67. Filmfestival Locarno: Leoparden-Chancen für deutsche Produzenten

Locarno (APA/dpa) - 17 Filme aus aller Welt bewerben sich im Wettbewerb des 67. Filmfestivals von Locarno um den Hauptpreis, den Goldenen Le...

Locarno (APA/dpa) - 17 Filme aus aller Welt bewerben sich im Wettbewerb des 67. Filmfestivals von Locarno um den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden. Zwei davon, wie nahezu alle Wettbewerbsbeiträge internationale Gemeinschaftsproduktionen, wurden wesentlich mit deutschen Geldern realisiert: „A Blast“ vom griechischen Regisseur Syllas Tzoumerkas und „Dos Disparos“ vom Argentinier Martin Rejtman.

Die Entscheidungen der Jury, in der auch der deutsche Regisseur Thomas Arslan („Gold“) sitzt, werden mit großer Spannung erwartet. Die Konkurrenz ist stark. Doch „A Blast“ wird neben dem russischen Polit-Thriller „Durak“ („Der Narr“) und dem philippinischen Historiendrama „From What Is Before“ („Von dem, was war“) weithin als Favorit gehandelt.

„A Blast“ reflektiert die Auswirkungen der Finanznot in Griechenland auf eine durchschnittliche Familie. Eine enorme Schuldenlast treibt sie ins Abseits. Die junge Mutter Marie aber wehrt sich. Sie setzt auf Flucht ins Verbrechen. Was mörderische Folgen hat. Der Regisseur Syllas Tzoumerkas erzählt in kraftvollen Bildern voller Zorn. Vor allem attackiert er damit pointiert die unheilvolle Macht der Bürokratie. So gelingt ihm eine scharf konturierte Studie zu gesellschaftlichen Missständen.

Viele Zuschauer und Kritiker favorisieren nicht nur den wirkungsvollen Film für den Goldenen Leoparden, sie sehen zudem in Hauptdarstellerin Angeliki Papoulia eine aussichtsreiche Kandidatin für die Ehrung als beste Schauspielerin.

„Dos Disparos“ von Martin Rejtman werden dagegen eher Außenseiterchancen eingeräumt. Die melancholisch grundierte Geschichte verzählt von der Hilflosigkeit sogenannter kleiner Leute, ihren Alltag zwischen emotionaler Leere und existenzieller Angst sinnvoll zu gestalten.

„Dos Disparos“ hat sehr spannende Momente, wenn die Tristesse eines Lebens deutlich wird, das allein an materiellem Besitz orientiert ist. Doch die überaus kunstvoll verschachtelte Inszenierung, in der sich unentwegt verschiedene Handlungsstränge überschneiden, erschwert den Zugang. Gut möglich aber, dass die Jury genau diese Struktur fern des Gängigen würdigt. Allerdings ist Zurückhaltung beim Spekulieren angesagt: Es stehen noch einige Wettbewerbsbeiträge aus.

Wichtigstes Gesprächsthema am Lago Maggiore ist zurzeit neben den Filmen das Wetter. Locarno leidet unter starkem Regen. Allerdings hilft das Flehen der Festivalleitung an die Madonna del Sasso, die Schutzheilige des Ortes: täglich zu Beginn der abendlichen Freiluftgala klart der Himmel auf.

So konnten nach Schauspielstar Armin Mueller-Stahl (83) auch seine Kollegen Mia Farrow (69) aus den USA und der Italiener Giancarlo Giannini (72) sowie die belgisch-französische Regielegende Agnès Varda (89) ihre Ehrenleoparden im Trockenen entgegennehmen.


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