Nur auf den Regen ist heuer Verlass

Der nasse Sommer führt zu vielen Einbußen in verschiedenen Branchen: Ausfälle bei der Gemüseernte, frustrierte Touristen und ein deutliches Minus im Campinggeschäft. Nur wenigen bringt der Regen einen Gewinn.

(Symbolfoto)
© Hammerle

Innsbruck –„Wir fahren seit 20 Jahren nach Österreich, so viel Regen hatten wir noch nie“, meint Hans Groot aus dem niederländischen Denhelder. Das Zelt am Natterer See erreicht die Familie über eine Holzpallette. Der Boden ist nach dem tagelangen Regen aufgeweicht.

Campingplatz-Betreiber Georg Giner spricht von reihenweisen Abreisen und Stornierungen. „Normalerweise haben wir um diese Zeit keinen freien Platz.“ Wenn er mit Campingplatz-Betreibern redet, sprechen alle von einer schwierigen Saison. „Wir hatten heuer im Juli bei den Nächtigungen ein Minus von 15 Prozent.“ Giner empfindet die langfristigen Wetterdienste mittlerweile als Problem, weil Gäste mit Stornierungen darauf reagieren.

Bei Hansi Neuner vom Ötztaler Abenteuerpark Area 47 sind es die Tagesgäste, die ausbleiben, die anderen – derzeit 320 Gäste – genießen das „trockene Ausweichprogramm“. „Tirol war noch nie Jesolo. Deshalb haben wir von Anfang das Angebot so geplant, dass wir auch bei Regen genug gutes Programm bieten“, sagt Neuner. Dass der Dauerregen den Tourismus drückt, sieht man auch bei der Tirol Werbung so: „Die Geduld unserer Gäste wie auch der Vermieter wird aktuell schon strapaziert. Die heute oft kurzfristigen Buchungen sind stark wetterabhängig und deshalb hoffen wir dringend auf mehr Sonnenschein“, sagt Michael Brandl. Tirols Landwirte stöhnen ob des Dauerregens. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger erklärt, dass nun der dritte Schnitt im Tal und der zweite Schnitt auf den Bergwiesen anstünde. Wenn die Bauern nicht zeitgerecht zum Mähen kommen, mindert das die Qualität des Futters. Zudem seien die Böden durchnässt und das Unfallrisiko bei der Ernte steige. Josef Schirmer, Obmann der Tiroler Gemüsebauern, schildert die Lage dramatisch: „Wir haben schon Engpässe, vor allem beim Salat, der uns zusammenfault.“ Ein Plus bei den Buchungen von 10 Prozent verzeichnen seit Mitte Juli die Reisebüros. Die Tiroler wollen der Sonne hinterher. „Die Touristen bei uns sind arm, nur die Engländer sind froh, dass es regnet. Daheim ist es ihnen gerade zu heiß“, sagt Andreas Kröll, Obmann der Tiroler Reisebüros, lachend. In der Therme Längenfeld hat man auf den Besucheransturm reagiert. Aufgesperrt wird bis einschließlich Sonntag bereits um acht Uhr. (sst, lipi, pla)

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