Neuerliche Kuhattacke: Wanderer hat laut Polizei nicht provoziert

Mutterkühe liefen am Nößlachjoch grundlos einen Wanderer nieder. Der Schwerverletzte musste an der Klinik notoperiert werden. LK-Präsident Hechenberger kann sich die Häufung der Vorfälle nicht erklären.

Gries am Brenner – Schon zum dritten Mal in diesem Sommer wurde ein Wanderer von Kühen verletzt. Der Ort des Unglücks lag diesmal auf 2190 Metern, wo am Nößlachjoch schon seit Jahrzehnten Weidevieh der Eggerjochalm grast. Auch am Sonntag gegen 10.45 Uhr, als ein 78-jähriger Wanderer aus dem Bezirk Innsbruck-Land auf dem Weg, der durch die mit Elektrozaun geschützte Weide führt, Richtung Lichtsee wanderte.

Was dann geschah, fasste Alpinpolizist Andreas Eppensteiner so zusammen: „Zeugen berichten, dass die Tier­e plötzlich wie aus heiterem Himmel auf den Wanderer zugelaufen seien. Dabei haben sie den 78-Jährigen wohl umgerannt. Dabei wurde der Wanderer auch von einem Horn oder Huf eines Tieres getroffen und dadurch im Brustkorbbereich sowie am linken Arm schwer verletzt (Trümmerbruch).“ Von einem Zeugen wurde sofort ein Notruf abgesetzt.

Der Augenzeuge Wolfgang Preisinger zur TT: „Der Verletzte rief um Hilfe. Die Tier­e standen jedoch in einem Kreis von fünf Metern rund um ihn und brüllten, dass eine­m Angst und Bange wurd­e. Ich habe es probiert, aber an ein Nähertreten war nicht zu denken. Ich rief sofort den Alpin­notruf!“

Erst als der Notarzthubschrauber Christophorus 1 herannahte, wich die Herde zurück. Die C1-Besatzung flog den Schwerverletzten darauf in die Innsbrucker Klinik, wo er einer Notoperation unter­zogen werden musste.

Wieder handelte es sich bei der 20 Tiere umfassenden Herde übrigens um Mutterküh­e mit vier Kälbern. Der markierte Wanderweg führt direkt an ihnen vorbei, durch die ansonsten abgezäunte Weide. Alpinpolizist Eppensteiner: „Hier ist weder auf Seiten der Tierhalter noch auf Seiten des Wanderers auch nur irgendein Fehlverhalten zu erkennen. Die Tiere befanden sich alle innerhalb des Zauns und der Wanderer hatte laut Zeugen keinerlei Provokation gesetzt.“

Der Tiroler Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger reagierte gestern Nachmittag betroffen auf die Nachricht und wünscht­e dem Wanderer auf diesem Wege baldige Genesung: „Wir werden die Information zum Verhalten im Nahbereich von Tieren – insbesondere Mutter­kühen – weiter intensivieren. Die Häufung dieser Vorfälle ist einfach absolut unerklärlich.“ Eine getrennt­e Haltung von Mutterkühen und Kälbern von der übrigen Herde ist für Hechenberger jedoch absolut unvorstellbar, schließlich bekäme ein Kalb ja über ein Jahr die Muttermilch und wäre die Haltung auf der Weide auch die einzig artgerechte. Auch würden es die laufenden Kosten den Bauer­n gar nicht erlauben, ihre Tiere von der Almwirtschaft fernzuhalten und gesondert zu füttern.

Hechenberger zur besonderen Situation mit den Mutterkühen: „Bei ihrem Verhalte­n spiegelt sich natürlich ein wesentlich erhöhter Schutz­instinkt wider. Dies sollte ein Wanderer jedenfalls beachten.“ (fell)


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