Weit mehr als ein kleiner Bürgermeister auf dem Land

Helmut Schönherr ist als Dorfchef auch Substanzverwalter zweier Agrargemeinschaften und Geschäftsführer des Innovationszentrums.

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Von Helmut Mittermayr

Pflach –Eigentlich wäre Helmut Schönherr seit drei Jahren im Ruhestand. Eigentlich würde er auf Grund seines beruflichen Vorlebens im Allgäu eine deutsche Pension beziehen. Eigentlich. Der Pflacher lässt seine Ruhestandsbezüge aus Deutschland lieber bis zu seinem 65. Lebensjahr sausen, bevor er darauf verzichten würde, in seiner Heimatgemeinde als Bürgermeister agieren zu können. Initiierte und lenkte er als Gemeindechef schon das rasante Wachstum seines Ortes in den vergangenen Jahren, so sind in letzter Zeit weitere Schwergewichte dazugekommen. Schönherr ist seit einem Monat Geschäftsführer des ab 1.1.2015 dann gemeindeeigenen Innovationszentrums und seit drei Monaten Substanzverwalter der Agrargemeinschaften Pflach und Oberletzen.

Der Vielbeschäftigte: „Dass ich als Bürgermeister vom Gemeinderat zum Substanzverwalter bestellt wurde, ergab sich aus der intensiven, jahrelangen Beschäftigung mit der doch ziemlich komplizierten Materie der Agrargemeinschaften. In der jetzigen Phase der Umsetzung gilt es in der Gemeinde Lösungen zu finden, die allen Beteiligten gerecht werden. Nach dieser Übergangsphase, wenn wieder weitgehend Alltag eingekehrt ist, werde ich sicher nicht mehr das Amt des Substanzverwalters ausüben. In der momentan noch schwierigen Phase halte ich das aber noch für notwendig.“

Schönherr will sich in puncto möglicher Überlastung gar nicht mit fremden Federn schmücken. Ein Großteil der zusätzlichen Arbeit durch die Übernahme der Verwaltung der Agrargemeinschaften werde von der Gemeindeadministration kompensiert. Und die Verwaltung des IC-Reutte würde wie bisher von der Vizebürgermeisterin und Sekretärin des IC auf Grund ihrer jahrelangen Erfahrung hervorragend abgedeckt. Eine notwendige Aufstockung der Teilzeitarbeitszeiten der betroffenen Personen werde aber voraussichtlich erfolgen. Er streut weitere Rosen ans Umfeld: Dieses breit gefächerte und anspruchsvolle Betätigungsfeld zu meistern, sei nur möglich, weil ihm gut geschulte und kompetente Mitarbeiter und ein engagierter, in die Zukunft blickender Gemeinderat zur Seite stünden. Der „arme“ Bürgermeister: „Sollte jemand befürchten, dass ich zu viel verdiene – ich verzichte bis September 2015 auf meine Pensionszahlung aus der Bundesrepublik Deutschland zu Gunsten meiner Bürgermeistertätigkeit, bekomme momentan auch weder für den Posten als Substanzverwalter der Agrargemeinschaften noch als Geschäftsführer des IC-Reutte eine Entschädigung.“

Auf die TT-Frage, was ihn antreibt, bleibt keine Sekunde zum Luftholen: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass eine Gemeinde offen für Neues sein muss. Dass sie Entwicklung und Zuzug zulassen sollte und nicht in der Vergangenheit verharrt.“ Dazu gehört für ihn auch, dass eine Gemeinde auf finanziell gesunden Füßen stehen muss. Alle in den letzten Jahren gesetzten Maßnahmen seien darauf hinausgelaufen. Ob der 64-Jährige bei den Wahlen 2016 wieder antritt, hängt davon ab, „ob ich das Gefühl habe, die Mehrheit der Pflacherinnen und Pflacher will das und vor allem ob sich wieder eine Gruppe von Mitstreitern findet“. Körperliche und geistige Fitness als Voraussetzung verstehe sich von selbst.

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