Tosca sind „Outta Here“: Mehr Live-Energie statt „arty ambient“

Wien (APA) - Knackige Songs statt endlose Loops und verästelte Konstruktionen: Das Elektronik-Duo Tosca hat im 20. Jahr seines Bestehens ein...

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Wien (APA) - Knackige Songs statt endlose Loops und verästelte Konstruktionen: Das Elektronik-Duo Tosca hat im 20. Jahr seines Bestehens einen dezenten Richtungswechsel vollzogen. Auf der am 3. Oktober erscheinenden Platte „Outta Here“ versuchen sich Richard Dorfmeister und Rupert Huber an einer Verdichtung ihres Sounds. „Wir wollten das offensichtlich Downbeatige nicht mehr hören“, so Dorfmeister.

Immerhin ein Stil, der die Beiden gemeinsam mit Vertretern der sogenannten Wiener Schule Mitte der 1990er weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte. Downbeat made in Austria, das funktionierte global. Dass in den 14 neuen Stücken nun „mehr Energie“ stecke, wie Dorfmeister im Gespräch mit der APA erklärt, habe auch mit der aktuellen Live-Konstellation zu tun. „Es geht uns nicht darum, das Popformat für das Radio zu erfüllen. Wir wollen einfach schneller zum Punkt kommen. Irgendwann wird es langweilig, wenn man nur ‚arty ambient‘ macht.“

Wesentlich geprägt ist „Outta Here“ von den Sängern Rob Gallagher und Cath Coffey, die schon im Zuge der Tour zu „Odeon“ Teil des Projekts waren. „Sie haben sich als gute Arbeitspartner herauskristallisiert. Dadurch sind wir aber keine Band, sondern eher eine Combo“, umreißt Dorfmeister den Status-quo. „Tosca ist ja nach wie vor unsere Idee.“ Gerade die Konzerte hätten aber gezeigt, „dass lange Intros unnötig sind, wenn eine Stimme dazukommt“, ergänzt Huber. „Die Stimme wirkt wie ein Leitmotiv. Letztlich hat sich das mit den beiden entwickelt, dass wir die Songs möglichst konkret halten.“

Hört man Stücke wie „Crazy Love“ oder „Swimswimswim“, wird dieser Eindruck untermauert. Ohne Umwege entwerfen Dortmeister und Huber in kürzester Zeit das Grundgerüst der Songs, dem sie sukzessive weitere Feinheiten hinzufügen. Funk, Soul und Jazz werden bedient, und doch der typische Tosca-Sound nicht gänzlich über Bord geworfen. Bei „Put It On“ hält sogar ein leicht bluesig-schunkelnder Charakter Einzug.

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„Im Grunde kommen wir von einer Idee des repetitiven Grooves, bei der dich der Loop in eine Trance versetzen kann durch die ewige Wiederholung und Gleichförmigkeit der Dinge“, erläutert Dorfmeister. „Im Endeffekt war auch James Brown schon so: eine gerade Wiederholung, aber mit kleinen Veränderungen.“ Aufgebrochen wird dieses Konzept durch zwei instrumentale Zwischenspiele, die Huber zufolge das Album „in drei verschiedene Kapitel“ gliedern. „Außerdem hat es uns gefallen, so kurze Collagen zu machen, die sehr verdichtet sind.“

Auffallend ist jedenfalls, dass erstmals nur knapp ein Jahr zwischen zwei Veröffentlichungen liegt. „Normalerweise hat es immer drei Jahre gedauert, weil wir alles länger liegen gelassen haben“, meint Dorfmeister. Stattdessen seien diesmal die Songs schnell zu einer Live-Umsetzung gelangt. „Wir haben dieses Risiko, ohne darüber nachzudenken, auf uns genommen“, erinnert sich Huber. „Das war hinsichtlich der Verflechtung der Männer- und Frauenstimme sehr hilfreich.“ Insgesamt habe sich so ein „schnellerer Workflow“ ergeben.

Wer die jüngsten Auftritte von Tosca verpasst hat, muss sich vorerst aber etwas gedulden. Grund dafür ist eine Tour der Stereo MC‘s, deren Mitglied Cath ist. „Außerdem müssen wir es wegen der Kosten bündeln. Wir können die ja nicht ewig auf der Payroll haben“, gibt Dorfmeister zu bedenken. Geht es nach den beiden Musikern, wird ihre Fangemeinde aber noch reichlich Gelegenheit für den Live-Genuss haben. „Ausgehend von dem Potenzial, das wir haben wenn wir zusammen Musik machen, können wir das noch unser ganzes Leben lang machen“, so Huber. „Es entsteht aus dem einen immer etwas anderes.“ Und diesesmal wurde der Weg zum Beat eben verkürzt.


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