Dunkle Nacht, Skandale und ein blauer Almanach - Klassiknews

Wien (APA) - Waren es vor kurzem Hollywoodsounds, denen sich Daniel Hope auf „Escape to Paradies“ gewidmet hat, steht nunmehr wieder Max Ric...

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Wien (APA) - Waren es vor kurzem Hollywoodsounds, denen sich Daniel Hope auf „Escape to Paradies“ gewidmet hat, steht nunmehr wieder Max Richter im Fokus. Der Violinist hat dessen „Berlin by Overnight“ eingespielt und überschreitet damit die Grenze zwischen E- und U-Musik. Die Remixer CFCF, Efdemin, Lorna Dune und Tom Adams haben sich nämlich der Aufnahme angenommen und ihren persönlichen Touch hinzugefügt.

Dem in Wien lebenden Hope begegnet man aber auch auf „Die letzte Blaue“: Diese Doppel-CD versammelt Stücke des in Wien geborenen und von den Nationalsozialisten vertriebenen Komponisten und Musikkritikers Walter Arlen, die Hope gemeinsam mit Daniel Wnukowski (Piano) sowie den Sängern Rebecca Nelsen und Christian Immler interpretiert. Der Titel ist angelehnt an die Bezeichnung für die letzte nächtliche, an ihrem blauen Licht erkennbare Straßenbahn und den Schlager „Wenn die letzte Blaue geht“. Eine Fantasie „über die Stadt meiner Jugend“, wie Arlen schreibt, und gleichzeitig schmerzliche Erinnerung an „die von den Nazis verursachten Tragödien, die Zerstörungen und Verbrechen“.

An einer Überführung des Blauen Reiters in die zeitgenössische Musik versucht sich das Brooklyn Rider Quartett: Mit dem „The Brooklyn Rider Almanac“ wollen sie ihre Version einer Sammlung relevanter Werke, die Vergangenes wie Zukünftiges gleichermaßen abdecken, bereitstellen. Entstanden sind auf diesem Weg dreizehn Auftragsstücke, die sich jeweils mit einer kreativen Persönlichkeit auseinandersetzen - von Keith Haring über James Brown bis John Steinbeck reicht dabei das Spektrum. Die Musiker Johnny Gandelsman, Nicholas Cords sowie Colin und Eric Jacobsen wollten damit ihre persönlichen Grenzen erweitern, wie sie im Vorwort schreiben. Ein Vorhaben, das angesichts des hiermit vorgelegten Variantenreichtums wohl als geglückt angesehen werden kann.

Skandalöser gehen es Alice Sara Ott und Francesco Tristano an: Auf „Scandale“ begeben sich die beiden Jungstars auf eine Zeitreise durch das tänzerische Oeuvre des 20. Jahrhunderts. Von Strawinskis „Le Sacre du Printemps“ über einen Auszug aus Rimski-Korsakows „Geschichte vom Prinzen Kalender“ bis zu Ravels „La Valse“ - es sind jene Werke, die zu Uraufführungszeiten den titelgebenden Skandal herausforderten, die Ott und Tristano interessieren. Ihre Interpretationen wissen zu fesseln, was sich auch für Tristanos Eigenkomposition „A soft shell groove“ sagen lässt: Ein siebenminütiger Ritt, der sich Konventionen der elektronischen Tanzmusik gleichermaßen bedient wie aufrüttelnden Geräuschkulissen und als perfekter Einstieg dient.

„Es ist verrückt, was Bach konnte!“ Der russisch-deutsche Pianist Igor Levit zeigt sich tief beeindruckt vom Können des Meisters, dem er sich auf der im Sommer erschienen Doppel-CD „Bach Partitas“ annimmt. Es ist die zweite Veröffentlichung des 27-Jährigen, und man hört, dass er wie zuvor bei Beethoven eine intensive Auseinandersetzung keineswegs gescheut hat. So habe er bei beiden Einspielungen „um jeden Ton gerungen“, bis das Herantasten, das Einfühlen und Erforschen funktioniert. „Und jetzt schießt mir Bach gerade herein wie ein Wasserfall.“

Den zweiten Teil seiner Mozart-Trilogie hat Paul Badura-Skoda vorgelegt. Die sechs Stücke wurden 2010 und 2013 in Salzburg respektive Wien auf dem historischen Hammerflügel von Anton Walter eingespielt und sind ganz von Melancholie gekennzeichnet. So etwa die Fantasie c-Moll, KV 475, deren tragischer Grundgestus von heiteren Momenten konterkariert wird. Oder aber das Adagio h-Moll, KV 540, ein aus Badura-Skodas Sicht „intimes Selbstbekenntnis“ des Komponisten und „eines seiner ergreifendsten Klavierstücke“.


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