Hochwassergefahr: Experten geben Entwarnung für Tirol

Heftige Regenfälle sorgten von Mittwoch auf Donnerstag für Muren und Überflutungen in Tirol. Nach der jüngsten Bewertung der Hochwassersituation ist laut dem hydrographischen Dienst des Landes das Gröbste überstanden.

Die Feuerwehr von St. Gertraudi hatte am Donnerstag allerhand zu tun.
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Innsbruck – Der Hochwasser-Scheitel des Inns ist an Tirol vorübergezogen und liegt nun bereits in Bayern. Derzeit ist die Tendenz von allen Flusspegeln in Tirol sinkend, informiert Josef Pfister, zuständig beim Land Tirol für Fließgewässer in der Abteilung Hydrographie. Nach der jüngsten Situationsbewertung Donnerstagmittag betont er gegenüber tt.com: „Wir können Entwarnung geben, das Gröbste ist bereits überstanden.“ In der zweiten Nachthälfte habe es noch flächendeckend in Summe etwa 15 Millimeter Niederschlag gegeben. „Eine Verschärfung hat nicht mehr stattgefunden. Auch die Schneefallgrenze, die bei 2400 Metern liegt, spielt aus hydrographischer Sicht positiv hinein“, informiert Pfister weiter. Dass noch ein paar Millimeter Regen hinzukommen, könne er nicht ausschließen, aber es komme zu keinen großen Gefahren mehr. „Teilweise hatten wir die Gefahr eines ‚Haku 30‘ und mehr, also ein 30-jähriges Hochwasserereignis“, spricht Pfister von der Situation am Mittwoch. Gerade am Tumpen im Ötztal und auch die Wasserstände am Ziller seien prekär gewesen. „Im hinteren Ötztal hat es anständig geraucht am Mittwoch“, betont der Experte.

In Tux wurde die Landesstraße vermurt, mehrere Keller standen unter Wasser.
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Lage entspannt sich

Die Ötztaler Ache bei Sölden.
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In der zweiten Nachthälfte zum Donnerstag hat sich die Hochwassersituation sowohl am Inn als auch an der Sill etwas entspannt. „Der Pegel des Inns beträgt aktuell 4,98 m, Tendenz sinkend und jener der Sill 3,25 m, Tendenz sinkend“, informierte die Stadt Innsbruck am Donnerstag.

Mittwochabend mussten noch Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. So aktivierte – wie berichtet – die Berufsfeuerwehr den mobilen Hochwasserschutz entlang der Sill. Um 20 Uhr wurde vorbeugend der Weg durch die Sillschlucht gesperrt. Aufgrund des Anstieges des Pegels auf über 5,40 m wurde die Innpromenade in Kranebitten zwischen altem Zollhaus und Bootshaus um 21.20 Uhr gesperrt. Nachdem sich an einem Pfeiler des Hans-Psenner-Steges eine Verklausung bildete, wurde diese Brücke um 23.15 Uhr ebenfalls gesperrt. Beide Sperren konnten aber in der Früh wieder aufgehoben werden.

In der Gemeinde Reith im Alpbachtal ist die Feuerwehr von St. Gertraudi seit den Morgenstunden im Einsatz: Durch die enormen Regenmengen drückte es das Wasser des Zillers bei der Einmündung in den Inn zurück, es kam zu lokalen Überflutungen.

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Pegel stiegen gefährlich an

Infolge heftiger Regenfälle sind am Mittwoch in Tirol die Pegel vieler bereits hochwasserführender Bäche gefährlich angestiegen. Auch einige Muren gingen ab.

In Gries am Brenner trat der „Eggerbach“ über die Ufer und sorgte für Überflutungen der Brennerautobahn in beiden Fahrtrichtungen, wie die Polizei mitteilte. „Zwischen 14.15 Uhr und 17 Uhr waren beide Richtungen nur einspurig befahrbar, wodurch sich Staus bildeten“, heißt es im Polizeibericht. Fahrzeuge seien durch die Wasser- und Schlammmassen nicht beschädigt worden.

In Tux mussten die Einsatzkräfte am Nachmittag wegen eines Erdrutsches auf die Tuxer Straße (L6) ausrücken. Ein Auto war im Schlamm stecken geblieben, die Insassen konnten sich aber selbstständig in Sicherheit bringen. Der Erdrutsch verlegte die Fahrbahn auf einer Länge von mehr als 50 Metern, der Schlamm wurde von der Feuerwehr entfernt. Auch ein Radlader stand im Einsatz. Gegen 17 Uhr wurde die Sperre aufgehoben. Zudem mussten von der Feuerwehr mehrere Keller, die durch den hochwasserführenden Tuxbach überflutet wurden, ausgepumpt werden.

Auch der Pegel der Ötztaler Ache schwoll gefährlich an. Bei Tumpen musste die Ötztaler Bundesstraße am Nachmittag zeitweise komplett gesperrt werden, wie die Polizei mitteilte. Im hinteren Pitztal kam es bei St. Leonhard zu einem Erdrutsch.

Bei einem Murenabgang im Oberbergtal bei Neustift im Stubaital wurde die Verbindungsstraße zwischen Stöcklen- und Oberrissalm verlegt. Zwei Bagger zur Räumung der gefährdeten Bereiche wurden angeordnet.

Die aktuelle Situation versetzte auch die Innsbrucker Gemeindeeinsatzleitung in Alarmbereitschaft. Laufend würde die Situation der Gewässer geprüft.(saku, TT.com)

Ötztaler Ache bei Tumpen (Symbolbild)
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