Freispruch für Mollath: Gericht sieht ihn aber als Gewalttäter

Gustl Mollath ist ein freier Mann - jedoch mit dem Makel des Gewalttäters. Das Landgericht Regensburg ist überzeugt, dass er seine Ex-Frau misshandelt hat. Mollath zeigt sich unzufrieden: „Das kann man so nicht hinnehmen.“

Gustl Mollath im Gerichtssaal des Landgerichts Regensburg.
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Regensburg – Deutschlands bekanntester Psychiatrie-Patient Gustl Mollath ist am Donnerstag im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen worden, aber nicht vollständig rehabilitiert: Der 57-Jährige hat nach Überzeugung des Landgerichts Regensburg seine Ex-Ehefrau misshandelt.

Mollath mit Urteil unzufrieden

Wie das bayerische Gericht urteilte, hat Mollath im Jahr 2001 seine damalige Frau mehrfach mit der Faust geschlagen und dann getreten, gebissen und gewürgt. Da er aber nicht schlechter gestellt werden durfte als in seinem ersten Prozess, bei dem ihm Schuldunfähigkeit attestiert worden war, musste ihn das Gericht freisprechen. Mollath zeigte sich unzufrieden mit dem Urteil: „Diese Art von Freispruch habe ich schon siebeneinhalb Jahre genossen.“

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte ihn 2006 wegen attestierter Wahnvorstellungen und Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen. Mollath hatte sich den psychiatrischen Untersuchungen verweigert und war nur nach Angaben von Zeugen und seinem Verhalten am Landgericht bewertet worden. Der Fall löste in Deutschland eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken aus.

Freilassung im August 2013

Zu Mollaths Einweisung in die Psychiatrie trug damals auch seine Aussage bei, seine Frau, eine Vermögensberaterin bei der HypoVereinsbank, sowie mehrere ihrer Kollegen hätten Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen. 2012 wurde bekannt, das ein Teil von Mollaths Vorwürfen zutraf. Im August 2013 entschied das Oberlandesgericht Nürnberg dann die sofortige Freilassung Mollaths sowie die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Laut der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ist gegen das jetzige Urteil keine Revision möglich. Nur die Nebenklage könne Rechtsmittel gegen die Freisprüche einlegen. „Wir werden das prüfen“, sagte Anwalt Jochen Horn, der die Ex-Frau Mollaths vertritt.

Mollath zeigte sich enttäuscht. „Den Tatvorwurf gegen meine Ex-Frau möchte ich nicht auf mir sitzen lassen“, sagte der 57-Jährige. „Es bleibt ein Wermutstropfen für meinen Mandanten, weil er die angestrebte Rehabilitation nicht erreicht hat“, sagte sein Verteidiger Gerhard Strate.

50.000 Euro Entschädigung

Auch die vom Gericht angeordnete Entschädigung nach der rechtswidrigen Unterbringung in der Psychiatrie stimmte Mollath nicht versöhnlich. Der Nürnberger kann mit gut 50.000 Euro rechnen. „Von üppig kann keine Rede sein. In solchen Anstalten ist es schlimmer als in deutschen Gefängnissen“, betonte Mollath.

Mollath hatte in dem Wiederaufnahmeverfahren seine Ex-Frau bezichtigt, eine Intrige gegen ihn gesponnen zu haben. An ein Komplott der damaligen Frau Mollath, um den ihr unbequemen Ehemann aus dem Verkehr zu ziehen, weil er einen Schwarzgeldskandal aufdecken wollte, glaubte das Gericht aber nicht.

„Wir wissen nicht sicher, ob der Angeklagte im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte oder nicht“, betonte die Vorsitzende Richterin Elke Escher. Zumindest eine verminderte Schuldfähigkeit zur Tatzeit sei möglich, da es nicht fernliege anzunehmen, dass bei Mollath eine „wahnhafte Störung“ vorgelegen habe. Diese Annahme sei aber nicht gesichert. Dennoch sei zugunsten des Angeklagten von einer „Steuerungsunfähigkeit“ auszugehen. Dieser Vorwurf traf Mollath besonders. Ihm hafte nach wie vor der Makel des Wahnsinnigen an. (APA/dpa)


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