Ainet: Neue Spuren im Hochgebirge

Am Potschepol hoch über Ainet wurde wieder erfolgreich archäologisch Hand angelegt. Mit Hilfe der Wasserrettung wagte man sich erstmals in große Tiefen des Alkuser Sees.

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© Stadler

Von Claudia Funder

Ainet –Es war die mittlerweile achte Kampagne, zu der ein Trupp unter Führung von Harald Stadler, Leiter des Instituts für Archäologien Innsbruck, ausgerückt war. Der Potschepol, eine Hochebene mit wissenschaftlichem Potenzial, und der fast 50 Meter tiefe Alkuser See in 2432 Metern Seehöhe wurden im September wieder genau unter die Lupe genommen. Anders als im Vorjahr – damals war man bei spätsommerlichen Bedingungen zur Tat geschritten – wurde das Wetter heuer zur Herausforderung. Der Regen ließ den Startschuss um zwei Tage verspätet fallen. Das Hauptaugenmerk der Kampagnen liegt auf der Erforschung der menschlichen Begehung und Nutzung der Hochweideflächen. Schon bisherige Forschungen hatten ein Zeitfenster aufgestoßen und die vorher bekannte Geschichte Ainets um 3000 Jahre in die Tiefe katapultiert. Nun wurden die Tätigkeiten fortgesetzt, um den Fragen der vergangenen Jahre weiter auf den Grund zu gehen.

Erneut Hand angelegt wurde etwa am mutmaßlichen Brandopferplatz der römischen Kaiserzeit am Potschepol. Nach der Öffnung von zwei so genannten Suchschnitten traten diverse Brandschichten sowie Baustrukturen zutage, die mit Kulthandlungen in Zusammenhang stehen dürften. Holzkohleproben wurden entnommen. Bemerkenswert seien, so Stadler, auch die reichen Kleinfunde – von kaiserzeitlicher Gefäßkeramik bis zu einer Drahtfibel des Spätlatène-Schemas: „So viele römische Keramik-Bruchstücke auf 2200 Metern Seehöhe sind selten.“ Rekonstruktionen sollen nun klären, ob hier nur eine oder mehrere Gefäßformen genutzt wurden. Zu neuen Erkenntnissen führte die vollständige Freilegung einer eisenzeitlichen Hütte. „Es ist die erste Hirtenhütte aus dieser Zeit, die in Osttirol ausgegraben wurde“, freut sich Stadler. Die Dimension überraschte die Forscher. „Die Größe war vorerst nicht absehbar, da sie nach innen verstürzt war“, erklärt Stadler. Mit dem stattlichen Ausmaß von fünf mal drei Metern stehe sie einigen noch heute genutzten Almstrukturen in nichts nach. Stadler: „Das Bild von den Lebensverhältnissen während der eisenzeitlichen Almwirtschaft vervollständigte sich dadurch beträchtlich.“ Weitere Kampagnen werden sich Details bezüglich Außenbereich und Bauelementen widmen.

Kampagnenleiter Harald Stadler.
© Funder

Die Ränder des Alkuser Sees waren bereits unter die Lupe genommen worden, heuer ging es in die Tiefe des Gewässers. Die Tauchgänge erfolgten mit dem Ziel, die Entstehung und Geschichte des Sees zu erforschen. Neben archäologischen Spuren sucht man auch nach geologischen und biologischen Antworten. Im Visier hat man etwa eine unter Wasser liegende „Formation aus Steinen, die wie ein Korridor angelegt ist“, erklärt Stadler. Die Aktion war für die Wasserretter des HSV Lienz – Manfred Schorn, Harald Klocker, Hans Salcher und Martin Santer – eine wertvolle Übung. Die beachtliche Höhe über dem Meeresspiegel und Tauchgänge in bis zu 18 Meter Tiefe stellten eine Herausforderung dar. Logistische wie personelle Unterstützung kam von den Unis Innsbruck und Tübingen. „Es wurden mehrere Fliegen mit einem Schlag getroffen“, so Stadler über den Synergieeffekt. Die Erforschung des Sees stellt für das Institut für Archäologien ein weiteres Pilotprojekt bei Schaffung des Forschungsschwerpunktes Unterwasserarchäologie dar. Trotz widriger Wetterbedingungen war die Kampagne ein voller Erfolg, betont Stadler. Der Lösung verbliebener Rätsel will man sich in den kommenden Jahren widmen.


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