Der Maßanzug im Kleinwagensegment

Der VW Polo bleibt nach dem Frühjahrs-Facelift ein unumstrittener Kundenmagnet, da er vieles weiterhin richtig macht.

Zeitlose Formensprache: Der VW Polo trägt klare Linien.
© Höscheler

Von Markus Höscheler

Rum –Das Bild ist kein vertrautes: Ein Blick in die Zulassungsstatistik Österreichs im Juli 2014 eröffnet, dass sich der VW Polo mit 540 Einheiten „nur“ auf Platz fünf befindet. Das Wort „nur“ hat sich eingeschlichen, weil das Wolfsburger Fabrikat zumeist unter den Top 3 zu finden ist – und unter den Kleinwagen den Takt vorgibt. Im verregneten Sommermonat überholten ihn zwei Konkurrenten: Sowohl Hyundai i20 als auch Skoda Fabia schienen bei den Verwaltungsbehörden öfters auf. Der Hauptgrund für das voranstürmende Duo dürfte der bevorstehende Generationswechsel sein – beide Nachfolgemodelle sind auf dem Pariser Autosalon Anfang Oktober zu besichtigen. Auf den nächsten Polo hingegen warten wir noch länger, er hat im Frühjahr erst sein Facelift hinter sich gebracht. Damit gingen technische und qualitative Aufwertungsmaßnahmen einher, ebenso eine Optimierung des Motorenprogramms.

Von der Überarbeitung profitierte auch der Polo mit dem 90 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner. Das Aggregat ist vor allem in den unteren der fünf Gänge direkt ansprechend und durchzugsstark, die höheren Stufen geben sich zurückhaltender – wohl Absicht, um dem Normverbrauch von beeindruckenden 4,7 Litern je 100 Kilometer nahezukommen. Das gelang uns während des Tests, um es gleich vorwegzunehmen, nicht: 6,5 Liter zeigte der Bordcomputer an. Die Ansicht desselbigen ist wie der Rest des Instrumentariums: klar strukturiert, hervorragend ablesbar.

Rätsel waren schon zuvor Mangelware, sie sind es auch nach der Adaptierung. Nahezu alle Bedieneinheiten erschließen sich für einen Mitteleuropäer intuitiv, manchen dürfte allerhöchstens die Vielzahl an Lenkradtasten anfangs überfordern.

Keineswegs gilt dies für das Fahrverhalten des Polo. Das Fahrwerk ist zwar nicht ganz so bequem wie jenes des großen Vorbildes, des Golf. Aber für ein Fahrzeug mit einer Länge von nicht einmal vier Metern überzeugt das Federn und Dämpfen, in Summe präferieren sie eine straffe Ausrichtung. Präzis-direkt ist die Lenkung ausgefallen, Richtungswechsel geschehen so, wie es der Fahrer wünscht. Es braucht schon reichlich Übermut, um das im Hintergrund lauernde elektronische Stabilitätsprogramm aus der Reserve zu locken und zum Sicherheit gewährenden Einschreiten zu veranlassen.

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Die Highline-Ausstattung beschert dem Test-Polo unter anderem die Climatronic-Klimaanlage, elektrische Fensterheber, eine bequeme Mittelarmlehne vorn, die Plus-Multifunktionsanzeige, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht, eine geteilte umklappbare Rücksitzbank/-lehne und Stoffsitzbezüge. Die Sportsitze vorne geben erstklassigen Halt. In Reihe zwei geht es zwar etwas beengter zu, Erwachsene brauchen sich dennoch nicht zu verkrümmen. Respektabel lässt sich das Kofferraumangebot beschreiben, wenigstens 280 Liter lassen sich befüllen. Dafür greift der VW-Händler nach 20.350 Euro, zumal es sich um einen Fünftürer handelt. Will es der Polo-Käufer wesentlich günstiger, legen wir den Erwerb des Einstiegsmodells nahe: 60 PS, zwei Türen, Trendline, ab 13.390 Euro.


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