Bestechende Sammelpassion

Über 2500 Kakteen nennt der Osttiroler Hermann Huber sein Eigen. Das erste stachelige Exemplar bekam der Pensionist vor 50 Jahren geschenkt.

Von Claudia Funder

Matrei i. O. –Bereits beim Betreten des gepflegten Anwesens ist es offensichtlich – da hat jemand einen grünen Daumen. Aber der ganze Stolz des Matreier­s Hermann Hube­r sind nicht herkömmliche Gartenblumen, sondern eine eher sperrige Pflanzenart: Kakteen.

50 Jahre ist es her, dass der rüstige Pensionist den ersten stacheligen Genossen geschenkt bekam. Dieser landete – vorerst eher unbeachtet – auf dem Fensterbrett. Doch irgendwann packt­e den heute 77-Jährigen die Sammelleidenschaft, das Meer an Gewächsen wurd­e immer größer.

Aktuell halten Huber unglaubliche 2500 Kakteen in Schwung. „Es waren schon über 3000, aber ich habe ein paar hundert ausgemustert“, erzählt der Kakteenfreund, der sich im In- und Ausland, in Vereinen und bei Börsen, mit Gleichgesinnten austauscht. Viel Zeit geht drauf für seine Schützling­e – mit Gießen, Düngen und Umtopfen. Und jeden Tag werden die Kakteen „betrachtet“, um Schädlingen oder Pilzen frühzeitig Herr werden zu können. Sich immer wieder einmal zu stechen, nimmt der gelernte Tischler in Kauf: „Man gewöhnt sich dran“, lacht er. Das Granulat stellt Huber selbst her – ein Mix aus Bims-Kies, Lavalit, Flusssand und Ziegelsplittern. Die Glashäuser und Frühbeete sorgen für ein Wohlfühlklima. Im Winter heißt es für den Hobbygärtner – übrigens der einzig­e Kakteenzüchter Osttirols – tief in die Tasche greifen. „Die Glashäuser werden beheizt, damit sie eine konstante Temperatur von sechs Grad halten“, verrät Huber. Die liebevolle Pflege wird immer wieder mit prächtigen Blüten belohnt, die für den Pensionisten, der sich permanent weiterbildet, ein besonderes Erlebnis sind. „Manche blühen nur eine Nacht“, schwärmt er. „Andere sind wahre Prophete­n und blühen, bevor Schlechtwetter kommt.“

Von einem Exemplar wird sich Huber übrigens nicht trennen: von seinem allerersten 50 Jahre alten Kaktus. Er ist kein Vorzeige­modell mehr und längst verholzt. „Trotzdem hat er einen Ehrenplatz“, erklärt Hermann Huber und ergänzt: „Auch wenn er noch nie geblüht hat.“

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