Afrikanische Union begrüßt Einsatz experimenteller Mittel

In Nigeria gibt es ein drittes Todesopfer nach einer Ebola-Infektion.

Im Kampf gegen das Ebola-Virus in Afrika werden nun experimentelle Mittel eingesetzt.
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Addis Abeba/Freetown/Conakry – Die Afrikanische Union hat die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Einsatz kaum erprobter Präparate gegen Ebola in Westafrika begrüßt. „Es handelt sich um eine Krankheit, an der bis zu 90 Prozent aller Patienten sterben - und wenn es eine Behandlungsmöglichkeit gibt, dann sollte sie auch benutzt werden“, sagte der AU-Kommissar für Soziales, Mustapha Sidiki Kaloko, am Mittwoch.

„Ebola keine Hexerei“

Voraussetzung sei, dass die Patienten über die möglichen Vor- und Nachteile aufgeklärt würden und ihr Einverständnis zu der Behandlung gäben. Kaloko fügte hinzu, dass es sich bei der Epidemie um ein Problem handle, das nicht nur den Westen des Kontinents, sondern ganz Afrika betreffe. Die anderen AU-Mitgliedstaaten müssten sich mit den vier bisher betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria solidarisch zeigen und finanzielle Mittel zur Bekämpfung der Seuche zur Verfügung stellen, erklärte der AU-Kommissar in Addis Abeba.

Wichtig sei es nun, die Gesundheitssysteme armer Länder in Afrika zu stärken, damit eine solch dramatische Epidemie in Zukunft verhindert werden kann. „In Europa wäre das nicht passiert, denn dort sind die Staaten in der Lage, die Fälle aufzuspüren und sofort zu isolieren.“ Außerdem müsse besser aufgeklärt werden. „Die Erziehung ist unser schwacher Punkt: Wir müssen den Menschen beibringen, dass es sich bei Ebola nicht um Hexerei handelt“, so Kaloko.

Drittes Todesopfer in Nigeria

In Nigeria gibt es ein drittes Ebola-Opfer. Ein 34-jähriger Mitarbeiter der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS starb in der Millionenstadt Lagos, wie die Organisation am Dienstag mitteilte. Nigeria hatte Ende Juli den ersten Ebola-Toten gemeldet, einen aus Liberia eingereisten Mann.

In der vergangenen Woche starb eine Krankenschwester, die sich um den Mann gekümmert hatte. Auch der ECOWAS-Mitarbeiter stand den Angaben zufolge mit ihm in Kontakt.

Ebola zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Ebola-Epidemie in Westafrika am Freitag zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Nach ihren Angaben starben bisher mehr als 1.000 Menschen an dem durch Körperflüssigkeiten übertragenen Erreger, mehr als 1.800 Menschen infizierten sich. Am schwersten betroffen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone.

Doch auch in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, steigt die Zahl der Infizierten. Das nigerianische Gesundheitsministerium sprach zuletzt von zehn Infizierten, mehr als 100 weitere Menschen stehen unter Beobachtung. Präsident Goodluck rief wegen der Ebola-Epidemie den nationalen Notstand aus. Eine Therapie oder zugelassene Medikamente gegen Ebola gibt es bisher nicht. Impfstoffe oder Medikamente sind lediglich im Teststadium. (APA/AFP/dpa)


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