Frequency - Finale im Zeichen der Gitarre

St. Pölten (APA) - Auch wenn Luke Pritchard, Frontman von The Kooks, in Interviews herumerzählte, dass Gitarrenbands mittlerweile die Leute ...

St. Pölten (APA) - Auch wenn Luke Pritchard, Frontman von The Kooks, in Interviews herumerzählte, dass Gitarrenbands mittlerweile die Leute langweilen und seine Gruppe daher auf dem neuen Album anders als früher klinge, gab gerade dieses Instrument am Samstag, dem letzten Tag des FM4 Frequency Festivals in St. Pölten, den Ton an. Veranstalter Harry Jenner freute sich unterdessen über „200.000 Besucher - sold out“.

The Kooks wollten in Niederösterreich Stücke aus ihrem neuen, demnächst erscheinenden Album vorstellen, auf dem sie neue Wege beschreiten: weniger Gitarre, mehr Percussion. Zu Beginn ihrer Darbietung hörte man aber gewohnten, hymnenhaften Gitarrenpop. Travis wiederum standen auf der Green Stage weit oben am Programm. „Dabei war unsere Karriere eine Hochschaubahn“, lachte Sänger Fran Healy im APA-Interview. „Wir sind eine kleine Band, die durch einen Unfall groß geworden ist. Dass wir hier Ko-Headliner sind, ist natürlich schön.“ Hits wie „Sing“ oder „Why Does It Always Rain On Me“ sollten nicht fehlen - Erfolge, die nicht geplant waren. „Wir haben nie auf die Charts geschaut, sondern einfach nur persönliche Songs geschrieben.“

Mit „Where You Stand“ haben Travis nach einer Solo-Tour ihres Sängers wieder eine Platte gemacht. „Wir halten zusammen“, beschrieb Gitarrist Andy Dunlop den Grund für die Langlebigkeit der schottischen Formation. Trotz eines bestimmten Sounds, hört man doch über die Jahre Veränderungen heraus. „Das sehen andere anders“, lachte Fran. „Aber schon meine Großmutter hat über Rockbands gesagt: ‚Das klingt alles gleich!‘ Ich sage das über Dance-Musik, da höre ich keinen Unterschied heraus. Und ja, wir ändern uns immer wieder, es geht nicht darum, einen einzigen Stil zu bewahren.“

Vor einem großen Publikum bei Festivals fürchte man sich schon lange nicht. Denn: „Wir haben damals ‚The Invisible Band‘ (die LP von 2001; Anm.) vor 30 Buben und Mädchen auf einem Schulspielplatz live präsentiert. Das war das härteste Publikum, das wir je hatten!“

Einen rockigen Start in den Samstag hatte die Wiener Band Lian, Nachfolger von 3 Feet Smaller, hingelegt und zur frühen Nachmittagszeit eine beachtliche Zuschauerzahl vor die Space Stage gelockt. Anschließend bot die in London ansässige japanische Acid-Punk-Band Bo Ningen ebenso eigenwillige wie spannende Sounds. Waschechten kalifornischen Rock mit Hardrock-Gitarren servierte The Kyle Gass Band, die Formation um den gleichnamigen Sänger, bekannt u.a. von seiner Tätigkeit mit Schauspieler Jack Black bei Tenacious D. Das war bodenständig, mitunter witzig (wenn sich etwa der in kurzen Hosen und weißen, hohen Schuhen auftretende Gass auf einer grünen Blockflöte mit den Saiteninstrumenten „duellierte“) und sehr unterhaltsam.

Intimere Stimmung herrschte zu diesem Zeitpunkt bei der Green Stage, dem zweiten musikalischen Hauptschauplatz, wo Hozier eine beeindruckende Vorstellung seines Talentes gab. Mit Band brachte er längst nicht mehr bloß als Geheimtipp geltende Songs wie „Take Me To Church“ oder „Sedated“ in wunderbaren Live-Arrangements. Die einfühlsame Stimme des Iren kam gut zur Geltung, sein tief im Blues getränktes Gitarrenspiel verzauberte. In seiner Kindheit lief zu Hause „permanent Robert Johnson oder John Lee Hooker“, erzählte der 24-Jährige, dessen Debüt „Hozier“ Mitte September erscheint, im APA-Interview. „Das war die Musik, die ich gelernt habe.“ Eine gute Schule!

Die Kids feierten The Subways mit ihrem poppigen, leicht Punk infizierten Indie-Rock. Bassistin Charlotte Cooper zog im glitzernden Gold-Kleid eine mitreißende Show ab und sang sich mit ihrem Kollegen Billy Lunn an der Gitarre durch Mitgröl-Nummern wie „Kiss Kiss Bang Bang“, bevor sich Lunn ins Publikum und zum Schluss auch noch ins Schlagzeug seines Drummers Josh Morgan stürzte.

Extremes Gedränge und viel Begeisterung herrschte bei Helge Schneider auf der LOL-Stage. Auf die Frage im APA-Interview, ob er einen Unterschied zwischen seinem „normalen“ und einem Rock-Publikum merke, antwortete Schneider: „Also hier spürt man das schon: Du kommst auf die Bühne und riechst, wie die alle kiffen! Ich hoffe, dass die da noch mal lüften. Das mag ich nämlich nicht so, die Zeit ist für mich vorbei, da wird mir schlecht.“

Eine rundum positive Bilanz zog Veranstalter Jenner, auch die erstmals präsentierte Kabarett-Bühne (LOL Stage) sei sehr gut angenommen worden. Im nächsten Jahr wird in St. Pölten das 15-Jahre-Jubiläum des Festivals gefeiert. „Wir sind 2015 wieder da. Es gibt bereits Early-Bird-Tickets zu kaufen“, so Jenner.

Mit dem heimische DJ Parov Stelar (mit Band) und den britischen Glam-Rockern Placebo klingt das Festival um Mitternacht herum aus. Letztere haben was nachzuholen: Vor zwei Jahren brachen sie in St. Pölten nach einer Nummer ihre Show ab.


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