„Hände hoch, nicht schießen!“: Proteste nach Tod von Teenager

Am Samstag wurde ein schwarzer Jugendlicher laut einem Zeugen unbewaffnet und mit erhobenen Händen von einem Polizisten erschossen. Die Polizei spricht von Notwehr. Seit Tagen brechen die Proteste nicht ab, immer wieder kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen.

Viele protestieren mit friedlichen Mitteln gegen die Polizeigewalt.
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St. Louis – Nach den tödlichen Schüssen auf einen jungen unbewaffneten Schwarzen durch einen US-Polizisten ist es in der Kleinstadt Ferguson im Bundestaat Missouri erneut zu einem gewaltsamen Zwischenfall gekommen. Polizisten eröffneten am Mittwoch das Feuer auf einen 19-Jährigen und verletzten ihn schwer, wie örtliche Medien berichteten. Der Jugendliche hatte demnach eine Waffe auf die Einsatzkräfte gerichtet, als diese eine Gruppe von etwa 30 Demonstranten auseinandertrieben.

Die nächtlichen Proteste erinnerten teilweise an Kriegsszenen. Laut einer Schilderung der New York Times fuhr die Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen auf. Manche Polizisten kletterten auf das Dach und zielten auf die Demonstranten. Diese skandierten: „Hände hoch, nicht schießen!“ Auch Molotow Cocktails sollen geflogen sein. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Ferguson wird bereits mehrere Nächte von Krawallen erschüttert.
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Wesley Lowerey, ein Reporter der Washington Post berichtet ebenso von Polizeigewalt gegen ihn und einen Kollegen. Beide wurden während der Berichterstattung über die Demonstrationen – ohne Grund – verhaftet. Lowerey wurde dabei von mehreren Beamten gepackt. Er habe sich dabei bewusst kooperativ verhalten, die Hände auf den Rücken gelegt. „Meine Hände sind hinter dem Rücken, ich leiste keinen Widerstand“, sagte Lowerey nach eigenen Angaben. Woraufhin einer der Beamten gesagt haben soll: „Sie leisten Widerstand. Hören sie damit auf.“ An der brutalen Behandlung habe sich nichts geändert, eher im Gegenteil.

Rassistisches Motiv hinter Schüssen vermutet

Am Samstag war in der Kleinstadt im Bundesstaat Missouri der 18-jährige Michael Brown unter ungeklärten Umständen von einem Polizisten erschossen worden. Nach Polizeiangaben handelte der Beamte aus Notwehr. Der Jugendliche hatte den Polizisten demnach attackiert und nach seiner Waffe gegriffen. Ein Zeuge berichtete hingegen, der Polizist habe ihn und Brown angesprochen und sich ihnen dann mit vorgehaltener Waffe genähert. Brown habe sich mit erhobenen Händen umgedreht und sei dann mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Laut der New York Times handelt es sich bei dem Zeugen um einen Freund des Getöteten, der mit ihm unterwegs war.

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Die Polizei weigert sich, den Namen des Polizisten bekannt zu geben. Er müsse geschützt werden, nachdem auch Morddrohungen ausgesprochen worden sein sollen, so die Polizei. Polizeichef Thomas Jackson verriet allerdings ein neues Detail. Laut Polizeiangaben hat der Polizist aus der Auseinandersetzung mit Brown Verletzungen davongetragen. Er soll mit einem geschwollenen Gesicht im Krankenhaus verarztet worden sein. Der Zeuge der Schießerei bestreitet diese Darstellung.

Teils gewaltsame Proteste seit Tagen

Der Tod des 18-Jährigen löste wütende Proteste in Ferguson aus. Bei nächtlichen Krawallen wurden mehrere Geschäfte geplündert und in Brand gesetzt. Die örtlichen Behörden und auch US-Präsident Barack Obama mahnten anschließend zur Ruhe. Neben der Polizei im County St. Louis ermittelt in dem Fall auch die US-Bundespolizei FBI. (mats, tt.com/APA/AFP)


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