Walchsee will den Verkehr bremsen

40-Stundenkilometer-Begrenzung oder Begegnungszone? In Walchsee sucht die Gemeindeführung nach einer Möglichkeit für eine verkehrsberuhigte Landesstraße durch das Dorfzentrum.

Von Wolfgang Otter

Walchsee –Seit längerer Zeit läuft im Tourismusort am idyllischen Walchsee ein Bürgerbeteiligungsprozess. Der Ortskern, so heißt es seitens der Bewohner, sollte um ein Stück lebenswerter werden. Was dabei ganz ungemein stört, ist jedoch der Verkehr. Der Blechwurm auf der Walchseestraße (B 172) teilt das Dorf nicht erst seit wenigen Jahren. So gab es bereits vor Jahrzehnten Initiativen für eine Umfahrungsstraße samt einem Tunnel. Aber im Vergleich zu früher hat sich eine Voraussetzung ganz entscheidend geändert. Während einst Touristiker Angst davor hatten, dass durch solch einen Tunnel die Gemeinde und damit ihre Betriebe umfahren werden, sieht man laut Bürgermeister Dieter Wittlinger heute viel Potenzial in einem verkehrsberuhigten oder verkehrsfreien Ortskern. Aber Wittlinger ist auch klar, „dass, wenn wir heute solch eine Umfahrung in das Raumordnungskonzept schreiben, noch mindestens drei Bürgermeister nach mir an dem Vorhaben dranbleiben müssen, bis es eine Chance auf eine Realisierung hat“.

In Walchsee ist man sich aber trotzdem einig: Irgendetwas muss im Zentrum passieren. Hier soll sich mehr Leben entfalten. Hinderlich ist jedenfalls der Verkehr von bis zu 7000 Fahrzeugen am Tag.

Ein Vorschlag wäre daher, Tempo 40 auf der Ortsdurchfahrt zu erlassen. Ein Limit, das bereits auf den restlichen Straßen in der Gemeinde gilt. Daher wurde ein Gutachten eingeholt, das aber vorerst den Gestaltungswillen der Walchseer bremst, da es nicht besonders positiv ausfällt.

Es gibt eine weitere Idee, die wäre spektakulär und in Tirol auf einer Straße wie der B 172 neu: Ein Teil der Ortsdurchfahrt soll demnach zu einer Begegnungszone erklärt werden. Dies entspricht der Open-Space-Ideologie, wie sie bereits in Kufstein am Fischergries oder in der Krankenhausgasse umgesetzt wird. Auch hier finden sich Begegnungszonen. In diesem Bereich sind alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und Verkehrstafeln passé. Generell gilt dabei die Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern, die Behörde kann die Höchstgeschwindigkeit aber auch auf 30 Stundenkilometer festsetzen. In der Begegnungszone dürfen Fußgänger die Straße benützen, ohne Kraftfahrer dabei mutwillig zu behindern. Die Folge ist, dass das Tempo der motorisierten Verkehrsteilnehmer entsprechend gegen Schrittgeschwindigkeit sinkt. Auch dazu wurde, mit finanzieller Unterstützung des Landes, ein Gutachten eingeholt. Laut Wittlinger habe sich gezeigt, dass der ausgesuchte Bereich (Walchseerhof bis Raika) geeignet wäre. Mehr wolle er vorerst dazu nicht sagen. Im Herbst folgt eine Besprechung im Landhaus, bei der die weitere Vorgangsweise festgelegt wird.


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