und fertiges Konzept mit verschiedenen Ausbaustufen vor. Leider kommt aber die konkrete Umsetzung nicht voran – hier wird der Ball zwischen den Verantwortlichen hin und her gespielt.

Welche Hürden gilt es zu überwinden, bis die Bagger auffahren können?

Swarovski: Letztlich spießt es sich derzeit an der konkreten Finanzierung des Projektes. Unser Eindruck ist, dass der Wille, den Worten der Vergangenheit nun auch Taten folgen zu lassen, bei der Stadt Innsbruck deutlicher ausgeprägter ist als auf Landesebene.

Wie genervt sind Sie in der Causa?

Swarovski: Fragen Sie das unsere Jungs und die Cheerleader – Sie können sich die Antwort vorstellen: Seit vielen Jahren liefern sie kontinuierlich sportliche Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene, unser Verein bricht Zuschauer- und Mitgliederrekorde. Dennoch werden wir Jahr für Jahr vertröstet, von Ansprechperson zu Ansprechperson geschickt. Erklären kann man das langsam niemandem mehr.

Warum ist für Sie und die Swarco Raiders das Trainingszentrum so wichtig?

Swarovski: Mit der jetzigen Infrastruktur setzen wir über 400 aktive Sportlerinnen und Sportler – überwiegend Kinder und Jugendliche – einer erheblichen Verletzungsgefahr und unzumutbaren Sanitärbedingungen aus. Im Sportland Tirol ist das eigentlich undenkbar! Neben der Beseitigung dieser akuten Missstände geht es letztlich aber auch um die Zukunft des Vereines an sich. Wir werden in unserem Wachstum gehemmt und verlieren an Boden gegenüber anderen Vereinen im In- und Ausland. Ewig können wir den Spagat zwischen professioneller Vereinsführung und desaströsen Trainingsbedingungen sicher nicht meistern.

Wie lange werden Sie noch zusehen?

Swarovski: Ich frage mich, wie lange die Eltern der betroffenen Kinder noch zusehen werden. Unser Verein steht und fällt mit der Nachwuchsarbeit und gerade hier zieht man uns sukzessive den Boden unter den Füßen weg. Mir selbst sind leider die Hände gebunden. In diesem Fall sind wir auf die Gunst der öffentlichen Hand angewiesen. Etwas, das bei uns eigentlich die klare Ausnahme ist: 75 Prozent unseres Budgets stammen von privaten Sponsoren.

Gibt es zu einem Trainingszentrum Alternativen?

Swarovski: Theoretisch ja, praktisch nein. Wir sind ein Amateurverein, dessen Modell und Philosophie auf stetiger Nachwuchsarbeit basiert. Die Landeshauptstadt und deren Einzugsgebiet zu verlassen, können und wollen wir uns dabei schlichtweg nicht leisten.

Ein Schwenk zu den weiteren sportlichen Zielen – wie sehen diese aus?

Swarovski: Natürlich werden wir konsequent unseren Weg weiterverfolgen und junge Talente bestmöglich ausbilden. Durch die bestehenden Reglements der BIG 6 (Europacup des Sports, Anm.) und der AFL (Österreichische Footballiga, Anm.) sind uns nur maximal vier bzw. ein Profi-Spieler erlaubt, was die immense Bedeutung der Ausbildung des eigenen Nachwuchses unterstreicht. Ziel ist wieder ein Titel, wobei der internationale Titel über dem nationalen Titel steht.

Die Fragen stellte Daniel Suckert


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