X3 3,0d: Kraftlackel in nobler Tracht

Evolution auf die feine Art: Mehr technisch als optisch überarbeitet schickt BMW sein Erfolgsmodell X3 ins Rennen um die Krone der Premium-SUV. Im Test der opulente Dreiliter-Sechszylinder-Diesel.

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© Reinhard Fellner

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –BMW hat schon seit jeher ein gutes Näschen für Trends und Nischen. Das Mittelklasse-SUV X3 ist ein gutes Beispiel dafür. Bei seiner Einführung vor zehn Jahren standen die Bayern mit ihrem höher gelegten Allradler noch völlig konkurrenzlos da und begründeten nachfolgend ein neues Segment. Über eine Million Exemplare wurden seither vom Münchner aus Spartanburg (USA) verkauft. Die zweite Baureihe wurde jetzt nach gut dreieinhalb Jahren einer Überarbeitung unterzogen, ohne dass dies Außenstehenden auffallen würde. Leicht modifizierte Stoßfänger, Schürzen und zu den Nieren spitzer zulaufende Scheinwerfer sind ein Fall für absolute Marken-Insider.

Im Innenraum stechen hingegen wertigere Materialien und das große iDrive-Bediendrehrad der letzten BMW-Entwicklungsstufe ins Auge.

Noch mehr getan hat sich jedoch unter dem Blech. Eine überarbeitete Fahrwerksabstimmung verkneift sich nun allzu harte Stöße. Optional lässt sich das Ansprechverhalten – wie im TT-Testwagen – auch noch mittels der „dynamischen Dämpferkontrolle“ individualisieren. „Komfort“ ist dann wirklich komfortabel, ohne freilich jemals an Sänftenartiges zu erinnern, Sport+ lädt hingegen ein zur Hatz über Bergpässe. Mit dem serienmäßigen „Fahrerlebnisschalter“ lässt sich die Motor- und Getriebecharakteristik des X3 anpassen. Auf dem letzten Stand ist der Bayer nun auch wieder bei den zahlreichen optionalen Assistenzsystemen. Besonders empfehlenswert für Vielfahrer: der perfekt funktionierende Abstandsregeltempomat samt Auffahrwarnung und Anbremsfunktion.

Richtig interessant wird es zudem bei der Motorisierung: So wurden die beiden Volumendiesel kräftig überarbeitet und leisten nun 150 und 190 PS. Speziell letzterer glänzt mit neuen Fabelwerten und will bei einer Beschleunigung von gerade 8,1 Sekunden auf 100 km/h nur 5,4 Liter im Drittelmix verbrauchen. Dazu kommt eine hörbare Verbesserung der Laufruhe.

Im TT-Testwagen säuselte jedoch eine der schönsten Maschinen, die derzeit am Fahrzeugmarkt erhältlich ist, vor sich hin: der BMW-Dreiliter-Sechszylinder.

258 PS, 560 Newtonmeter schon bei 1500 Touren von null auf hundert in 5,9 Sekunden sprechen eine klare Sprache, zumal das an die nahezu perfekt und sanft schaltende Achtgangautomatik gekoppelte Aggregat im Test nicht mehr als 8,7 Liter Diesel nippen wollte. Ein Top-Wert für so ein starkes SUV mit 1820 Kilogramm Leergewicht.

Dazu der betörende, turbinenartige Klang – keine Frage, ein Paket, das Fahren zur großen Sache macht. Es gibt nur wenige Fahrzeuge, die sich so souverän und lustvoll bewegen lassen. Im X3 ist dieses Aggregat zudem nicht nur opulente Schnittstelle zwischen Kraft und Fahrzeuggröße, sondern auch schon wieder eine Art nobles Understatement.

Doch eines sei auch gesagt: Der X3 mag zwar mit seiner aufwendigen Fünflenker-Hinterachse der Chefdynamiker unter den SUV sein, ein Fünfer oder gar ein Dreier ist er deshalb noch lange nicht. Zu hoch ist der Schwerpunkt in engen Kurven, auch auf schnellen Autobahnkurven erreicht ein SUV eben nie die Spurtreue einer Limousinenbaureihe. Tipp: Wenn Sie es sich leisten können (ab 58.755 Euro mit Achtgangautomatik), gönnen Sie sich im X3 dieses Prachtaggregat – Sie werden es nie bereuen.


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