Salzburger Festspiele - Young Singers Project: Eine Handvoll Hoffnung

Salzburg (APA) - Eine Handvoll Sänger will man wiederhören. Und man wird sie wiederhören. Beim „Young Singers Project“ der Salzburger Festsp...

Salzburg (APA) - Eine Handvoll Sänger will man wiederhören. Und man wird sie wiederhören. Beim „Young Singers Project“ der Salzburger Festspiele haben sich gestern, Samstagabend, 21 junge Sänger aus 14 Nationen mit Gusto-Arien im Konzert präsentiert. Auf diesem Marktplatz des Gesangs rekrutiert so mancher Intendant seinen Nachwuchs. Und einige dieser jungen Leute hoffen zu Recht auf das große Engagement.

Zuerst aber hieß es warten im Großen Saal des Mozarteums. Arien von Rossini, Mozart und Donizetti zogen vorbei und festigten die Überzeugung, dass auch (klein)-städtische Theater und mittelgroße Häuser ordentlich ausgebildete Sänger brauchen. Und dann kam ein litauischer Kerl namens Raimundas Juzuitis auf die Bühne und sang eine Bass-Arie aus dem „Figaro“. Kurze Rückblende: Bereits in „Il trovatore“ vor einigen Tagen ist die Stimme eines „alten Zigeuners“ aufgefallen, die kraftvoller als alle anderen durchs große Festspielhaus dröhnte. Aber nur in ganz kleiner, knapper Partie. Als „Figaro“ hatte Juzuitis gestern Abend jenen Klangraum der ihm gebührt. Rund, warm und klar in der Aussprache, blitz sauber und locker stark genug für die robust aufspielende Camerata Salzburg unter Begleitdirigent Theodor Guschlbauer. Raimundas Juzuitis - Opernfans sind gut beraten, sich diesen Namen einzuprägen.

Kurze Zeit später tat es im der Slowake Peter Kellner gleich: technisch noch nicht ganz so fein geschliffen, aber ausdrucksstark und klangschön im Timbre, gab Kellner ebenfalls eine „Figaro“-Arie, die zurecht bejubelt wurde.

Unter den Tenören strahlte ein Exote heraus, und zwar Amitai Pati aus Samoa. Der junge Mann mag im Detail noch ein wenig schlampig gewirkt haben, nicht alle kleinen Töne fühlten sich geborgen im Gefüge Donizettis. Aber der Schmelz und Kraft dieses Tenors raubten den Atem - ja, Amitai Pati gehört ebenfalls zu jenen „Young Singers“, die man sich auf die großen Bühnen der Oper wünscht. Das gilt auch für den umwerfend ulkigen Bass-Buffo Giovanni Romeo. Der Mann klang nicht nur fantastisch, er schaffte es zudem in einer einzigen „Cenerentola“-Arie von Rossini brillant zu unterhalten.

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Und die Frauen, die wie die Männer in Castings aus insgesamt 400 Gesangstalenten ausgewählt und in Salzburg wochenlang von Leuten wie Christa Ludwig, Thomas Hampson oder Helmut Deutsch weitergebildet und betreut wurden? Da gab es gestern nur zwei Namen: Die deutsche Mezzosopranistin Annika Schlicht, die mit einer Donizetti-Arie beim Publikum volle Punkte einfuhr, auch wenn ihre große und strahlende Stimme noch zusätzlich Präzision und Kontur vertragen könnte. Und vor allem Diana Haller aus Kroatien. Sie stellte sich mit ihrer „Cenerentola“-Arie dem Vergleich mit Cecilia Bartoli, die in dieser Partie in der aktuellen Produktion der Pfingstfestspiele für Furore gesorgt hat (und ab kommenden Donnerstag bei der Wiederaufnahme wieder sorgen wird). Und Haller braucht diesen Vergleich tatsächlich nicht zu scheuen. Ihre Koloraturen sind federleicht, rhythmisch fetzig und derart präzis, dass es eine Freude ist. Vielleicht sollte sie im lyrischen Bereich noch an der Freiheit des Tons arbeiten. Aber trotzdem muss auch der Name Diana Haller an dieser Stelle wiederholt werden. Diese Mezzosopranistin hat Zukunft.

Insgesamt haben die Festspiele einen unterhaltsamen und kurzweiligen Einblick in ihre Sängerwerkstatt gewährt. Das Festival besetzt mit diesen jungen Leuten kleinere Rollen und hat gut vorbereitete Doubles für Notfälle in preisgünstiger Griffweite. Als Gegenleistung bieten sie ein Sprungbrett von den kleineren und mittleren Karrieren zur großen Laufbahn. Und eine Handvoll dieser jungen Leute schickt sich an, genau dies zu nützen.


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