Rotlichtnetzwerk: Prozess um Neonazi-Schutztruppe in Wels fortgesetzt

Wels/Hallein/Wien (APA) - Der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Anführer einer Neonazi-Schutztruppe für einen Ex-Rotlichtboss ist am Mit...

Wels/Hallein/Wien (APA) - Der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Anführer einer Neonazi-Schutztruppe für einen Ex-Rotlichtboss ist am Mittwoch im Landesgericht Wels fortgesetzt worden. „Leute manipulieren - das können sie gut“, so ein Belastungszeuge über die Beschuldigten, die auch Anführer der rechtsextremen Vereinigung „Objekt 21“ waren. In seinen Aussagen verwickelte sich der 25-Jährige mehrmals in Widersprüche.

Der Zeuge und mutmaßliche Komplize des nun angeklagten Duos hatte bereits im Vorjahr wegen Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung eine mehrjährige Haftstrafe ausgefasst. Das „Objekt 21“ beschrieb er als „durchorganisierten Verein“. Der jetzt beschuldigte 30-Jährige hatte hingegen in der vergangenen Woche betont, dass es nicht dafür da gewesen sei, kriminelle Taten zu setzen. Die Aussagen des 25-Jährigen am Mittwoch tat er als „Blödsinn“ ab, sie sorgten bei ihm und dem 33-jährigen Mitangeklagten wiederholt für Kopfschütteln. Der Belastungszeuge sagte u.a. aus, dass er bei dem 30-Jährigen Schulden gehabt habe, von ihm bedroht worden und zu einem Raub angestiftet worden sei.

Davon habe er nichts mitbekommen, erklärte dagegen ein weiterer Ex-Komplize des Duos, der ebenfalls schon verurteilt worden ist. Einen Raubüberfall zu begehen, wäre „Schwachsinn“ gewesen, das „Nutzen-Risiko-Verhältnis“ hätte nicht gestimmt, so der 29-jährige Deutsche. In seiner eigenen Verhandlung im Frühjahr, die wegen Drohungen gegen ihn unter strengen Sicherheitsvorkehrungen über die Bühne gegangen war, hatte er die beiden in einer Art Lebensbeichte aber bereits massiv belastet. „Ich hab‘ für mich persönlich mit dem Ganzen schon abgeschlossen“, sagte er nun vor Gericht über seine damalige „Drecksarbeit“.

Der 30-Jährige und der 33-Jährige sollen auf Geheiß eines bereits verurteilten früheren Rotlichtbosses Anschläge bei dessen Konkurrenz begangen bzw. andere dazu angestiftet haben. Ihr mutmaßlicher 53-jähriger Auftraggeber, der bereits im April vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, erklärte nun erneut, dass er ein „Schutzbedürfnis“ hatte und blieb bei seinen die beiden belastenden Angaben. Die Anklage wirft ihnen u.a. das Vergehen der kriminellen Vereinigung, versuchte und vollendete Brandstiftungen in Bordellen in Hallein, Wien und im Bezirk Kirchdorf, eine Bitumenattacke auf einen Wiener Saunaclub, Morddrohungen („Ich brech‘ euch das Gesicht“) und das Aussetzen teils giftiger Skorpione vor. Zu Prozessbeginn bekannten sie sich teilweise schuldig.

Morgen, Donnerstag, werden weitere Zeugen gehört. Der Richter hielt vorerst daran fest, dass am 20. August die Urteile gesprochen werden sollen.


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