Vor 2.000 Jahren starb Roms erster Imperator Augustus 1

Rom (APA) - Europa gedenkt 2014 der „runden“ Todestage zweier Herrscher, welche die westliche Geschichte entscheidend geprägt haben. Am 28. ...

Rom (APA) - Europa gedenkt 2014 der „runden“ Todestage zweier Herrscher, welche die westliche Geschichte entscheidend geprägt haben. Am 28. Jänner 814 starb Karl der Große, vor 2.000 Jahren, am 19. August 14 n. Chr., in Nola in Kampanien der erste Imperator des Römischen Reiches, Gaius Octavianus, dem vom römischen Senat der Ehrentitel „Augustus“ (der Erhabene, griech. Sebastors) verliehen worden war.

Der am 23. September 63 v. Chr. im Rom geborene Großneffe, Adoptivsohn und Haupterbe von Gaius Julius Caesar war siegreich aus den Machtkämpfen im Gefolge von Caesars Ermordung am 15. März 44 v. Chr. hervorgegangen. Von 30 v. Chr., ein Jahr nachdem nach der Seeschacht von Actium (31 v. Chr.) sein letzter Gegner, Marcus Antonius, und die mit ihm verbundene Königin Kleopatra von Ägypten sich das Leben genommen hatten, beherrschte Augustus allein bis zu seinem Tod das Imperium Romanum.

Der Begründer der Julisch-Claudischen Kaiserdynastie (bis 68 n.Chr.) betrieb nach außen die Wiederherstellung der Republik (restitutia rei publicae), tatsächlich schuf er aber eine monarchische Ordnung mit republikanischer Fassade. Dieses sogenannte Prinzipat (von Princeps - Erster unter Gleichen) beruht auf dem Consensus universorum (allgemeine Übereinstimmung) und stellt einen Ausgleich zwischen monarchischen und republikanischen Elementen dar. Die Machtbefugnisse werden vom Senat und vom Volk übertragen: autoritäre Macht (Auctoritas) und Achtung vor den überlieferten Formen (Mores maiorum).

Trotz zahlreicher Expansionskriege während seiner Herrschaft (Vorstöße gegen germanische Stämme, Sicherung der Grenzen an Rhein, Donau und Euphrat, aber auch verlustreiche Schlachten wie jene im Teutoburger Wald 9 n. Chr.), brachte das Saeculum Augustum Rom, Italien und den meisten Provinzen inneren Frieden, Stabilität und Wohlstand, ein Zustand, der als „Pax Augusta“ verklärt wurde. Die Wirtschaft des Reiches florierte, Kunst und Kultur blühten auf, diese Epoche war auch das Goldene Zeitalter der römischen Literatur. Viele sahen in ihm einen Erlöser, da er weitere Bürgerkriege verhindert und so die Menschen vor dem wirtschaftlichen und sozialen Ruin bewahrt hatte.

Als ausgezeichneter Organisator gliederte Augustus unterworfene Königreiche und Staaten dem Imperium Romanum als Provinzen ein, an deren Spitze er Marionettenkönige oder römische Statthalter stellte. Die unterworfenen Gebiete überzog er mit einem Netz fester Straßen, auf denen römische Truppen rasch überallhin gelangten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Auf den hervorragend bewaffneten und geschulten Legionen beruhte die „Pax Romana“ und machte Land- und Seewege des Reiches gefahrlos für Reisende und den Warenverkehr.

Mit Recht gilt Augustus als „Zweiter Begründer des Imperiums“ - keiner außer ihm hat gegenwärtige Bild vom antiken Rom so geprägt wie er. Von den zahlreichen erhaltenen Porträts und Statuen seiner Person ist der „Augustus von Primaporta“ (gefunden in der Villa seiner dritten Frau Livia Drusilla), das ihn als Heerführer zeigt, die berühmteste (heute in den Vatikanischen Museen).

Augustus war ein Charismatiker, der geschickt taktierte und paktierte - darin sehen moderne Historiker sein Erfolgsgeheimnis. Wenn nötig, konnte er auch skrupellos sein und räumte dann seine Gegner beiseite. Es war die Zeit, die für ihn arbeitete - nach Caesars Ermordung war der Bürgerkrieg so eskaliert, dass die Friedenssehnsucht der Menschen immer stärker wurde. Der Übergang zu einer Monarchie hatte sich schon vor Augustus angekündigt, denn die Männer an der Spitze des Heeres waren schon unter Caesar stärker als der Senat. Der Flächenstaat Rom konnte nicht mehr nach dem Prinzip einer „Marktplatz-Demokratie“ regiert werden. So muss es als große Leistung Augustus angesehen werden, die altrömischen Traditionen als Fassade zu erhalten und dahinter ein sehr stabiles staatliches System aufzubauen, das erst gegen Ende des Weströmischen Reiches im fünften nachchristlichen Jahrhundert allmählich zusammenbrechen sollte.

Augustus blieb ein Vorbild: Jeder Kaiser nach ihm führte den Titel „Imperator Caesar Augustus ....“, Münzen und Inschriften zeigten sein Bild, von ihm erbaute Gebäude erinnerten an ihn. Auch den Christen blieb Augustus im Gedächtnis - im Weihnachtsevangelium heißt es zu Beginn „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging ....“

Bei der Planung der Zukunft des Römischen Reiches stellte Augustus in stärkster Form die Erinnerung an seine Person in den Mittelpunkt. Die Reichshauptstadt Rom nutzte Augustus nicht nur zum Bau architektonischer Meisterwerke (es heißt, er habe ein von Ziegeln erbautes Rom übernommen und ein marmornes hinterlassen), sondern auch für eindrucksvolle Veranstaltungen und Darbietungen, wie z.B. seine Triumphzüge. Von seinen Bauten ist nicht mehr viel übrig geblieben: sein Mausoleum, das Marcellus-Theater (nahe der Tiberinsel) und sein Forum. Seit Jahren steht sein Mausoleum wieder im Brennpunkt von Untersuchungen und Forschungen.


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