„Die Zauberflöte“ der Puppen und Menschen im Salzburger Landestheater

Salzburg (APA) - In Salzburg sind Marionetten in Oper und Theater beliebt. Nicht nur Festspiel-Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf ist erklärt...

Salzburg (APA) - In Salzburg sind Marionetten in Oper und Theater beliebt. Nicht nur Festspiel-Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf ist erklärter Puppen-Fan, auch Carl Philip von Maldeghem, Regisseur und Intendant des Salzburger Landestheaters, mag das Spiel mit den Fäden. Für die neue „Zauberflöte“ hat er daher das Marionettentheater ins Boot geholt. Gestern, Samstagabend, war die Premiere.

Mit dieser „Zauberflöte“ für Puppen und Menschen hat Salzburg seine lange Tradition guter Inszenierungen dieser Oper fortgesetzt. 2006 siedelte Pet Halmen das aufklärerische Märchen im Eismeer an, und auch Harry Kupfer (1999) und Karl-Ernst und Ursel Herrmann (1991) sind im Gedächtnis. „Die Zauberflöte“ Maldeghems und seines Ausstatters Christian Floeren begeisterte das Premierenpublikum vor allem durch viele sympathische Einfälle und Details, die das meistgespielte Werk der Operngeschichte mehr als drei Stunden lang ohne Leerläufe frisch, vital und unterhaltsam machten.

Substanziellen Anteil am Premierenjubel hatten auch die Musiker. Die neue Musikchefin des Hauses, die blutjunge Litauerin Mirga Grazinyte-Tyla, dirigierte das Mozarteumorchester, Chor und Extrachor des Landestheaters sowie das nicht durchwegs aber überwiegend sehr gute Solistenensemble, zu außergewöhnlich präzisem und dabei leichtgängig-transparentem Mozart-Klang. Dabei wurden sogar die (wenigen) ganz mageren Sängerpassagen mit selbstloser Behutsamkeit getragen, ohne Schwung und Energie dieser einzigartig-geistreichen Hitparade auf der Strecke liegen zu lassen.

Diese Frau ist ein Gewinn für Salzburg. Die Orchestermusiker lieben sie bereits nach dem ersten gemeinsamen Großprojekt wegen ihrer musikalischen Klarheit und menschlichen Liebenswürdigkeit. Vor zwei Jahren hat Mirga Grazinyte-Tyla den „Young Conductors Award“ der Salzburger Festspiele gewonnen. Gut möglich, dass man noch viel von dieser Musikerin hören wird. Namen merken!

Das Puppenkonzept hingegen überzeugte nur bedingt. Maldeghem und Figurenspielleiter Philippe Brunner verdoppelten den Tamino, die Pamina, den Papageno und die Papagena. Durchwegs waren diese zentralen Figuren also sowohl in realer als auch in verkleinerter Version auf der Bühne. Wie eine Art inneres Kind der Protagonisten aus Fleisch und Blut tanzten die Marionetten und ihre offen sichtbaren Fädenzieher im Geschehen hin und her. Selten aber entwickelten die Puppen ein eigenes Leben. Nur an wenigen Stellen bereicherten die kleinen Helden die großen, und eine denkbare Parallelgeschichte wurde nicht erzählt. Eine über das reale Bühnengeschehen hinausreichende Interpretation durch die Puppen gab es nicht. Man gewöhnte sich also an die sympathische Kerle, man mochte sie, und manchmal steuerten sie einen guten Gag bei und beschäftigten das Auge in den wenigen zähen Handlungsmomenten. Dramaturgisch aber kamen sie über ästhetischen Aufputz nur selten hinaus. Da hat Maldeghem viele Möglichkeiten nicht genutzt.

Dafür gab es fantasievolle, natürlich meist schrille Kostüme, ein paar pfiffige Bühneneffekte und viel gutes Theater. Unter den singenden Schauspielern sorgten die „Drei Damen“ Emalie Savoy, Julia Stein und Tamara Gura für Pepp und Unterhaltung. Auch Simon Schnorr als „Papageno“ und vor allem Franz Supper als „Monostatos“ hatten die Lacher auf ihrer Seite. Besonders erfreulich, die beiden sangen ihre Rollen auch wirklich ansprechend, intonationstechnisch blitzsauber, angenehm im (Sprach)-Klang und mit der richtigen Portion Zucker für den Affen. Chorist Rudolf Pscheidl punktete als „Zweiter Priester“ mit herzerfrischend bayerischem Dialekt, und auch über den schwedischen Gasttenor Kristofer Lundin als „Tamino“, die rumänische „Pamina“ Laura Nicorescu und die türkische „Papagena“ Ayse Senogul ist so gut wie ausschließlich Positives zu berichten. Ein strahlender, aber nicht platter Tenor, eine in allen Lagen ausgewogene, ausdrucksstarke, niemals schrille Sopranistin für die großen Arien und dazu ein entzückendes und wohlklingendes Bühnenwesen für ein Leben an der Seite des paarungswilligen Papageno.

Dass „Sarastro“ Alexey Birkus die ganz tiefen Töne nicht schaffte, kann aber ebenso wenig verschwiegen werden, wie der merkwürdig luftige Klang von Bassist Ugur Okay als „Erster Priester“ und „Zweiter Geharnischter“. Dafür hat Christina Rümann die Koloraturen der „Königin der Nacht“ mit einer etwas harten und nicht gerade geschmeidigen, aber energiegeladenen und außergewöhnlich sauberen Stimme ins Publikum geschmettert. Am Ende schien das Publikum das gesamte Team ins Herz geschlossen zu haben und dankte mit großem Applaus.

(S E R V I C E - „Die Zauberflöte“, deutsche Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Text von Emanuel Schikaneder. Koproduktion des Salzburger Landestheaters mit dem Salzburger Marionettentheater. Premiere: 20. September 2014. Inszenierung: Carl Philip von Maldeghem, Ausstattung: Christian Floeren, Figurenspielkonzept: Philippe Brunner und Claudia Carus. Es musizierten das Salzburger Mozarteumorchester sowie der Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters (Stefan Müller) unter der musikalischen Gesamtleitung von Mirga Grazinyte-Tyla. Die Solisten: Kristofer Lundin als Tamino, Laura Nicorescu als Pamina, Simon Schnorr als Papageno, Ayse Senogul als Papagena, Franz Supper als Monostatos und Erster Geharnischter, Christina Rümann als Königin der Nacht, Alexey Birkus als Sarastro, Emalie Savoy, Julia Stein und Tamara Gura als Die drei Damen, Ugur Okay als Erster Priester und Zweiter Geharnischter, Rudolf Pscheidl als Zweiter Priester, Luca Russegger, Christopher Hipper und Julius von Maldeghem als Die drei Knaben aus den Reihen des Salzburger Festspiele und Theater Kinderchores sowie Clemens Ansorg als Sprecher. Die Puppenspieler: Elfriede Grill, Heide Hölzl, Pierre Droin und Anne-Lise Droin. Die weiteren Termine: 28. und 30. September, 4., 8., 10., 14., 19. und 29. Oktober, 15., 18., 21. und 29. November, 11., 19. und 28. Dezember sowie 9., 25. und 28. Jänner 2015.)

((B I L D A V I S O - Druckfähige Fotos können unter http://www.salzburger-landestheater.at/de/pressedownload/index.html/ Galerie=147 heruntergeladen werden.))


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