Rhythmus als Sprache

Die Brüder Andreas und Matthias Pichler haben als Musiker die halbe Welt bereist. Am Freitag treten sie im Duo ihr „Heimspiel“ beim Festival „fm Riese“ in Wattens an.

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© Stefanie Marcus

Innsbruck –Rank und schlank präsentiert sich das Foward Music Festival „fm Riese“ in seinem dritten Jahr. Da am 6. Oktober der Umbau in den Wattener Kristallwelten beginnt, wird im dritten Festival-Jahr nur ein einziger Abend bespielt. Unter dem Motto „Track the Bass“ wird dabei tief in das Sounduniversum von Kontra- und E-Bass eingetaucht. Mit diesem zaubert der Festival-Headliner, der britische Produzent und Bassist Squarepusher, vielschichtige Klangwelten zwischen Jazz und Elektronik. Zuvor spielen Kompost 3 eine Uraufführung von Festival-Kurator Christof Dienz und Florian Bogner. Eröffnet wird der Abend von den Tiroler Zwillingsbrüdern Andreas und Matthias Pichler, die ihr feines Singer-Songwriter-Album „The Waltz Of Our Hundred Kids“ präsentieren. Schlagzeuger Andreas Pichler im Gespräch über das bevorstehende „Heimspiel“, Familienbande, fanatisches Musizieren und das neue Album.

Der Bandname Andreas Matthias Pichler klingt nach einer Einheit, da gibt es nicht mal ein „Und“ dazwischen. Ist das so, wenn Zwillinge gemeinsam Musik machen?

Andreas Pichler: Diese Einheit hat es von Anfang an gegeben. Schon als Kinder haben wir gemeinsam in der Badewanne Trompete gespielt. Zusammen Musik zu machen, ist zur Normalität geworden. Es hat zwar dann Jahre gegeben, wo Matthias in Linz studierte und ich in Amsterdam. Mit Wolfgang Muthspiel haben wir aber wieder angefangen, gemeinsam zu spielen (Wolfgang Muthspiel Trio, Anm.). Mit Matthias Musik zu machen, fühlt sich einfach gut an, es hat so eine Selbstverständlichkeit. Mit Geschwistern hat man ja eine ganz eigene Sprache und mit ihm war das noch intensiver. So ist es auch mit unserer Musik, das ist eine ganz eigene Sprache, die sich entwickelt.

Wie funktioniert das Songwriting im Duo?

Pichler: Es ist ziemlich gleichwertig, ich schreibe meistens die Texte, Matthias bringt Ideen mit dem Kontrabass. Es ist ein Prozess des Suchens. Wir improvisieren viel. Daraus entstehen dann unsere Liedideen. Vor allem rhythmische Ideen, weil wir ja Kontrabass und Schlagzeug spielen.

Auf „The Waltz Of Our Hundred Kids“ mischen sich alpenländische Einflüsse mit US-amerikanischem Folk. Jazz spielt eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Pichler: Mit meiner New Yorker Band haben wir viel Songwriter-Musik gecovert und auch selbst geschrieben. Was wir nun miteinander gefunden haben, ist zusammengewürfelt aus verschiedensten Einflüssen. Das hängt sicher mit Austropop und den verschiedensten Sachen zusammen, die wir früher gehört haben. Diese Einflüsse sind aber eher unbewusst eingeflossen.

Auf dem Album gibt es Drums, Bass und Banjo. Wollten Sie keine Band im Hintergrund?

Pichler: Bei uns beiden müsste das ganz ein spezieller Musiker sein, der da reinpasst. Wir haben uns zwar überlegt, immer wieder mal Gäste einzuladen, um eine neue Klangfarbe oder neue Ideen zu kriegen. Im Moment wollen wir aber unseren eigenen Weg gehen. Es ist ja schon zu zweit ein Kompromiss, weil jeder von uns so eigen ist. Aber uns verbindet die gemeinsame Vergangenheit und die gemeinsame Sprache.

Sie leben jetzt in Berlin. Was die Ausbildung anbelangt, sind Sie beide nach dem Tiroler Landeskonservatorium sehr unterschiedliche Wege gegangen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Pichler: Ich war sieben Jahre lang in Amsterdam. Was ich in Erinnerung habe, ist das viele Üben, das fanatische Musikspielen, von der Stadt jedoch weniger. Manchmal frage ich mich, was ich vom Leben dort eigentlich mitgenommen habe. Mich in der Musik finden zu können, hat mir Amsterdam schon geboten, die Lehrer vielleicht nicht, aber das Umfeld. Beim Matthias war es anders, Linz ist ja doch Österreich. Er hat auch sehr viel geübt und ist sehr früh in eine Jazzszene reingerutscht, für ihn war das eine sehr gute Zeit für seinen musikalischen Werdegang.

Als Teenager sind Sie regelmäßig zu den Jazz-Sessions in den Bogen 13 gegangen. Wie wichtig war die lokale Szene für Ihre Entwicklung?

Pichler: Total wichtig, ich kann mich erinnern, wie ex­trem nervös ich war, wenn wir uns getraut haben, mal was zu spielen. Clemens Ebenbichler war dort oder Michael Hornek. Das war auf jeden Fall sehr prägend, ich erinner mich auch noch gut, wie uns einmal Florian Bramböck und Roland Heinz gebeten haben, mit ihnen einen Session-Opener zu spielen, das war für uns das Größte.

Was bedeutet Ihnen der Auftritt bei „fm Riese“?

Pichler: Wir sind am Volderberg aufgewachsen. fm Riese ist so was wie ein Heimspiel, ein Zurückkehren nach ganz, ganz früher. In der Heimat zu spielen, macht noch mal nervöser. Wenn die Familie da ist, fehlt die Distanz, die man auf der Bühne haben muss, um sich nicht ganz auszusetzen. Einerseits ist das sehr schön, andererseits ein Sprung ins kalte Wasser.

Das Gespräch führte Silvana Resch


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