Rätische Funde kehren nach Oberhofen zurück

Die Gemeinde Oberhofen hat bedeutsame Funde aus der Jüngeren Eisenzeit erworben und diese nun der Öffentlichkeit präsentiert.

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Oberhofen –Von einer Sensation will Helmut Kirchmair nicht sprechen – auch wenn es in Wahrheit eine sei. „In der Archäologie spricht man aber nicht von Sensationen, sondern von bedeutsamen Funden“, erklärt Kirchmair, Altbürgermeister von Oberhofen und Mitglied des Ortschronisten-Teams. Einen solchen Fund hat die Gemeinde Oberhofen unlängst erworben, gestern wurde er der Öffentlichkeit offiziell präsentiert.

Es war im Jahr 2011, als der Hobbyarchäologe Anton Kartnaller aus Zirl im Bereich des so genannten Oberhofer Pircherwaldes fündig wurde und dem Institut für Archäologie der Universität Innsbruck eine Reihe von Metallgegenständen vorlegte. Neben zwei Lanzenspitzen, einem Mahdhaken, einer Eisensichel und zwei Eisenbeilen befanden sich im Fundbestand zwei kleine Bronzefigürchen aus der Jüngeren Eisenzeit (470–15 v. Chr.). Solche Figuren finden sich meist bei Opferplätzen, seien also nicht verloren, sondern vermutlich sakral motiviert niedergelegt worden, wie Gerhard Tomedi vom Institut für Archäologie erklärt. Waffen und landwirtschaftliches Gerät fanden sich häufig an rätischen Op­ferplätzen der Jüngeren Eisenzeit, Statuetten aus Bronze jedoch ausschließlich im Umfeld heiliger Orte.

Doch auch Gegenstände aus der frühen römischen Kaiserzeit wie eine Münze, ein Bratspieß, ein Stechzirkel, Pferdezaum, eine Pionieraxt und elf römische Zeltheringe zählen zu den Ausgrabungen. Diese römischen Militariafunde könnten darauf hindeuten, dass den einheimischen Rätern im Rahmen des Alpenfeldzuges 15 v. Chr. ein Packtier mit Schanzausrüstung für die Truppen in die Hände fiel und sie die erbeuteten Stücke daraufhin nahe des Heiligtums deponiert haben.

Die Archäologie der Uni Innsbruck hat gemeinsam mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und dem Bundesdenkmalamt die Funde analysiert und präsentiert. Derzeit befinden sie sich im Gemeindemuseum von Oberhofen und werden dort auch bei der Langen Nacht der Museen am 4. Oktober erstmals einem breiten Publikum zugänglich sein. Danach werden die Gegenstände vom Archäologie-Institut weiter wissenschaftlich analysiert, ehe sie kommendes Jahr nach Oberhofen zurückkehren und dort dauerhaft ausgestellt werden. (np, TT)


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